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Personal/Hintergrund  

Grundsatzrede des BTTV-Präsidenten

Konrad Grillmeyer sprach beim Verbandshauptauschuss im oberpfälzischen Amberg.

BTTV-Präsident Konrad Grillmeyer (Fotos: Nils Rack)

Vor fast genau einem Jahr wurde Konrad Grillmeyer beim Verbandshauptausschuss (VHA) in Kempten zum BTTV-Präsidenten und damit zum Nachfolger des im Mai 2016 verstorbenen Claus Wagner gewählt. Der 66-jährige Niederbayer Grillmeyer hielt am Samstagabend im Rahmen der feierlichen VHA-Eröffnungsveranstaltung im Amberger Congress Centrum seine Grundsatzrede, in der er auf  Herausforderungen und Zielsetzungen des BTTV einging. Die Rede möchten wir den bttv.de-Lesern nicht vorenthalten.

Grundatzrede des BTTV-Präsidenten Konrad Grillmeyer:

Liebe Sportkameradinnen und Sportkameraden, sehr verehrte Gäste,

nahezu fast auf den Tag genau habe ich vor einem Jahr die Nachfolge von Claus Wagner in unserem Verband übernommen. Schon damals habe ich gesagt, dass es nicht einfach werden würde. Jetzt, nach nur einem Jahr, sehe ich erst so richtig, welchen Umfang unser verstorbener Präsident abgearbeitet hat. Ich frage mich heute noch, wann er dies alles erledigt hat.

Nun aber zu den Themen, die das Präsidium und auch mich für die weitere Zukunft unseres Verbandes beschäftigen. Unter anderem Projekte, die Claus Wagner noch auf den Weg gebracht hat. Zukunft wird nicht gestaltet, indem alles beim Alten bleibt, sondern neue Wege beschritten und ausprobiert werden. Im Zuge der Diskussion über solche neuen Wege werden allerdings vielfach einfach nur Behauptungen in den Raum gestellt, ohne jeglichen Beweis für deren Richtigkeit.

Eines dieser Themen ist die angedachte Strukturreform, von der auch in unserem Präsidiumsbericht zu lesen ist. Morgen beim außerordentlichen Verbandstag werden wir darüber abstimmen, ob wir alles beim Alten lassen wollen oder die Weichen für eine neue Struktur stellen. Ich sage bewusst Weichen stellen, da es hier bei dieser Abstimmung nicht um ein detailliertes ausgearbeitetes Werk geht, sondern um eine Grundsatzentscheidung!

Viel wurde bereits im Vorfeld in den Kreisen und Bezirken über diese Strukturreform diskutiert, so dass eigentlich morgen zur Abstimmung keine größeren Fragen mehr offen sein sollten. Eines muss aber auch klar sein: Eine Strukturreform alleine schafft noch keine neuen Mitglieder oder Vereine. Sie kann aber durch die flachere Hierarchie eine größere Nähe zwischen Entscheidern und der Basis, den Vereinen bieten. Bei einem positiven Votum zu der Strukturreform beginnen erst die großen Aufgaben, nämlich die Ausarbeitung der Details wie zum Beispiel die Gestaltung des Einzelspielbetriebs usw., aber insbesondere Maßnahmen zur Sicherung des TT-Sports in Bayern.

Wir „alle“ wären danach gefordert, die neue Struktur mit Leben zu erfüllen, an den Detailarbeiten mitzuwirken und Aufgaben zu übernehmen. An dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Dank an die Mitglieder der Strukturreform AG.

Liebe Sportkameradinnen und Sportkameraden,

wir haben uns vor einigen Jahren entschlossen, gesellschaftlichen Herausforderungen offensiv zu begegnen. Wir haben uns ein Leitbild gegeben und in dem steht unter anderem, dass sich der BTTV als gestaltendes Mitglied im DTTB und im BLSV sieht sowie als Impulsgeber/Initiator/Berater zur Sicherung und Weiterentwicklung des Tischtennissports in Bayern.

Es stellt sich die Frage: Werden wir diesem Anspruch gerecht oder können wir diesem Anspruch gerecht werden? Betrachten wir das Ganze einmal unter den gesellschaftlichen und sportpolitischen Vorgaben.

Anti-Doping
Selbstverständlich haben wir Anti-Doping-Beauftragte – derzeit zwei Mediziner – und arbeiten mit der NADA zusammen. Ich nenne hier beispielhaft die Info-Workshops beim Kaderlehrgang und der Bayerischen Jugendmeisterschaft 2016. Für uns gilt hier selbstverständlich eine „Null-Toleranz-Politik“ und wir sind in diesem Bereich gut aufgestellt.

Anti-Missbrauch
Die entsprechenden Vorgaben haben wir vollständig in unserer Satzung implementiert und die Funktion des/der Anti-Missbrauchs-Beauftragten entsprechend besetzt. Umfangreiche begleitende Dokumente und Vorgaben in Zusammenarbeit mit der Münchner Präventions-Organisation AMYNA und der Bayerischen Sportjugend stehen zur Verfügung. Die Entwicklung im BTTV wurde – trotz bedauerlicherweise Vorkommnissen im Tischtennis, allerdings nicht im BTTV – als vorbildlich bezeichnet.

Compliance
Die Einführung von Verhaltensregeln im BTTV war nicht reibungslos. Wir haben aber die Anerkennung von vielen Sportorganisationen sowie von Transparency International Deutschland erfahren. Der BTTV hat in diesem Bereich eine Vorreiterrolle eingenommen. Good Governance könnte möglicherweise künftig ein Kriterium für die Darreichung von Staatsmitteln sein. Wie wichtig dieses Thema ist zeigt, dass der BTTV vom Hessischen Innenministerium am 30.06.2017 zu einer Info-Veranstaltung für Landessportbünde und Landesfachverbände eingeladen wurde, einen Impulsvortrag zum Thema Good Governance zu halten.

Wie ihr seht, hat der BTTV nicht nur ein Leitbild verabschiedet, die darin ausgegebenen Grundsätze werden auch gelebt und es ist klar erkennbar, wofür der Verband steht, für was er eintritt und wie er handelt. Transparenz ist nicht nur wichtig im Sinne von Good Governance, sondern auch für die Akzeptanz bei den Mitgliedern und Mitarbeitern.

Andere Verbände erklären die „Effizienzsteigerung“ der Organisation zu einem Oberziel; der BTTV arbeitet im Bereich der Verwaltung effizient, nicht zuletzt durch ein Qualitätsmanagement in der Geschäftsstelle und durch eine vollständige, funktionierende und ständig weiterentwickelte Online-Abwicklung des Spielbetriebs.

Letztendlich lässt sich konstatieren, dass wir im gesellschaftlichen Kontext sehr gut aufgestellt sind!

Jetzt zu der Frage: Werden wir auch den Ansprüchen innerhalb der Sportorganisation gerecht?

Noch ist der BTTV der größte Landesverband im DTTB. Unsere Stimme hat Gewicht und unsere Mitarbeit im Dachverband wird geschätzt. Durch die Mitwirkung von Funktionären auf Bundesebene, bei Bundestagen, in Arbeitsgruppen, zum Beispiel als Impulsgeber für die neue Wettspielordnung insbesondere auch beim Thema Spielberechtigungen usw. Des Weiteren setzt sich der BTTV für die bundesweite Nutzung von click-TT ein unter anderem für die bessere Nutzung von Synergien in den Bereichen Verwaltung, Vereinsservice und Hochleistungssport. Der DTTB fordert mehr Engagement und Finanzen von den TT-Spielern, Vereinen bzw. von oder über die Verbände. Auch in diesem Bereich wird der BTTV kritisch die Gesamtfinanzierung des deutschen TT-Sports begleiten, auf Effizienz und Einsparungen achten und bei Notwendigkeit auch Aktionen und Kampagnen mittragen.

Noch ist der BTTV nach Vereinszahlen der viertgrößte Sportfachverband im BLSV. Das Verhältnis zum BLSV ist allerdings etwas schwieriger geworden und der wichtigste Knackpunkt dabei ist die neu beschlossene Eigenmittelverteilung. Wir werden danach in mehreren Schritten aufgeteilt nach dem jetzigen Stand bis zu ca. 150.000 Euro pro Jahr weniger erhalten. Nach wie vor halten wir die neue Eigenmittelverteilung für ungerecht und haben dies auch immer so kommuniziert. Die Schnittstellen zum BLSV in der Verwaltung und Abwicklung von Prozessen sind größtenteils ungeklärt oder zu kompliziert, sei es beim DOSB-Lizenzmanagement, bei der Einforderung und Kontrolle von Staatsmitteln (mit enorm gestiegenem Verwaltungsaufwand im Kernbereich des BLSV und bei den Verbänden) und bei vielen weiteren Themen, seien es nur „Kleinigkeiten“. Der BTTV wird weiter für seine Position eintreten und versuchen, den BLSV von seinen Argumenten zu überzeugen. Wir werden weiterhin das Gespräch suchen und keine unüberwindbaren Hürden aufstellen, denn es muss uns bei allen unterschiedlichen Meinungen letztendlich um unseren Sport gehen.

Die nächste Frage die sich uns stellt ist, wie ist der BTTV als Organisation im Innenverhältnis aufgestellt, wie steht er da?

Die effiziente Verwaltung wurde bereits angesprochen, aber auch in anderen Bereichen sind die Anforderungen gestiegen. Dabei ist die Mitwirkung von kompetenten hauptamtlichen Mitarbeitern unumgänglich. Dafür leistet sich der  BTTV entsprechendes hauptamtliches Personal, weil viele Einnahmen nur durch deren professionellen Einsatz noch gewährleistet werden können. Als Beispiel mag die Vermarktung über click-TT und myTischtennis mit der Grundlage einer aktuellen und technisch modernen IT-Infrastruktur und Öffentlichkeitsarbeit dienen. Ebenso eine professionelle Trainerausbildung, eine aufwändige Beantragung von (auch zusätzlichen) staatlichen Förderungen und nicht zuletzt ein erfolgreicher Leistungssport zur Sicherung der staatlichen Zuschüsse.

Nur durch die Mithilfe des Hauptamtes konnten etliche finanzielle Konsequenzen von negativen Entwicklungen, wie Rückgang der Mitglieder, der Vereine, Staatsmittel usw. verzögert oder kompensiert werden.

Der BTTV ist handlungsfähig und handlungswillig; es wird nicht nur ein zunehmender Mangel verwaltet, sondern weiterhin investiert und modernisiert. Präsidium, Verbandsfachwarte arbeiten bei grundlegenden Entscheidungen im Verbandshauptausschuss und Verbandsausschuss harmonisch und konstruktiv zusammen. Sorge bereitet der Verbandsführung seit Jahren der Mitgliederrückgang, der zu finanziellen Einbußen, welche auch Einfluss auf die Eigenmittelberechnung des BLSV hat und zu Problemen beim Spielbetrieb führt.

Eine weitere Sorge macht der Einzelsport, denn mit weiter rückläufigen Mitgliederzahlen sinkt die Akzeptanz der traditionellen Angebote im Einzelsport. Innovative Formen wie die Turnierserie, die übrigens an mittlerweile 6 weitere Verbände verkauft werden konnte, können zumindest etwas entgegen steuern. Es ist deshalb eine grundsätzliche Überprüfung des Einzelspielbetriebs von Nöten – egal in welcher Struktur der BTTV aufgestellt ist.

Sorge bereitet zusätzlich der Mannschaftsspielbetrieb im weiblichen Bereich, dieser ist in manchen Kreisen und sogar Bezirken nicht mehr vorhanden. Vielleicht gelingt es mit der neuen Wettspielordnung hier eine Wende einzuleiten, aber auch hier sind zusätzliche eigene Konzept nötig.

Eine weitere Sorge macht die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit. Viele langjährige und verdiente Fachwarte hören auf und Nachwuchs ist schwer zu finden und das auf allen Ebenen. Die Bereitschaft, sich den gestiegenen Anforderungen zu stellen und eine Funktion über lange Zeit hinweg auszuüben, sinkt.

Was ist zu tun?

Eine Effizienzsteigerung bei der Erfüllung der Aufgaben ist einerseits kaum noch möglich und andererseits ist davon auszugehen, dass die Anforderungen weiter wachsen werden.

Der Mitgliederrückgang hat den Nachwuchsbereich insofern erfasst, dass auch in den nächsten Jahren mit sinkenden Spielerzahlen zu rechnen ist, selbst wenn der Abwärtstrend bei Mädchen und Jungen jetzt gestoppt werden könnte.

Die Sportart Tischtennis braucht ein moderneres Image; die Bereitschaft der Spieler, auch Sportveranstaltungen im Tischtennis als Zuschauer zu besuchen, muss geweckt werden.

Wir brauchen sportliche Konzepte im Einzelspielbetrieb, aber auch Sicherungsmaßnahmen im Mannschaftsspielbetrieb, der flächendeckend in allen Altersklassen und Geschlechtern gewährleistet werden muss.

Wir brauchen eine Offensive, Mitglieder zu halten und dafür müssen wir flächendeckend ein attraktives Sportangebot vorhalten; die Betreuung der Vereine und Spieler muss dienstleistungsorientiert, zeitnah und kompetent erfolgen; dasselbe gilt für das Engagement bei Mitgliedergewinnungsaktionen.

Wir brauchen Fachwarte, die nicht nur ihre Aufgaben optimal umsetzen, sondern die auch bereit sind, die Weiterentwicklungen des Verbands – sei es durch Schulungen, Workshops, etc. – mitzutragen und sich konstruktiv-kritisch in diesen Prozess einbringen. Wir müssen diese Personen dauerhaft mitnehmen, informieren und ggf. weiterbilden.

Wir brauchen hierfür die bereits angesprochene „STRUKTURREFORM“.

Was heißt das konkret?

Der außerordentliche Verbandstag wird zunächst richtungsweisend darüber Entscheidungen treffen, ob wir unsere Satzung weiterhin modern halten und gestalten.

Anschließend die grundsätzliche Entscheidung darüber, ob eine flache Hierarchie mit besserer Kommunikation, besserer Einbindung der direkt für die Vereine zuständigen Ebene eingeführt wird. Dafür „PLÄDIERE“ ich.

Umgehend danach sind nötig:
Breit angelegte, konzertierte Aktionen im Bereich Mitgliederentwicklung.
Fachkompetente Arbeitsgruppen zur Lösung von Spezialproblemen.

Die Arbeit beginnt schon am ersten Tag nach dem außerordentlichen Verbandstag.

Ich gehe heuer bewusst nicht auf Themen wie das TT-Zentrum München und weitere, sicherlich wichtige Projekte ein, denn das was es hier zu sagen gab, steht bereits im Bericht des Präsidiums.

Wie ihr eben gehört habt, gibt es für uns viel zu tun, also packen wir es an.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit. 

Blick auf die Eröffnungsveranstaltung beim Verbandshauptausschuss in Amberg 2017

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