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Einzelsport Jugend

Nachwuchs-Europameisterschaften in Kasan

Die besten Schülerinnen bei der Siegerehrung in Kasan (v.l.): Chantal Mantz (2.), Nina Mittelham (1.), Daria Chernova (3.) und Lea Rakovac (3.) (Photo: Steinbrenner).

Chantal Mantz gewinnt Einzel-Silber

Chapeaux und herzlichen Glückwunsch, Chantal Mantz! Fünf Tage nach dem Gewinn der Silbermedaille mit dem deutschen Schülerinnen-Team, gewann die 15-jährige EM-Debütantin vom SV-DJK Kolbermoor am Abschlusstag der Nachwuchs-Europameisterschaften im russischen Kasan auch im Einzel den kontinentalen Vizemeistertitel. Im rein deutschen Endspiel unterlag Mantz Nationalmannschaftkollegin Nina Mittelham in fünf Durchgängen. Keine weitere Medaille brachten die Individualwettbewerbe indes für den frisch gekürten Schüler-Mannschafts-Europameister Kilian Ort (TSV Bad Königshofen). Mit dem Erreichen des Einzel-Achtelfinales bestätigte Ort seinen neunten Rang in der Europarangliste. Florian Schreiner (SC Fürstenfeldbruck) musste in seinem Premierenjahr bei den U18-Jungen erwartungsgemäß kleinere Brötchen backen, stand in Runde zwei des Einzel-Entscheids jedoch dicht vor einer großen Überraschung.

Chantal Mantz: Silberne EM-Premiere

Als die deutschen Schülerinnen am Dienstag bei der Siegerehrung im Teamwettbewerb mit Silber dekoriert wurden, war dies vor allem für die beiden Frontfrauen der Mannschaft, Nina Mittelham und Chantal Mantz, ein Medaillengewinn „in Moll“. Die hauchdünne Finalniederlage gegen Russland überlagerte doch merklich die Freude über den gewonnenen zweiten Platz. Das „Thema“ schnell abgehakt, präsentierten sich beide in den Individualwettbewerben jedoch wieder positiv, entschlossen und selbstbewusst. Mehr oder weniger im „Spaziergang“ gelang Mantz mit klaren Siegen über Laura Ramirez aus Spanien (4:0), Francesca Trotti aus Italien (4:0), Natalia Bajor aus Polen (4:1) und Andreea Clapa aus Rumänien (4:1) der Sprung auf`s Siegerpodest. Mehr Paroli hatte im Halbfinale erwartungsgemäß die Kroatin Lea Rakovac zu bieten. Wie schon im Viertelfinale des Mannschaftsentscheids konnte die Nummer sechs Europas der zwei Ränge hinter ihr notierten Deutschen zwei Sätze abnehmen, der Gesamtsieg ging letzlich aber ebenso souverän an Mantz wie wenige Stunden später der Finalsieg an Nina Mittelham. Im Vergleich zum Endspiel der Deutschen Meisterschaften, als Mantz ihrer Nationalmannschaftskameradin nach 2:1-Satzführung und Matchbällen in Durchgang fünf nur um Haaresbreite unterlag, endete der finale Schlagabtausch in Kasan deutlicher zu Gunsten von Mittelham. Erst spät fand Mantz in die Begegnung, geriet schnell mit 0:3 in Rückstand. Die Kolbermoorer Zweitligaspielerin konnte zwar noch auf 1:3 verkürzen, doch im fünften Durchgang machte Mittelham, die mit Nicole Trosman aus Israel kurz zuvor schon den Doppeltitel gewinnen konnte, den Sack zu. "Es ist schon bitter, gerade im Endspiel so schlecht gespielt zu haben", zeigte sich Mantz über ihre Finalleistung sehr enttäuscht. Ohne Medaillengewinn blieb Mantz in den Paar-Konkurrenzen. Im Doppel musste die 15-Jährige mit ihrer rumänischen Partnerin Andreea Rosca im Viertelfinale die Segel streichen. Im Mixed mit Maikel Sauer markierte die belgische Kombination Romain Lambiet/Florence van Acker das Aus in Runde zwei.

Kilian Ort: Ambivalente Beziehung zu Andréa Landrieu

Andréa Landrieu: 15 Jahre, Franzose und aktuelle Nummer drei der U15-Europarangliste. Ein Spieler, zu dem Kilian Ort im Laufe der „Jugend-Euros“ ein besonderes Verhältnis entwickelte: besonders intensiv und besonders ambivalent. Im Halbfinale des Mannschaftswettbewerbs lieferte der Europaranglisten-Neunte gegen Landrieu eines seiner besten Spiele "ever". Für die deutsche Schüler-Auswahl markierte Orts dramatischer 3:2-Erfolg einen Meilenstein auf dem Weg zum Titelgewinn. Unerfreulich gestaltete sich dagegen das gleich doppelte Wiedersehen mit dem Franzosen in den Individualwettbewerben. Sowohl im Einzel als auch im Mixed war es Landrieu, der den Medaillenträumen des Unterfanken ein Ende setzte. „Solo“ scheiterte der Oberligaspieler aus Bad Königshofen im Achtelfinale mit 0:4 am Youngster des französischen Viertligisten ASPTT Romans. Ein setzungsgemäßes Ergebnis, dem in der Runde der besten 32 ein erneut außergewöhnlicher mentaler und physischer Kraftakt des bayerischen „Nervenungeheuers“ vorausgegangen war. Nach Freilos in Runde eins und klarem Zweitrundenerfolg über Igor Morais aus England (4:1), musste Ort gegen den Ungar Gergely Sabjan alle Register ziehen, um das Achtelfinale zu erreichen. Insgesamt sechs Matchbälle wehrte der 15-Jährige ab, um am Ende mit 15:13 im siebten Satz die Oberhand zu behalten. Ein Spiel über die volle Distanz, das wertvolle „Körner“ kostete. Bis in`s Viertelfinale ging es für Ort mit Nina Mittelham im Mixedwettbewerb, ehe Landrieu und Laura Pfefer mit 3:0 Orts zweiten Sprung auf`s Podium verhinderten. Im Doppel mit Maikel Sauer bedeutete die schwedische Kombination Benny Feng/Anders Eriksson im Achtelfinale Endstation.

Florian Schreiner: Schreiner sägt am Stuhl der Favoriten

Die Auftakthürde Michael Tauber (Israel) souverän genommen, stand Florian Schreiner gegen den Franzosen Simon Gauzy in Runde zwei des Einzelwettbewerbs dicht vor einem Überraschungscoup. An Postion 49 der U18-Europarangliste geführt, zwang Schreiner die Nummer vier der kontinentalen Bestenliste und späteren Bronzemedailengewinner in ein Match über die volle Distanz. Schreiner sägte gewaltig am Stuhl des Favoriten, doch Gauzy stürzte nicht. Während bei Schreiner der Frust über die verpasste Chance zunächst größer war als die Freude über die gezeigte Leistung, lobte Bundestrainer Georg Imhof die Performance des Regionalligaspielers vom SC Fürstenfeldbruck: „Florian hat in dieser Begegnung an seinem oberen Limit agiert. Mit seinem spielerischen Auftreten bin ich sehr zufrieden.“ Dass die internationalen Trauben für den 15-Jährigen in seinem Premierenjahr in der Altersklasse der U18-Jugend noch recht hoch hängen würden, war klar. Mit seinen Solo-Auftritten sowie seinen Einsätzen in den Platzierungsrunden des Mannschaftswettbewerbs, bei denen Schreiner eine positive Bilanz erspielte, konnte der junge Bayer seine EM-Nominierung jedoch überzeugend bestätigen. Im Doppel scheiterte Schreiner mit Frederic Jost in Runde eins an der slowakisch-weißrussischen Paarung Matej Mucha/Andrei Fiodarau. Im Mixed mit Theresa Kraft schied Schreiner nach Freilos in der ersten Runde, in Runde zwei knapp in fünf Durchgängen gegen das tschechische Duo Jakub Seibert/Tamara Tomanova aus.

erstellt am 24.07.2011

Chantal Mantz feierte in Kasan ein silbernes EM-Debüt (Photo: Steinbrenner).