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Personal/Hintergrund  

OP, Abi und wieder am Tisch durchstarten

Sabine Winter ist nach dem Eingriff an ihrer Schulter optimistisch / Rückkehr nach Düsseldorf geplant

Ihre Waffe, die Vorhand, wieder voll und ohne Schmerzen durchziehen, das hofft Sabine Winter nach ihrer Schulter-OP (Foto: Erik Thomas)

Sabine Winter postet nicht allzu viel in den sozialen Netzwerken, aber wenn, dann sind es häufig sehr humorige und aufwendige Videos. Ihr aktueller Clip, in dem sie von ihrer Schulter-OP berichtet und dabei mit dem linken Arm Klimmzüge macht, ist zwar nicht sehr aufwendig, aber umso lustiger.

Vor drei Wochen hat sich die Sportsoldatin aus Seefeld-Hechendorf unters Messer begeben. Mehr als drei Jahre quälte sich die 27-Jährige mit der Schulter ihres rechten Schlagarmes herum, spielte und trainierte unter regelmäßigen Schmerzen. Im vergangenen Jahr reifte der Entschluss kürzerzutreten, noch mal die Schulbank zu drücken, das Fach-Abi nachzuholen und mit geschonter Schulter im Anschluss wieder voll durchzustarten. Winter zog aus Düsseldorf, wo sie am Deutschen Tischtennis-Zentrum mit der Nationalmannschaft trainiert hatte, zurück in die Heimat. Doch auch das stark verminderte Training brachte keine Besserung der Schulter - im Gegenteil.

Diesmal waren sich die Ärzte einig

In den Jahren und Monaten zuvor hatte die zweifache Doppel-Europameisterin viele Ärzte aufgesucht, sich Meinungen eingeholt; nie aber waren die Meinungen, pro oder contra OP, einheitlich. So probierte sie es weiterhin mit konventioneller Behandlung. Doch als auch zum Ende des vergangenen Jahres keine Besserung auftrat, obwohl sie nur einen Bruchteil des eigentlichen Pensums trainiert hatte, kamen erneut die Gedanken an eine OP auf. Und diesmal waren sich fünf Ärzte unabhängig voneinander einig. Den Anstoß gab dabei letztlich der Mannschaftsarzt der deutschen Wintersportler, der letztlich auch den Kontakt zu einem Schulter-Spezialisten in Rosenheim herstellte. Bei der OP wurden Knochenstücke entfernt, sozusagen Platz geschaffen, weil Knochen an Knochen gerieben hatte.

Ziel: Saisonstart mit Schwabhausen / Rückkehr nach Düsseldorf geplant

Die Ärzte machen Winter Hoffnung, dass sie nun bald wieder schmerzfrei am Tisch ihre gefürchtete Vorhand schwingen kann – und die momentan Weltranglisten-127. (Rang 36 war im April 2017 ihre beste Platzierung) teilt den Optimismus. Wenn der TSV Schwabhausen voraussichtlich ab Oktober wieder in der Bundesliga antritt, möchte Winter dabei sein. „Ob es für den Pokal im September reicht, weiß ich noch nicht. Ich habe mir auch kein festes Datum gesetzt“. Für die Profi-Sportlerin ist dann der Umzug retour nach Düsseldorf zu den Nationalteamkolleginnen geplant. Ihre Wohnung hatten in der Zwischenzeit die Tischtennis-Profis Marie Migot und Lily Zhang genutzt.

„Gläser und Tassen kann ich schon wieder tragen“

Nach der OP ist Sport für Winter die kommenden Wochen nur sehr eingeschränkt möglich. Für die normalerweise konditionell topfitte Leistungssportlerin, die Sport und Auspowern braucht wie die Luft zum Atmen, ist so ein Bewegungs-Shutdown schon schwer auszuhalten. Ihr Stand-Rad hat sie liebgewonnen, obwohl es monoton ist daraufzusitzen, Kniebeugen und leichte Ausfallschritte sind weitere „Highlights“ ihres abgespeckten Fitnessprogramms. Zweimal in der Woche geht es zur Physio mit „nicht allzu spannenden Übungen.“ Nach ein paar Wochen soll es schon anspruchsvoller werden. Dabei haben ihr die Ärzte ausdrücklich zur Bewegung des operierten Arms geraten. „Ich soll bis zu einem Winkel von 90 Grad belasten, damit es keine Verklebungen gibt. Alle Bewegungen über 90 Grad muss ich weglassen“, erzählt Winter. „Gläser und Tassen kann ich schon wieder tragen, schreiben auch, für das Deutsch-Abi reicht es aber noch nicht“, sagt die Nationalspielerin (41 Länderspiele) süffisant.

Abi in drei Wochen – „in der Schule lief es ausgesprochen gut“

Für das Abi hat sie nun drei Wochen mehr Lern-Zeit, die Prüfungen wurden wegen Corona verschoben. Ein weiterer Nebeneffekt: Die OP, die eigentlich für die Zeit nach dem Abitur geplant war, konnte sie spontan jetzt schon absolvieren. „Corona hat mir jetzt nicht gerade geschadet“, sagt Winter lächelnd. Tischtennis habe ihr zuletzt auch gar nicht gefehlt, schon vor Corona hatte sie wenig trainiert. Training unter Schmerzen machen eben keinen Spaß. „Umso mehr freue ich mich aber auf die erste Tischtennis-Einheit, jetzt wo ich weiß, dass die OP gut verlaufen ist.“

Beim ersten Ballwechsel, der wahrscheinlich mit Vater Mark im heimischen Garten stattfindet, wird sie auch sehen, was die OP gebracht hat. Bis dahin ist noch Geduld und Lernen angesagt. Winter bereitet sich gerade auf die Prüfungen in vier Fächern vor. Das Ziel ist ein Schnitt mit einer eins vor dem Komma. Für Mathe und Englisch sei sie gewappnet, für Deutsch ebenso. Im Fach Gesundheitswissenschaften ist der Stoff sehr umfangreich, da müsse man ein bisschen auf „Lücke lernen“. Dass sie die Schule nach so lange Abstinenz derart meistern würde, hatte Winter im Vorfeld nicht erwartet. „Es lief schon ausgesprochen gut, ich habe nicht erwartet, dass es annähernd so gut wird.“

Ein Lauf als Belohnung nach dem Abi

Nach dem Abitur möchte sich Winter belohnen – nicht etwa mit einer schönen Reise, einem chicen Essen oder einem teuren Gegenstand. „Nach dem Abi sind genau die sechs Wochen um, nach denen ich wieder mit dem Laufen beginnen kann.“ Ein Lauf als Belohnung nach dem Abi – das ist typisch Sabine Winter.

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