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Sonstiges  

"In einer Zeit, die einem ständigen Wandel unterliegt, können wir nicht stillhalten"

VHA 2019: Grundsatzrede des BTTV-Präsidenten Konrad Grillmeyer im Wortlaut

BTTV-Präsident Konrad Grillmeyer nahm am Rednerpult kein Blatt vor den Mund. Foto: Nils Rack

In Bad Windsheim tagte vergangenen Samstag der Verbandshauptausschuss des BTTV. Einen Höhepunkt der erstmals seit vielen Jahren nur ein- statt zweitägigen Veranstaltung bildete traditionell die Grundsatzrede des amtierenden BTTV-Präsidenten im Rahmen der feierlichen Eröffnung. Unter dem Motto „1 Jahr nach der Strukturreform“ sprach Konrad Grillmeyer im Kur- und Kongress-Centrum vor Delegierten und Ehrengästen über "Erreichtes", ebenso wie darüber, wo der Schuh weiterhin drückt.  Für alle Interessierten, die nicht dabei waren, seine Rede nachstehend im Wortlaut: 

Liebe Sportkameradinnen und Sportkameraden, sehr verehrte Gäste,

wir haben uns in den letzten Jahren schwerpunktmäßig mit unserer Strukturreform auseinandergesetzt und diese letztes Jahr auch umgesetzt. Wie ich bereits im Bericht des Präsidiums angemerkt habe, gibt es ein Jahr nach der Reform noch einige kleine Baustellen, wo es nachzubessern gilt, aber grundsätzlich glaube ich haben wir alles richtig gemacht. Wer aber meint, damit wäre dieser Prozess abgeschlossen, der irrt. In einer Zeit, die einem ständigen Wandel unterliegt, können wir nicht stillhalten, sondern müssen diese Reform weiterentwickeln und entsprechend anpassen. Das heißt, es gilt darüber nachzudenken, ob nicht auch eine Reform an der Spitze unseres Verbandes erforderlich oder sogar nötig ist.

Ich möchte jetzt ein uns wichtiges Thema ansprechen. Nämlich das Rollenverständnis in unserem Verband. Dieses Thema war auch in der Klausurtagung unseres Präsidiums ein Tagesordnungspunkt, der behandelt wurde. Immer wieder höre oder lese ich von Mitgliedern, manchmal auch von Funktionären „Was hat sich da der Verband wieder ausgedacht oder was haben die da oben uns wieder aufgebürdet“. Dabei habe ich mich gefragt, wen meinen diese Mitglieder? Ist damit der Verband oder vielleicht der Bezirk oder das Präsidium oder die Geschäftsstelle oder ein anderes Gremium gemeint. Wer ist denn der Verband? Nun, es sind alle unsere Vereine bzw. die von diesen Vereinen gewählten Repräsentanten der Vereine und alle jene, die in unserer Organisation wirken. Wie verhält es sich mit den Bezirken? Sie sind eine „nicht selbstständige“ Unterorganisation unseres Verbandes. Das heißt also, dass unser Verband nichts anderes als eine einzige Organisation nach dem Vereinsrecht ist. In unserem Fall ein eingetragener Verein mit einer flächendeckend gültigen Satzung und den sonstigen Bestimmungen. Dabei ist in unserer Satzung festgelegt, welche Funktionen erforderlich sind mit den zugehörigen Aufgabengebieten. Wer also eine Funktion in unserem Verband übernimmt, egal auf welcher Ebene, als gewählter oder berufener Funktionär, hat die Pflicht die Aufgaben in seinem übernommen Bereich zu erfüllen. Ich möchte als Beispiel nur eine Aufgabe des Präsidiums zitieren: „Das Präsidium legt die Richtlinien der Verbandspolitik fest und muss auf die Einhaltung von Satzung und Bestimmungen achten“. Und unsere Satzung hat niemand anderes als unsere Mitglieder bzw. deren gewählte Vertreter beschlossen. Kein Präsidium, kein Bezirk, nicht die Geschäftsstelle oder ein anderes Gremium hat unsere Satzung bestimmt, wenn auch sicherlich mitgewirkt. 

Und welche Rolle oder Aufgabe hat nun unsere Geschäftsstelle? 

In unserer Satzung wird der Begriff Geschäftsstelle nur kurz erwähnt: einmal unter den Sonderinstitutionen und das andere Mal unter den Aufgaben des Geschäftsführers. Ansonsten spricht man in unserer Satzung über den Geschäftsführer und die hauptamtlichen Mitarbeiter respektive die Referenten. Ursprünglich hatte unsere Geschäftsstelle die Aufgabe als Dienstleister für unsere Mitglieder und Funktionsträger zu agieren. Die Geschäftsstelle hat unter anderem die Aufgabe, unsere Beschlüsse in den Ordnungen und Bestimmungen einzuarbeiten und umzusetzen. Das Aufgabengebiet hat sich aber zwischenzeitlich wesentlich erweitert. So handeln die hauptamtlichen Mitarbeiter der Geschäftsstelle und der Geschäftsführer einen Teil der Aufgaben des Präsidiums bzw. der Präsidiumsmitglieder in deren Auftrag mit ab. Grund dafür ist, dass die ehrenamtlichen Präsidiumsmitglieder alleine nicht mehr in der Lage sind, die Menge ihrer Aufgaben zu erfüllen. Sie sind daher gezwungen, auf das hauptamtliche Personal der Geschäftsstelle als verantwortliche Akteure zurückzugreifen. 

Zurück aber zum Thema „Rollenverständnis“ in unserem Verband. Ich möchte unsere Mitglieder und Fachwarte auffordern und bitten, bevor sie eine E-Mail losschicken darüber nachzudenken, ob diese auch an den richtigen Adressaten geht und nicht automatisch an die Geschäftsstelle senden, weil dies die einfachste Art ist seinen Frust oder Beschwerde oder Sonstiges loszuwerden. Dies verursacht nicht nur unnütze Arbeit, Kosten und Zeit, sondern führt auch zu Ärger in den Bereichen, die es eigentlich betrifft.

Ich appelliere deshalb an alle Mitglieder und Funktionäre sich an unsere Satzung, unsere Ordnungen, unsere Bestimmungen und unsere Richtlinien, die wir gemeinsam verabschiedet haben, einzuarbeiten und diese auch befolgen. In der Vergangenheit wurde das Thema nicht unbedingt stringent verfolgt, aber wir, das Präsidium, wollen künftige Verstöße nicht mehr tolerieren und diese gegebenenfalls bei entsprechender Schwere und fundierten Erkenntnissen verfolgen und sanktionieren.

Wie bereits in den letzten Jahren von mir angesprochen ist das Projekt „TT-Zentrum München“ weiterhin ein wichtiges Thema für uns. Ich darf euch nach Jahren der Rückschläge erstmals berichten, dass wir endlich einen kleinen Schritt vorangekommen sind. Wir haben zusammen mit einem Münchner Sportclub ein Konzept für den Bau einer neuen Sporthalle erstellt, mit dem wir vielleicht unseren Traum eines Tischtennis-Zentrums in München verwirklichen können. Der Standort würde alle Kriterien und Vorgaben, die an uns gestellt wurden, erfüllen. Jetzt müssen wir nur noch alle politischen Institutionen und deren Vertreter von dem Vorhaben überzeugen und damit verbunden natürlich auch die Finanzierbarkeit dieses Projektes darstellen. Wie ihr seht, haben wir noch einige gewaltige Aufgaben und entsprechende Überzeugungsleistungen zu erbringen. 

Ich möchte mich an dieser Stelle noch mal herzlich für die Unterstützung durch unsere Dachverbände, dem DTTB, dem BLSV und dem Olympiastützpunkt München bedanken. Ich möchte jetzt auch die Gelegenheit nutzen und mich bei unserem Geschäftsführer Dr. Carsten Matthias bedanken für die vielen Gespräche die er mit den verschiedensten Institutionen geführt hat und noch führen wird, um unseren Traum wahr werden zu lassen. Der Bau dieser Sporthalle kann für die Stadt München nur ein Gewinn sein. Für uns und  unseren Bundesstützpunkt Nachwuchs wäre dies eine ideale und zwischenzeitlich nötige Konstellation, mit der eine optimale Trainingsarbeit gewährleistet wäre um unsere bisher erfolgreichen Weg im Leistungssport weiterzuführen. 

Wie jedes Jahr spreche ich auch heuer das Thema „Finanzen“ an. Wie ihr vielleicht dem Bericht zu den Finanzen entnommen habt, werden wir das Geschäftsjahr 2018 mit einem Verlust von nicht ganz 30.000 EUR abschließen. Auch wenn der Verlust geringer ist als im aufgestellten Haushalt für 2018, dürfen solche Ergebnisse nicht zur Regel werden. Die Gründe dafür werden heute, wenn die „Jahresrechnung 2018“ vorgestellt und erläutert wird, noch detailliert besprochen. Einige von euch werden sich vielleicht daran erinnern, dass ich schon seit Jahren auf die uns zukommenden finanziellen Risiken hingewiesen habe. Jetzt ist es soweit; meine Befürchtungen sind eingetroffen und auch das Jahr 2019 wird sich nach den jetzigen Erkenntnissen bzgl. des finanziellen Ergebnisses nicht verbessern. Im Bereich der Ausgaben versuchen wir seit Jahren durch effizientes Arbeiten und bewusstes Ausgabenmanagement Einsparungen zu erzielen. Wir haben bisher alles getan und werden auch nicht nachlassen, aber meiner Meinung nach sehe ich derzeit in diesem Bereich keine weiteren Einsparungsmöglichkeiten mehr. Wir müssen demnach an die Einnahmenseite ran. Mehrfach habe ich schon berichtet, wie sehr uns die neue Verteilung der Eigenmittel des BLSV belastet. In 2018 alleine ging die Zuteilung an unseren Verband um mehr als 45.000 € zurück. 

Der seit Jahren anhaltende Mitgliederrückgang in unserem Sport tut ein Übriges dazu. Wir müssen uns nach wie vor Gedanken machen, um den Rückgang bei den Vereinen und Sportlern in den Griff zu kriegen. D. h. wir müssen herausfinden, warum unsere Vereine die durchaus vorhandenen Angebote zur Mitgliedergewinnung nicht annehmen. Denn nur mit entsprechenden Mitgliedern ist die Existenz eines Vereins gewährleistet. Wie können wir also unsere Vereine dazu motivieren, die bereits vorhandenen Angebote wie z. B. die mini-Meisterschaften, Schnupperkurs und ähnliches anzunehmen. Ich möchte dazu auch auf einen Artikel in der Zeitschrift „tischtennis“ des DTTB Ausgabe Nr. 7 vom Juli 2019 hinweisen, wie ein Verein dies in Hessen bewerkstelligt hat. Wie hat mir vor nicht allzu langer Zeit ein TT-Freund/Funktionär zu diesem Thema sinngemäß geschrieben „Nicht nur über dieses Thema schreiben und reden, Taten müssen folgen“. Und er hat recht damit.

Wie ich bereits am Verbandstag 2018 verkündet habe, haben wir den Bereich der Aus- und Fortbildung in einer neu gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft nämlich der „Bayerischen Tischtennis-Akademie gGmbH“ ausgegliedert. Zum Geschäftsführer wurde wie vorgesehen Michael Hagmüller bestellt. Nach ein paar Anfangsschwierigkeiten (verwaltungstechnischer Art), läuft die Akademie ganz hervorragend. Auch der wie jedes Jahr angebotene Trainerkongress an der Sportschule Oberhaching war wieder vollständig ausgebucht und wurde von den Teilnehmern wieder mit Bestnoten bewertet. Wir, das Präsidium, glauben hier die richtigen Weichen gestellt zu haben. Lieber Michael, ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit unserer Gesellschaft.

Unseren Dachverbänden DTTB und BLSV möchte ich hier noch einmal ganz herzlich Dank sagen für die Unterstützung zu unserem Bundesstützpunkt und dem Projekt TT-Zentrum München. Ich habe im Übrigen unsere Dachverbände vorher das eine oder andere Mal bereits erwähnt und einiges auch im Präsidiumsbericht dargestellt. Nicht unerwähnt möchte ich aber lassen, dass beim letzten Bundestag des DTTB der Präsident Michael Geiger eine Grundsatzrede hielt, in dem er die großen Landesverbände kritisierte und einen Vertrauensverlust verspürte. Ja, liebe Sportfreunde die großen Landesverbände sprechen und diskutieren miteinander und weisen auch auf Ungereimtheiten hin. Diese Kritik orientiert sich aber einzig und allein an Sachthemen, die sich auf unseren Sport auf Bundes- und Landesebene beziehen. Unsere Intention ist, unseren Sport voran zu bringen. Dass der DTTB mit seinem Führungspersonal auf internationaler Ebene großartiges leistet und unser Land würdig vertritt, ist unbestritten und wurde von uns nie in Frage gestellt. Ich halte es aber nach wie vor für legitim, auf unzureichende Entwicklungen hinzuweisen und erwarte danach auch entsprechende Reaktionen. 

Unsere seit Jahren bestehende Turnierserie „Bavarian TT-Race“ erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Das Highlight dieser Veranstaltungsreihe ist natürlich immer das Finale in Ruhpolding, in dem die Sieger in den einzelnen Kategorien aufeinander treffen und sich über ansehnliche Preise freuen dürfen. Zu Einzelheiten darf ich hierzu noch auf den Bericht des Präsidiums verweisen.

Ich möchte jetzt noch auf eine Aussage aus meiner Rede des Verbandstages 2018 zurückkommen. Ich habe dort angekündigt, dass wir den Fachwarten für Controlling und den künftigen Turnierleitern eine auf die jeweiligen Bereiche abgestimmte Schulung anbieten wollen. Dies ist leider bisher nicht erfolgt. Gründe waren unter anderem fehlende Personalressourcen und auch Probleme in der Kommunikation. Diese Themen sind dem Präsidium nach wie vor wichtig und werden sicherlich demnächst angeboten. 

Ich möchte noch Danke sagen, an meine Kollegin und Kollegen im Präsidium für ihre Mitarbeit und Unterstützung, insbesondere meinem Stellvertreter Gunther Czepera, allen Mitarbeitern der Geschäftsstelle für ihren unermüdlichen Einsatz und Unterstützung, insbesondere dem Geschäftsführer Dr. Carsten Matthias und seinem Stellvertreter Nils Rack, unseren Trainern, koordiniert durch Krisztina Toth, und den lizensierten Schiedsrichtern unter VSRO Joachim Car, sowie allen Fachwarten für ihr Engagement in unserem Verband, den neuen Bezirksvorsitzenden und ihren Teams, sowie allen anderen Funktionsträgern. 

Herzlichen Dank!

Liebe Sportfreunde wir werden nächstes Jahr unser 75-jähriges Bestehen unseres Verbandes feiern und ich bin überzeugt, dass wir dazu einen entsprechenden Rahmen für dieses Fest finden.

Nicht gegeneinander sondern miteinander können wir in eine erfolgreiche Zukunft schauen.

Viel Erfolg und Freude für die gemeinsame Arbeit in unseren Verband.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

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