Zur BEM D/H im Jahr 2002
Ein ganz besonderes Jubiläum:
30 JAHRE LANDESLEISTUNGSZENTRUM
Burglengenfeld als zuverlässiger PARTNER des BTTV
BAYERISCHE TITELKÄMPFE ZUM AUFTAKT DES JUBILÄUMSJAHRES
SPITZENVERANSTALTUNGEN DES BTTV HABEN HIER GROSSE TRADITION
Es ist kein Zufall, dass das Jubiläumsjahr zum 30. Geburtstag des BTTV - Landesleistungs-zentrums in Burglengenfeld mit einer Bayerischen Einzelmeisterschaft der Damen und Herren eröffnet wird, also der bedeutendsten Verbandsveranstaltung für den Tischtennissport.
Vielmehr soll damit die Wertschätzung zum Ausdruck gebracht werden, die diese Einrichtung auch heute noch genießt, selbst wenn die Sporthalle inzwischen von moderneren Anlagen über- trumpft wird und auch sonst nicht immer alle Probleme bewältigt werden konnten.
Zwar war zunächst ein anderer Durchführer für diese Titelkämpfe eingeplant, doch als dieser auf die Ausrichtung verzichtete, machten wir aus der Not eine Tugend. Nirgends sind solche Wettkämpfe in einem Jubiläumsjahr besser aufgehoben als hier.
Bayerische Meisterschaften mit langer Tradition
Im Oktober 1945 – wenige Monate nach Kriegsende – wurde in München der Bayerische Tischtennis-Verband gegründet. Zum Jahreswechsel 1946 gab es bereits erste Städtewettkämpfe; in der Spielzeit 1946/47 begann ein vorsichtiger Wettkampfbetrieb und in der Saison 1947/48 gab es bereits die ersten Bayerischen Einzelmeisterschaften der Damen und Herren – im Frühjahr 1948 in München. Danach waren Erlangen, zweimal Ingolstadt, Regensburg und dann wieder München die Austragungsorte – Hochburgen für den Tischtennissport in Bayern. In Regensburg und Donauwörth fanden die Titelkämpfe der nächsten beiden Jahre statt, bevor dann erlangen der Ausrichter für die 10. Meisterschaften war. Inzwischen waren immer mehr Vereine dem BTTV beigetreten; die Zahl der möglichen Ausrichter vergrößerte sich, obwohl die Hallenverhältnisse nicht überall sehr günstig waren.
Die Ansprüche waren auch noch nicht sehr groß. 1964 waren die Bayerischen Meisterschaften erstmals in Schwandorf. Bei diesen 18. Titelkämpfen trat erstmals der 24-jährige Abteilungsleiter des ASV Fronberg in Aktion: Friedrich Haag. Der Tischtennisnarr aus Baden- Württemberg hatte sich in der Oberpfalz etabliert und organisierte gemeinsam mit Sportwart Hans Link und dem Bezirksvorsitzenden Werner Hielscher diese Meisterschaften. Sieben Jahre später war erneut Schwandorf der Austragungsort. Diese 25. Bayerischen Einzelmeister-schaften waren noch geprägt von der Erinnerung an die Weltmeisterschaft 1969 in München und von den dort gemachten Erfahrungen. Die vielen Anfragen aus verschiedenen Ländern, wo man sich denn auf ein solches Turnier vorbereiten könnte, hatte den schon vorhandenen Gedanken an ein Leistungszentrum weiter vertieft. In einem solchen Leistungszentrum könnten viele TOP-Veranstaltungen stattfinden, man könnte jede Menge Lehrgänge durchführen und das Leistungszentrum auch für Trainingslager von ausländischen Gästen zur Verfügung stellen.
Die Idee wurde Wirklichkeit. Als das Johann-Michael-Fischer-Gymnasium in Burglengenfeld gebaut wurde, an den Ort, an dem Architekt und Tischtennisnarr Hans Link seinen Arbeitsplatz hatte, bot sich für den BTTV die Chance, einzusteigen. Im Herbst 1972 wurde das LLZ eingeweiht. Im Herbst 1973 waren dann die Bayerischen Einzelmeisterschaften für Damen und Herren; die 27. Titelkämpfe im Verbandsgebiet, die erste größere Veranstaltung des BTTV im neuen Leistungszentrum. Die nunmehr 55. Meisterschaften sorgen dafür, dass zum zweiten Mal Verbandsmeisterschaft im LLZ sind; zum Auftakt des Jubiläumsjahres.
Bayerischer Spitzensport für alle Bereiche
Natürlich fanden in Burglengenfeld zahlreiche Bayerischen Meisterschaften der verschiedensten Turnier- und Leistungsklassen statt. Die Bayerische Jugend traf sich hier 1978 und 1985, um in vier Jugendaltersklassen ihre Einzelmeisterschaften auszutragen; bereits 1975 war das Finale der Bayerischen Mannschaftsmeisterschaften der Jugend im Landesleistungszentrum ausgetragen worden. Auch die Senioren fanden zu ihren Titelkämpfen den Weg nach Burglengenfeld; 1975 unter der Bezeichnung Bayerisches Seniorentreffen; 1992 dann zu den Bayerischen Seniorenmeisterschaften. Natürlich war das LLZ immer auch für Titelkämpfe der Gäste offen: Das Bayern-Finale der „mini“-Meisterschaften fand hier ebenso statt (1989) wie das Landesfinale im Schulsportwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ (1974), die Bayerischen Meisterschaften der Behindertenwerkstätten (1986) oder die Bayerischen Meisterschaften der Raiffeisenbanken (1984).
Die zweite Säule neben den Meisterschaften sind die Ranglistenturniere. Das Verbandsrang-listenturnier der Damen und Herren um den Bayernschild wurde 1977 und 1984 in Burglengenfeld ausgetragen; 1996 nochmals unter neuer Bezeichnung als Qualifikationsturnier zur Südrangliste. Die absolute Spitze des bayerischen Nachwuchses traf sich 1980 und 1988 zu ihrem Verbandsranglistenturnier im Landesleistungszentrum.
Für den BTTV aber war sein Leistungszentrum immer nicht nur Austragungsort für Wettkämpfe, sondern vor allem auch ein Ort der menschlichen und sportlichen Begegnung in gemeinsamen Lehrgängen und Trainingsmaßnahmen mit einem Vergleichskampf zum Abschluss. Während ein gemeinsamer Trainingslehrgang mit anschließendem Vergleichskampf mit dem WTTV noch vor dem tatsächlichen Start des Landesleistungszentrums lag, kam 1973 eine Sportdelegation aus Berlin zur ersten gemeinsamen Maßnahme im LLZ. Viele weitere Begegnungen folgten mit Mannschaften aus Budapest 1974, 1975 und 1976; mit einer polnischen Auswahl aus Gleiwitz 1983 und 1991; mit einem Team aus Ostrava 1984 und 1986; dann 1991 mit einer finnischen Nachwuchsauswahl. In den Jahren 1991, 1992 und 1993 fanden dann gemeinsame Trainingsmaßnahmen mit einer tschechischen Nachwuchsauswahl statt und ebenfalls 1993 war ein Team aus Weißrussland zu Gast. Oftmals fanden dabei auch Gegenbesuche mit gemeinsamen Trainingsmaßnahmen statt. So wurde Burglengenfeld für viele Jahr zum Mekka des Tischtennissportes.
Das Zentrum wurde zum Treffpunkt der Schiedsrichter, als 1978 hier das Bayerische Schiedsrichtertreffen stattfand, und zum Begegnungsort für Fachwarte auf Verbandsebene mit den Mitgliedern des Ehrenrates bei den Herbsttreffen 1983 und 1998; das füür den Herbst 2001 geplante Treffen musste leider kurzfristig abgesagt werden.
Der Südverband entdeckt Burglengenfeld
Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass nahezu alle offiziellen TT-Veranstaltungen, die es in Bayern gibt, irgendwann einmal in Burglengenfeld stattgefunden haben. Das kann sicher kein anderer Ort im Freistaat von sich behaupten, und es dürfte auch nahezu einmalig sein über Bayerns Grenzen hinaus.
Aber nicht nur die Bayern trafen ihre Gäste in Burglengenfeld; auch der Süddeutsche TTV entdeckte das Landesleistungszentrum für Tischtennis in der Oberpfalz. Das ist zunächst einmal deshalb kein Wunder, denn in den 40 Jahren seines Bestehens kam der Präsident des Süddt. TTV immer aus Bayern. Anders war dies beim Sportwart, denn der kam vom TTVWH, als 1972 die Süddeutschen Einzelmeisterschaften der Damen und Herren als erste Großveranstaltung überhaupt im neuen LLZ ausgetragen wurden. Hier bestanden die Väter des LLZ ihre erste wirkliche Feuertaufe, nachdem sie vorher schon bewiesen hatten, dass sie auch unter nicht so guten Bedingungen improvisieren konnten. Knapp 30 Jahre später fanden 2001 erneut Süddeutsche Meisterschaften der Damen und Herren in Burglengenfeld statt- unter dem Dach des Leistungszentrums, wenn auch an anderer Stelle. Das Süddeutsche Ranglistenturnier der Damen und Herren war dann 1982 in Burglengenfeld.
Nachdem man im Südverband von Anfang an mit den Bedingungen in Burglengenfeld zufrieden war, kamen 1974 die Junioren der vier damals beteiligten Landesverbände nach Ostbayern, um ihr Süddeutsches Ranglistenturnier hier auszutragen. 1975 fand dann hier die Süddeutsche Mannschaftsmeisterschaft der Jugend hier statt. Der 1. regionale Sichtungs-lehrgang des Süddt. TTV für Schüler wurde ebenfalls in Burglengenfeld ausgetragen. Es dauerte dann aber bis zum Jahr 1989, bis endlich auch die Süddeutschen Einzelmeisterschaften der Jugend die Veranstaltungsliste nahezu komplettierten. Nur Süddeutschlands Senioren haben das LLZ noch nicht entdeckt, aber Wettkämpfe für diese Wettkampfklasse gibt es ja erst seit kurzem. In den letzten Jahren veranstaltete der Süddeutsche Verband hier vor allem sein Internationales Schülerturnier, von dem noch zu reden sein wird.
Der DTTB als Gast in Bayern
„Burglengenfeld ist der einzige Ort in Bayern, an dem man nach den Gesetzen des Hochleis-tungssportes vernünftig trainieren kann“, meinte einst die bayerische Verbandstrainerin Eva Jeler, die später als Trainerin beim DTTB war. Zu ihrer Zeit veranstaltete der DTTB seine Vorbereitungslehrgänge auf die Europameisterschaften der Schüler und Jugend in den Jahren 1976, 1977 und 1978 dreimal hintereinander im Landesleistungszentrum des BTTV. 1979 folgte dann ein absoluter Höhepunkt, als der DTTB 1979 Burglengenfeld zum Austragungsort des Europaligaspieles Deutschland gegen England auserwählt hatte. Fast 2000 Zuschauer gingen begeistert mit bei den sieben Spielen nach dem alten System. Vier Herreneinzel, ein Dameneinzel, ein Herrendoppel und ein Gemischtes Doppel wurden ausgetragen – und die Akteure boten Weltklasse-Tischtennis. Am Ende einer dramatischen Begegnung gewann England sehr glücklich mit 4:3; die Zuschauer hatten einen Höhepunkt nach dem anderen erlebt. 1992 wurde dann aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums des LLZ das Bundesranglisten-qualifikationsturnier hier ausgetragen – ein weiteres „highlight“ in der Geschichte dieser prächtigen Einrichtung. Zwei Länderspiele der Damen in der neu geschaffenen Europaliga – im Jahr 1993 und im Jahr 1997 jeweils gegen das aufstrebende Kroatien, waren weitere sportliche Leckerbissen. Die umfangreichste Veranstaltung aber wartete im Mai 1999 auf die Organisatoren vor Ort: Die Deutschen Einzelmeisterschaften der Jugend stellten das Leistungszentrum vor eine große Herausforderung, die aber wiederum souverän bewältigt wurde.
Auch international ein Treffpunkt
Von Anfang an war das Landesleistungszentrum ein internationaler Treffpunkt für die Asse des Tischtennissportes aus aller Welt. Die Anfrage der japanischen Nationalmannschaft nach einem Trainingsquartier vor den Weltmeisterschaften 1969 in München gab im Grunde den Anstoß für das Landesleistungszentrum. In den Folgejahren waren die Nationalmannschaften Schwedens, Nigerias, Japans, Südkoreas und mancher anderen Nation zu Gast im Osten Bayerns. Vor allem die Ungarn gingen hier ein und aus – und die frischgebackenen Weltmeister 1975 kamen nach ihrer Rückkehr aus Korea gleich zum Vergleichskampf in Burglengenfeld. Der Doanu-Cup und der Joola-Cup wurden zu internationalen Ereignissen. 1980 war eine Delegation aus Tokio hier zu Vergleichskämpfen und zum Traingslager vertreten. Das 1994 ins Leben gerufene Internationale Schülerturnier, zu dem regelmäßig die Nachwuchsteams aus Kroatien, Slowenien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn eingeladen werden, wurde bisher acht Mal austragen, davon sechsmal in Burglengenfeld. Die Kinder wollen nirgends anders hin; die Trainer auch nicht und die Fachwarte fühlen sich hier ebenfalls wohl. Die vorhergehende Aufzeichnung hat bereits deutlich gemacht, wie viele internationale Begegnungen hier stattgefunden haben. Auch in dieser Beziehung gibt es sicher keinen vergleichbaren Ort.
Viele weitere Maßnahmen
Natürlich war das Landesleistungszentrum niemals nur dem Sport auf höherer Ebene vorbehal- ten. Jeder, der sich engagiert für Tischtennis einsetzt, war hier stets gern gesehener Gast. Weit über 150 Turniere auf Kreis- und Bezirksebene wurden in den 30 Jahren des Bestehens hier ausgetragen. Viele viele Lehrgänge fanden hier statt. Zu fast 180 Trainingslehrgängen für die Mitglieder des Jugendkaders bzw. des Verbandskaders trafen sich Nachwuchstalente hier im LLZ des BTTV. Bei knapp 100 Übungsleiterlehrgängen, von denen manche Geschichte geschrieben haben, wurden die Übungsleiter aus- und fortgebildet, die draußen in den Vereinen unermüdlich tätig sind und so für die weitere Verbreitung unseres Sportes arbeiten. Viermal war auch der DTTB mit A-Lizenz-Lehrgängen in Burglengenfeld. Bei insgesamt 41 Lehrerlehrgängen erwarben sich rund 1000 Pädagogen die Berechtigung zur Erteilung von Tischtennis in der Schule. Es ist schon ein unglaublich breites Spektrum an Möglichkeiten, die hier angeboten wurden und werden. Dazu gehörten natürlich auch die Festveranstaltungen zu den verschiedenen Jubiläen oder auch die Tage der offenen Tür, die Spielfeste gemeinsam mit dem BLSV und viele Aktionen für Jedermann.
Wirtschaftsfaktor LLZ
Da heute in allen Bereichen des Sports so häufig die Frage nach den Finanzen gestellt wird, kommt man auch bei dieser Betrachtung nicht um das Thema herum. „Wer kann es sich denn leisten, solche Maßnahmen zu finanzieren?“ Hier muss man zunächst einmal sagen, dass der BTTV wirklich einen guten Griff getan hat als er sich vor über 30 Jahren für Burglengenfeld entschied, auch wenn die geographische Lage nicht optimal erschien. Der sportfreundliche Landkreis Schwandorf hat unsere Ziele immer unterstützt. Landrat Hans Schuierer und sein Nachfolger Volker Liedtke wussten und wissen um die Bedeutung von sportlichen Höhepunkten für die Zentralität eines Landkreises. Auch die Stadt Burglengenfeld war immer ein zuverlässiger Partner, der man es gerne abnahm, dass sie der Austragungsort möglichst vieler hochkarätiger Veranstaltungen sein möchte. Da von Seiten der Politik stets Unterstützung da war, gelang es auch, die heimische Wirtschaft als Partner zu gewinnen. Immer wieder konnten Sponsoren als Partner gefunden werden, die bereit waren, in den Sport bzw. in die Jugendarbeit zu investieren. Auch die Presse war bald ein zuverlässiger Gefährte, denn wer berichtet nicht gern von hochklassigen sportlichen Veranstaltungen, die optimal ablaufen. Dass uns dann der BLSV und die Vereine vor Ort erheblich unterstützten, war fast schon selbstverständlich.
All diesen Partnern und Sponsoren, Freunden und Gönnern herzlich zu danken, ist mir heute ein echtes Anliegen – verbunden mit der Bitte, uns, unseren Sport und die Jugend auch weiterhin so tatkräftig zu unterstützen.
Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass sich Partnerschaft auf Gegenseitigkeit beruht. Rund 45.000 Übernachtungen fanden hier im Zusammenhang mit den Maßnahmen des LLZ in den vergangenen 30 Jahren hier statt. Das ist schon ein enormer Wirtschaftsfaktor, der besagt, dass nahezu alle Zuschüsse, die hier gegeben wurden, und noch einiges mehr, hier auch wieder ausgegeben wurden – viele Millionen zum Wohl der heimischen Wirtschaft. Es waren schon sehr kluge Politiker, die bald erkannten, dass Unterstützung des LLZ gleichzeitig die Unterstützung der eigenen Bevölkerung bedeutet.
30 Jahre Vater und Leiter
Dass der Gedanke, ein Landesleistungszentrum als Begegnungstätte, Trainingszentrum und Veranstaltungsort zu errichten, über drei Jahrzehnte hinweg so erfolgreich sein würde, konnte niemand vorhersehen. Natürlich hing dies im Wesentlichen mit den Personen zusammen, die dort vor Ort agierten. Als Vater des LLZ wurde oft Dr. Hans Link bezeichnet, jener in Burglengenfeld ansässige Architekt, der zunächst als Bezirksvorsitzender der Oberpfalz mit großer Vehemenz für die Schaffung dieses Zentrums in seinem Bezirk plädierte und später als Vizepräsident mit unermüdlichem Einsatz um den Fortbestand und die Auslastung kämpfte.
Er leitete das Leistungszentrum drei Jahre lang, konnte das aber nur tun, weil er von Anfang an einen Mann auf seiner Seite hatte, für den dieses LLZ eine Lebensaufgabe werden sollte: Fritz Haag. Was dieser Mann, der aus Württemberg kam und sich sehr rasch mit den Oberpfälzern arrangierte, für den BTTV und dessen Landesleistungszentrum in Burglengenfeld alles vollbrachte, kann kaum jemand ermessen und schon gar niemals jemand in allen Einzelheiten beschreiben. Zunächst war Fritz Haag die rechte Hand des Leiters des LLZ, kümmerte sich um Termine und Gespräche, organisierte mit einer unglaublichen Liebe zum Detail alle Veranstaltungen, beschaffte die finanziellen Mittel, sorgte für eine ansprechende Öffentlichkeitsarbeit – als unermüdlicher Diener seines Herrn. Gespräche mit dem Landkreis führten dazu, dass dessen Mitarbeiter Fritz Haag auch während seiner Dienstzeit für das LLZ tätig werden durfte, was bei Trainingslagern und Lehrgangsmaßnahmen unbedingt notwendig war – gegen einen finanziellen Ausgleich für den Arbeitgeber natürlich. In der Folgezeit war Fritz überall und immer präsent, ein Ansprechpartner für Jeden, der im Leistungszentrum anwesend war. Was zu erledigen oder zu beschaffen war, bewältigte er umgehend – und er machte dabei Unmögliches möglich.
Nach drei Jahren als Assistent wurde Fritz Haag selber Leiter des LLZ – und er ist es bis heute. Manchmal sagt er, er würde sich zur Ruhe setzen, aber die Aufgaben im LLZ würde er wohl zu allerletzt aufgeben; es würde ihm ein Stück seines Lebens fehlen.
Seit 30 Jahren identifiziert sich Fritz Haag mit dem Leistungszentrum. Er ging bei den Behörden in Stadt und Landkreis ein und aus und holte sich immer wieder die Zustimmung und die notwendige Unterstützung für Tischtennis in Burglengenfeld. Er führte die vielen Gespräche mit der Schule, die nicht immer einfach waren, in einer solchen Form, dass ihm Oberstudiendirektor Dr. Fischer bei seinem Ausscheiden aus dem Amt das „Du“ anbot. Mit Oberstudiendirektor Dexl als Nachfolger knüpfte er sofort gute Kontakte. Sein Verhältnis zum Personal des Burglengenfelder Gymnasiums ist prächtig, und bei der alljährlichen Weihnachtsfeier denkt er stets daran, wie wichtig alle Mitarbeiter vor Ort sind.
Auch bei der Organisation von Veranstaltungen denkt er einfach an alles; jede Einzelheit ist vorher genau geplant. Er besorgt tolle Preise und herrliche Urkunden mit Fotos, denkt daran, dass Jugendliche sich wohlfühlen wollen und sorgt für die nötigen Extras. Er hat hervorragende Kontakte zur Wirtschaft im gesamten Landkreis aufgebaut, so dass es ihm immer wieder gelingt, alle Maßnahmen mit der Hilfe von Sponsoren und Werbepartner zu finanzieren. Was woanders fast nie gelingt, ist für ihn selbstverständlich – und obwohl es immer beschwerlicher wird, in dieser Häufigkeit die notwendigen Mittel zu beschaffen, gibt er niemals auf und findet immer einen Weg.
Er ist dabei recht offen und sagt stets gerade heraus, was er denkt, weshalb er durchaus immer wieder mal aneckt – auch bei Sportkameraden und Funktionären. Seinen Einsatz für das Leistungszentrum und damit seine Leistung für die Tischtennissport und für die Tischtennisjugend kann man nur als großartig, unglaublich und beispielhaft bezeichnen.
Wenn es um die Planung von Veranstaltungen geht, ist er lange Zeit häufig ein Einzelkämpfer, der mit Liebe und Hingabe an jene Kleinigkeit denkt und alles tut, um für die Sportler optimale Voraussetzungen zu schaffen und ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. In der Endphase der organisatorischen Vorbereitung und bei der Durchführung aber findet sich immer wieder sein Helferteam zusammen, das ihn unterstützt. An erster Stelle ist hier seine Frau Gertraud zu nennen, die sich immer wieder zur Verfügung stellt, und die das Lebenswerk ihres Mannes, zu dem jede Veranstaltung ein einzelner Baustein ist, prächtig unterstützt.
Es sollte deutlich geworden sein: Eine Feier zum 30-jährigen Jubiläum des Landesleistungs-zentrum Burglengenfeld des BTTV kann nur ein Danke schön sein; ein ganz ganz herzlicher Dank zunächst an den Leiter Fritz Haag und seine Familie, ein herzlicher Dank aber auch an alle diejenigen, die im Umfeld für eine ständige Unterstützung dieser Maßnahme sorgten.
Probleme bleiben
„Problem gelöst“, so hörte man oft den Fritz sagen, wenn es da wieder so ein Hindernis gab, das scheinbar nicht zu überwinden war. Für fast alles wusste er Rat und Ausweg. Ein Problem aber konnte er nicht aus der Welt schaffen. Er fand zwar Lösungen, aber die konnten nicht alle Beteiligten zufrieden stellen.
Ich denke an die Unterbringung derjenigen, die im Leistungszentrum einen Lehrgang haben oder an einer Veranstaltung teilnehmen. Zunächst war es geplant, dass in der Nähe der Sporthalle ein Unterkunftshaus erstellt wird. Diese Pläne aber sind frühzeitig gescheitert. In den ersten Jahren war die Unterbringung in einer Burglengenfelder Gaststätte, die allerdings auch ziemlich weit vom Leistungszentrum entfernt lag, gesichert. Nach deren Umbau aber stiegen die finanziellen Ansprüche in einer nicht zu verantwortenden Weise. Der BTTV musste sich nach einer anderen Bleibe umsehen.
Natürlich fand Fritz Haag ziemlich rasch ein prächtiges Quartier. Die Reiterpension Wiendl in Neuenschwand bot alles, was man sich nur wünschen konnte. Alle Teilnehmer waren gut untergebracht, konnten sich in angenehmer Atmosphäre wohlfühlen und eine stets hervorra-gende Verpflegung konnte selbst ausgewählt werden. Vor allem aber stimmten auch die Preise, die der BTTV zu bezahlen hatte, wenn seine Nachwuchstalente hier trainierten. Die Familie Wiendl tat wirklich alles, um uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, und sie ist uns im letzten Vierteljahrhundert auch persönlich ans Herz gewachsen. Nur eines konnte sie nicht bieten: die notwendige Nähe zum Landesleistungszentrum. Ca 20 bis knapp 30 Minuten ist man mit Auto bzw. Bus unterwegs zwischen Quartier und Halle. Das ist im Grunde kein Problem bei Veranstaltungen, wenn man einmal am Tag hin und her fährt. Wo aber für Jugendkader ein periodisiertes Training nach modernen Gesichtspunkten mit Ruhepausen zwischendurch stattfinden soll, da wird dies zum Problem. Kein Wunder, dass für die Verbandstrainer in ihrer Verantwortung für die Spitzenleistung der Jugend Burglengenfeld nicht mehr der geeignetste Ort war, um Kaderlehrgänge durchzuführen. Da zog man schon die neue Sportschule in Oberhaching vor, wo alles beieinanderliegt und Lehrgänge dank der Bezuschussung mit Staatsmitteln auch kostengünstiger abgehalten werden können, wenn man denn in der vor allem am Wochenende und in den Ferien restlos ausgebuchten Sportstätte einen Termin bekommt.
Das ist auch der Grund, warum ein Standbein des Leistungszentrums etwas weggebrochen ist.
Dafür aber liegt der Schwerpunkt stärker auf den Veranstaltungen.
In der Halle selbst wurden alle Probleme dank dem Entgegenkommen des Landkreises bzw. der Schule immer recht rasch und unbürokratisch gelöst. Nur größer konnte man die Halle nicht mehr machen. Hier aber hilft jetzt die neue Stadthalle.
Ein Problem könnte noch darin liegen, dass sich unser Fritz gesundheitlich überfordert. Auch er muss erkennen, dass dem Schaffen Grenzen gesetzt sind. Er hat zwar schon manchmal von der Suche nach einem Nachfolger gesprochen, aber er ist nicht fündig geworden. Er will natürlich auch noch einige Bausteine einfügen, bevor sein Lebenswerk vollendet ist. Wenn er dies in überlegter und dosierter Form tut, dann wird er noch lange alle lösbaren Probleme lösen und ein hervorragender, perfekter Leiter des LLZ sein.
Wir sind stolz
Vor dreißig Jahren wurde hier in Burglengenfeld eine Einrichtung geschaffen, um die uns ganz Tischtennis-Deutschland beneidete. Die kleine Pflanze LLZ wuchs und gedieh, weil sie sorgsam gehegt und gepflegt wurde. Burglengenfeld wurde in Bayern und weit darüber hinaus zum Symbol für den kleinen weißen Ball aus Zelluloid; ein Mekka des Tischtennissportes. Inzwischen sind drei Jahrzehnte ins Land gegangenen; es gibt größere Einrichtungen und modernere Sportstätten – aber es gibt nach wie vor das Landesleistungszentrum in Burglengenfeld. Es leistet uns hervorragende Dienste und steht zuverlässig immer zur Verfügung; auch wenn es in größter Not der letzte Ausweg ist. Wir Bayern sind stolz auf dieses LLZ, das sich so prächtig entwickelt hat. Und wir sind herzlich dankbar allen, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben, denn wir wissen ganz genau, dass hier harte Arbeit notwendig war. Danke.
Claus Wagner
BTTV-Präsident




