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Einzelsport Jugend   Corona  

Nachgefragt: Bei unseren Stützpunktleitern

Einblicke aus Kulmbach und Kolbermoor / "Die Spieler sehen das Training jetzt mit ganz anderen Augen."

Training am Verbandsstützpunkt Kulmbach vor der Corona-Krise (Foto: BTTV)

In den Wochen des Lockdowns blieben die Schläger in der Tasche, die Tische im Geräteraum und das vertraute Klicken des Balles blieb aus. Davon betroffen waren wir alle. Auch unsere Kooperations- und Verbandsstützpunkte, die in ganz Bayern verteilt sind. Wir haben mal nachgefragt – einmal im Süden und einmal im Norden Bayerns. Antonio „Toni“ Golemovic leitet den Kooperationsstützpunkt in Kolbermoor und Jürgen Weninger den Verbandsstützpunkt in Kulmbach. Somit hieß es auch für diese beiden Trainer erst mal: Tischtennis-Pause. Kontakt zu ihren Schützlingen hatten sie dennoch. Beide berichten von WhatsApp-Gruppen, durch die das Kontakthalten nicht schwerfiel. „Aber auch telefonisch habe ich von einigen Spielern gehört“, verrät Weninger, „vor allem, weil natürlich viele wissen wollten, wann es endlich wieder los geht.“

In Kolbermoor sah es ähnlich aus und um vor allem die jüngeren Spieler ein bisschen anzuregen, hat Toni Golemovic seine Schützlinge aufgefordert, sich kleine Tischtennis-Challenges auszudenken und abzufilmen. Am Ende der Corona-Zeit soll es dann ein großes Video mit allen Beiträgen geben.

Doch nicht nur in Form von Geschicklichkeitsübungen waren die Spieler/innen in der Zeit der Isolation aktiv. „Gerade in dieser Zeit hatte man die Möglichkeit, sich auf Dinge zu konzentrieren, wozu man während der Saison nicht so viel Zeit hat.“ meint Toni Golemovic. „Meine Stützpunkt-Spieler hatten größtenteils einen groben Trainingsplan mit Kräftigungsübungen, Stabi-Training und Laufeinheiten. Die waren alle motiviert und haben den Plan auch durchgezogen.“

Auch Jürgen Weninger denkt, dass es viel um Eigendisziplin ging in dieser ruhigen Zeit, vor allem was tischtennisspezifisches Fitness-Training angeht. Einige der Kulmbach-Spieler/innen hatten die Möglichkeit, zu Hause ein paar Mal den Schläger in die Hand zu nehmen und so quasi am Ball zu bleiben. „Ich denke, dass darüber hinaus der Großteil der Teilnehmer so viel joggen und Fahrradfahren war wie nie zuvor.“ fügt Weninger hinzu.

„Jeder gibt Vollgas“

Wahrscheinlich kennt es jeder von sich selbst; nach der abgeschlossenen Saison ist erst mal Sommerpause angesagt und der Schläger wird für einige Wochen an die Wand genagelt. Aber spätestens kurz vor Trainingsstart merkt man, dass es wieder in den Fingern kribbelt und die Motivation steigt. Ähnlich empfinden es auch unsere Stützpunktleiter, die nicht nur bei sich selbst festgestellt haben, dass ohne das regelmäßige Training in der Halle einfach etwas fehlt. Toni Golemovic ist aber noch ein weiterer interessanter Punkt aufgefallen: „Ich merke, dass die Spieler das Training jetzt mit ganz anderen Augen sehen. In Kolbermoor haben wir das große Glück, dass die Halle sehr oft zur Verfügung steht; irgendwann wird dieser Luxus dann normal oder selbstverständlich. Jetzt nach dem Lockdown schätzt man das viel mehr und jeder gibt Vollgas. Es wird weniger gemeckert, weil man einfach froh ist, wieder spielen zu dürfen. Das ist wirklich schön zu sehen.“

Nachdem die Behörden grünes Licht gegeben hatten, ging es unter anderem in  Kolbermoor ab dem 11. Mai mit dem Training für Bundes- und Landeskaderathleten unter strengen Auflagen los. Anfangs war man nicht sicher, welche Komplikationen die Hygienevorschriften darstellen würden, doch mittlerweile haben sich alle daran gewöhnt. „Klar war man am Anfang unsicher, weil man auf keinen Fall etwas falsch machen wollte. Aber ein wirkliches Problem haben die Vorschriften nie dargestellt.“ berichtet Golemovic von den ersten Trainingseinheiten nach dem Corona-Lockdown.

Auch Stützpunkt-unabhängiges Training möglich

Doch nicht nur am Kooperationsstützpunkt Kolbermoor wurde schon fleißig trainiert. Die Verbandstrainer versuchen, bayernweit ein regelmäßiges Training für Kader- und Stützpunktspieler auf die Beine zu stellen und halten nach Hallen Ausschau, die in der momentanen Situation genutzt werden können. Beispielhaft ist hierbei Kornburg bei Nürnberg erwähnt, wo kürzlich Verbandstrainer Dustin Gesinghaus mit vier Kaderspielern und -spielerinnen die Halle nutzen durfte. 

Nachdem die ersten Trainingseinheiten schon angelaufen sind und es jetzt auch für den Vereinssport langsam wieder grünes Licht gibt, bleibt trotzdem eine Frage offen: Wie wird es mit Wettkämpfen weitergehen? Finden Einzelturniere statt? Wie werden Mannschaftsspiele aussehen?

Auch dazu haben unsere Stützpunktleiter ein Statement abgegeben. Toni Golemovic ist sich beispielsweise relativ sicher, dass sich das Spielsystem bei Mannschaftswettkämpfen über kurz oder lang ändern werde. Gerade weil Corona höchstwahrscheinlich noch länger ein Thema sein werde, könne man das Risiko ein wenig minimieren, indem man zum Beispiel erst einmal auf das klassische Doppel verzichtet. Auch die Komprimierung der Mannschaften (vor allem bei den Herren) auf vier Spieler wäre durchaus vorstellbar und sinnvoll. Jürgen Weninger sieht das ähnlich und fügt hinzu: „Vielleicht werden die ganz großen Einzelturniere anfangs noch problematisch sein. Letztendlich können wir alle nur hoffen, dass die Entwicklung in Sachen Corona weiterhin positiv verläuft und wir ganz bald zur Normalität zurückkehren können.“

 

 

Naomi Pranjkovic beim intensiven Aufwärmprogramm am Kooperationsstützpunkt Kolbermoor (Foto: Golemovic)
Laura Tiefenbrunner und Luis Kraus beim Stabi-Training (Foto: Golemovic)
Die Kaderspieler Emilia Karg (v. l.), Konrad Haase, Verbandstrainer Dustin Gesinghaus, Cathrin Singer und Linus Dreykorn beim dezentralen Stützpunkt-Training in Kornburg bei Nürnberg (Foto: Thomas Dreykorn)

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