Zum 30-jährigen Jubiläum im Jahr 2002
Interview mit dem Präsidenten des BTTV Herrn Claus Wagner
BTTV: Was bedeutet das Leistungszentrum im Jahre 2002 für den Präsidenten des BTTV?
Präsident Wagner: Der BTTV hat im Moment zwei Leistungszentren. Das Leistungszentrum Würzburg besteht nun seit drei Jahren. Hier sind acht der besten bayerischen Nachwuchsspieler in einem Internat untergebracht und trainieren täglich unter den Bedingungen des Hochleistungssportes auf höchsten Niveau. Nicht nur die tollen Erfolge bei den Jugend-Euros in Moskau mit drei Gold- , einer Silber- und einer Bronzemedaille haben uns bestätigt, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind. Auch das Landesleistungszentrum in Burglengenfeld, das in diesem sein 30-jähriges Jubiläum feiert, kann eine herausragende Erfolgsgeschichte nachweisen. Dieses Leistungszentrum ist völlig anders strukturiert. Hier fanden sehr viele hochkarätige Sportveranstaltungen statt in den vergangenen 30 Jahren, aber noch viel mehr Lehrgänge und Trainingslager. Wir wissen, dass wir immer nach Burglengenfeld kommen können, wenn wir einen Lehrgang durchführen oder eine Großveranstaltung ausrichten wollen. Das macht Burglengenfeld unersetzlich.
BTTV: Warum ist der Standort Burglengenfeld so wertvoll?
Präsident Wagner: Ich möchte an zwei Aussagen erinnern, die ich in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit dem Landesleistungszentrum Burglengenfeld getroffen habe. „Burglengenfeld ist das Mekka des bayerischen Tischtennissportes“ – das sollte bedeuten, dass jeder, der in Bayern etwas mit Tischtennis zu hat, schon einmal nach Burglengenfeld gepilgert ist oder gar dort immer wieder hinkommt, weil Tischtennis vom Feinsten geboten wird, weil sich dort die TT-Elite trifft. Die Zweite Aussage war sehr persönlich und besagte, dass ich „an keinem Ort der Welt außer an meinem Wohn- und Dienstort Treuchtlingen und am Sitz des Verbandes in München so oft bin wie in Burglengenfeld“ Hier ist der BTTV daheim, hat praktisch 2. Wohnsitz, weiß dass er immer willkommen ist, dass er auch in Notfällen immer hier ausweichen kann, hier stehen ihm immer Hallenkapazitäten und echte Partner zur Verfügung, hier haben wir hervorragende Kontakte, hier haben wir über alle Maßen engagierte Mitarbeiter. Das alles macht Burglengenfeld für den BTTV wertvoll und unverzichtbar.
BTTV: Könntest du die Kontakte und Partner noch etwas näher beschreiben?
Präsident Wagner: Gerne, obwohl ich aufpassen muss, dass ich niemand vergesse. Als das BTTV-Präsidium, Georg Apfelbeck, Rudi Gruber, Michael Esterl und Peter Kuhn sich vor etwas mehr als 30 Jahren entschloss, hier mit Hilfe des Kultusministeriums in den Bau der Sporthalle zu investieren, begann eine prächtige Partnerschaft mit dem Landkreis Schwandorf und mit dem Johann-Michael-Fischer-Gymnasium. Es lag natürlich vor allem am damaligen Landrat Hans Schuierer, heute Ehrenmitglied des BTTV, und an Oberstudiendirektor Dr. Fischer, dass wir bei unseren Wünschen so großartig unterstützt wurden. Die ausgezeichnete Zusammenarbeit wird heute von den Nachfolgern, Landrat Volker Liedtke und Oberstudiendirektor Siegfried Dexl dankenswerterweise im gleichen Umfang fortgesetzt. Auch die Stadt Burglengenfeld mit Bürgermeister Heinz Karg an der Spitze hilft uns bei unseren Anliegen immer sehr großzügig. Auf die Burglengenfelder Wirtschaft können wir uns stets verlassen; man hat hier erkannt, dass dies ein Geben und Nehmen ist, denn die vielen Gäste lassen auch eine Menge Geld wieder da. Dass wir so viele Partner haben und so breite Unterstützung finden, hängt natürlich eng mit dem Leiter unseres Leistungszentrums zusammen.
BTTV: Wie ist das zu verstehen?
Präsident Wagner: Nun, unser Mann im Landesleistungszentrum ist Fritz Haag, ein Württemberger, den der Grenzschutz nach Schwandorf brachte und der dort seine Heimat fand. Er organisiert alles, was mit dem LLZ zu tun hat. Seit fast drei Jahrzehnten ist er bei jedem Lehrgang und jedem Trainingslager mit von der Partie. Unsere Lehrgangsleiter wissen, dass sie sich auf den Fritz verlassen können, wenn sie etwas brauchen. Wenn wir eine Veranstaltung hier durchführen wollen, werden wir zuerst mit ihm reden. Ist er bereit, mitzumachen, kann nichts mehr schief gehen. Er organisiert jede Veranstaltung mit ungeheurer Präzision und unglaublicher Liebe zum Detail. Er beschafft alles, was nötig ist, und kümmert sich um jede einzelne Kleinigkeit. Er läuft sich die Füße wund, damit in Form von Spenden oder Werbepartnerschaften alle Mittel beschafft werden, die zur Abwicklung einer solchen Veranstaltung nötig sind. Gerade das internationale Schülerturnier mit Gästen aus sechs osteuropäischen Staaten ist seit vielen Jahren sein Steckenpferd. Obwohl die Unkosten erheblich sind, gelingt es ihm seit vielen Jahren, diese internationale Spitzenveranstaltung im Schülerbereich kostenneutral zu organisieren. Das ist fast unglaublich und wäre ohne das vorbildliche Engagement von Fritz Haag und ohne seinen beispielhaften Einsatz unmöglich.
BTTV: Wie lange macht der Herr Haag das schon?
Präsident Wagner: Das Internationale Schülerturnier des Süddeutschen TTV ist eine Erfindung von Präsident Peter Kuhn und wurde 1994 ins Leben gerufen, um unseren Schülern mehr Möglichkeiten zu internationalen Begegnungen zu geben. 1995 war die Veranstaltung erstmals in Burglengenfeld, und dann nach einem Jahr Pause seit 1997 sechsmal hintereinander. Die Spieler und die Funktionäre, vor allem auch die Gäste aus dem Osten, wollten immer wieder hierher, weil es ihnen hier so gut gefällt. Alle Turniere wurden von Fritz Haag perfekt organisiert und er liest den Schülern beinahe jeden Wunsch von den Augen ab, weil er sich in sie hineinversetzen kann. Ansonsten ist Fritz Haag von Anfang an dabei; das LLZ war mit seine Idee und Kind, auch wenn in den ersten Jahren Dr. Hans Link, der Bezirksvorsitzende der Oberpfalz, der Leiter des Landesleistungszentrums war. Fritz Haag aber war seit der ersten Stunde mit der Kleinarbeit beschäftigt, weil er eben an alles dachte und auch nicht locker ließ, wenn er etwas brauchte.
BTTV: Sicherlich hatte Herr Haag Unterstützung von allen Seiten, denn sonst wäre dies wohl nicht zu schaffen gewesen?
Präsident Wagner: Das war gar nicht so einfach. Natürlich stand das Präsidium des BTTV stets hinter ihm und handelte auch mit dem Landrat als Arbeitgeber Bedingungen aus, damit die Leitung des LLZ überhaupt möglich war. Viele Leute beobachteten aber auch mit Argusaugen die Tätigkeit. Ein Verein, auf den er stets hätte zurückgreifen können, stand nicht hinter ihm, aber so mancher Verein unterstützte ihn bei einzelnen Maßnahmen. Auch der Bezirk Oberpfalz und der Spielkreis Schwandorf hatten mit ihm so manche Auseinandersetzung, wenngleich er inzwischen hier uneingeschränkte Mitarbeit findet. Wesentliche Helfer für ihn waren seine Frau, ohne deren Einsatzbereitschaft Vieles nicht so gelaufen wäre, und so mancher private Freund. Da er im BLSV recht aktiv war, konnte er auch immer damit rechnen, dass er hier Unterstützung findet. Aufgrund seines ehrenamtlichen Engagements ist er in der Wirtschaft und bei Betrieben sehr bekannt, geachtet und geschätzt. Auch in der Schule wird sein Einsatz wohlwollend registriert. Er versteht es allerdings auch, mit verschiedenen Maßnahmen immer wieder Freunde und Partner zu finden. Die alljährliche Weihnachtsfeier des LLZ als Dank an alle, die hier mitwirken, ist eine schöne Geste. Bei vielen Empfängen und bei allen Gelegenheiten hebt er immer wieder die Partner hervor.
BTTV: Ist denn alles nur positiv beim Landesleistungszentrum oder gibt es auch Wermutstropfen?
Präsident Wagner: Natürlich haben wir auch mit Problemen zu kämpfen. Das größte Problem ist die Entfernung zwischen Sporthalle und Unterkunftshaus. n den ersten Jahren arbeiteten wir mit einem Gasthof in Burglengenfeld zusammen, aber dort konnte man sich bald nicht mehr über die Bedingungen einigen. Wir fanden einen neuen Partner in Neuenschwand. Ein besseres Haus, einen liebevolleren Wirt, eine angenehmere Unterbringung hätten wir gar nicht finden können, vor allem für die Jugend. Das Problem ist nur, dass diese Unterkunft so weit weg ist von der Halle, dass der Trainingsrhythmus, wie ihn Trainer fordern, nicht möglich ist. Das ist schon eine Belastung, weshalb die Jugendtrainer für die Lehrgänge Kaders andere Orte bevorzugen – vor allem natürlich die Sportschule in Oberhaching, weil die nicht nur besonders modern, sonder auch für den Verband besonders preisgünstig ist. Obwohl es viele Gespräche gab und zwischendurch auch Alternativen möglich schienen, wurde dieses Problem leider nicht gelöst. Zur Zeit müssen wir zudem aufpassen, dass nicht zu viele Veranstaltungen in Burglengenfeld stattfinden, denn in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten müssen sich auch die besten Partner beschränken in ihrer Unterstützung.
BTTV: Du bist recht gut vertraut mit der Situation in Burglengenfeld. Seit wann beschäftigst du dich intensiv mit dem Landesleistungszentrum?
Präsident Wagner: Burglengenfeld ist mir ein Begriff, seitdem ich hier 1970 oder 71 selbst an einem Turnier teilnahm, allerdings noch nicht im LLZ. 1973 registrierte ich, dass hier ein Mittelfranke, den ich aus der Jugendarbeit gut kannte, Bayerischer Meister wurde. Das Leistungszentrum hatte ich damals noch nicht registriert. Als ich 1980 Bezirksvorsitzender wurde, befasste ich mich in einigen Sitzungen mit diesem Thema. Vor allem ein Übungsleiterlehrgang, den viele Teilnehmer nicht bestanden, führte 1983 zur Auseinandersetzung mit diesem Thema. Beim Herbsttreffen 1983 lernte ich erstmals die Halle und die Unterkunft, über die sich auch ein Teilnehmer bei mir beschwert hatte, kennen. Mir gefiel es gut dort. Seit ich 1988 ins Präsidium gewählt wurde, wurden meine Kontakte zum LLZ und dem gesamten Umfeld sehr eng. 1992 war ich federführend bei der Erstellung der Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum und deshalb auch zusammen mit Peter Kuhn sehr häufig zu Gesprächen bei Fritz Haag. Nach meiner Wahl zum Präsidenten 1994 habe ich selbstverständlich sehr intensiv mit dem Thema LLZ befasst und zusammen mit Fritz Haag das 25-jährige und jetzt das 30-jährige Jubiläum und so manche andere Veranstaltung organisiert.
BTTV: Stimmt es, dass du einmal geplant hast, das LLZ zu verlegen?
Präsident Wagner: Das ist so nicht richtig. Als ich Bezirksvorsitzender in Mittelfranken war, kam von der Stadt Hilpoltstein ein sehr günstiges Angebot zur Durchführung von Lehrgängen – auch über einen längeren Zeitraum und eventuell ausbaufähig. Zusammen mit Peter Kuhn habe ich mir die Situation vor Ort angesehen. An ein zweites Leistungszentrum war zu dieser Zeit nicht zu denken. Es war auch kein Internat vorhanden, so dass diese von uns schon damals angepeilte Lösung nicht realisierbar war. Als Ersatz für Burglengenfeld war Hilpoltstein niemals gedacht; dagegen sprachen die Beteiligung des BTTV am Hallenbau und viele politische Gründe. Immerhin aber konnten wir in Hilpoltstein Lehrgänge parallel zu Burglengenfeld durchführen, und das vor allem damals wichtig, als die Lehrerausbildung hoch im Kurs stand. Wegen der räumlichen Nähe hätte mir ein Leistungszentrum in Hilpoltstein schon gefallen, zumal auch die damalige Verbandstrainerin dort wohnte, aber immer nur zusammen mit Burglengenfeld. Heute allerdings muss man feststellen, dass Lehrgänge in Hilpoltstein insgesamt durchaus kostengünstiger sind als Lehrgänge in Burglengenfeld, und dass aufgrund der Zusammenballung der Spitzenspieler durchaus auch andere Lehrgangsorte aus Kostengründen in Betracht zu ziehen sind.
BTTV: Wie geht es in Burglengenfeld weiter?
Präsident Wagner: Eine nicht ganz leichte Frage. Fritz Haag hat uns angedeutet, dass er sich aus gesundheitlichen Gründen etwas zurückziehen möchte. Das ist auch nur verständlich. Einen geeigneten Nachfolger haben bisher weder wir noch er gefunden, schließlich will er sich ja auch noch einbringen. Burglengenfeld bleibt Landesleistungszentrum und wird vom Präsidium des BTTV unterstützt. Es werden hier nach wie vor Lehrgänge stattfinden, auch Stützpunktmaßnahmen, da uns die Halle ja zu günstigen Bedingungen zur Verfügung steht. Was die Veranstaltungen betrifft, so werden wir vielleicht ein bisschen kürzer treten, damit nicht in jedem Jahr gleich mehrere Spitzensportveranstaltungen hier stattfinden. Ich bin aber sicher, dass ich auch in Zukunft oft hier sein werde und der BTTV immer wieder sein Landesleistungszentrum braucht.
BTTV: Was möchten Sie den Gästen beim Jugendturnier und beim Jubiläum noch gerne sagen?
Präsident Wagner: Zunächst einmal möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die in den 30 Jahren des Bestehens das LLZ des BTTV unterstützt haben. Nur dank dieser unendlich vielen Hilfen konnten all die Maßnahmen möglich gemacht werden, die dem Landesleistungszentrum diesen Flair verleihen. Mein Dank gilt auch allen Helfern und Mitarbeitern bei den einzelnen Veranstaltungen. Dass so unendlich viel gelaufen ist, verdanken wir Fritz Haag und all seinen Helfern und Mitarbeitern. Danke. Ich wünsche dem Internationalen Schülerturnier ein guten und erfolgreichen Verlauf und allen Spielerinnen und Spielern die von ihnen erhofften Erfolge. Auch den Jubiläumsveranstaltungen wünsche ich einen erfolgreichen Verlauf; den anwesenden Gästen wünsche ich gute Gespräche. In einer schwierigen Zeit, in der überall über fehlende finanzielle Mittel geklagt wird, sollten wir den Blick nach vorne richten und gemeinsam Wege suchen, wie wir unseren Sport und unsere Jugend auch weiterhin fördern können.
BTTV: Lieber Claus, vielen Dank für dieses Gespräch!




