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"Mir macht es nach wie vor richtig viel Spaß"

Interview: Routinier Bastian Steger und der TSV Bad Königshofen haben derzeit einen Lauf

Bastian Steger (Foto: Verein)

Seit 21 Jahren spielt er in der Bundesliga, sein erstes Länderspiel machte er im September 2001. Nach zwei olympischen Bronzemedaillen in London und Rio mit der deutschen Mannschaft, zweimal EM-Bronze im Einzel, dreimal WM-Silber mit der DTTB-Auswahl ist der gebürtiger Oberpfälzer (Oberviechtach) Bastian Steger auch mit 39 Lenzen noch längst nicht Tischtennis-müde, wie er im Gespräch erzählt. Dafür läuft es beim TSV Bad Königshofen auch momentan einfach zu gut.

Basti, fünfter Sieg in Folge mit dem Team, du hast acht Einzel in Folge gewonnen. Warum läuft es aktuell so gut?
Bastian Steger:
Irgendwie haben wir einen Lauf zurzeit. Wir sind alle gut drauf, trainieren gut, dazu ein guter Teamgeist. Es macht total Spaß momentan.

Siege gegen Topteams wie Saarbrücken oder Ochsenhausen werden normalerweise vom eigenen Publikum frenetisch gefeiert. Das fällt aktuell aus. Gewöhnt man sich eigentlich daran, ohne Zuschauer zu spielen?
Steger:
Mittlerweile hat man sich damit abgefunden, dass die Stimmung nicht so ist wie sonst und man quasi keine externe Unterstützung mehr hat. Anfangs war das sehr komisch, jetzt versucht man, das Beste draus zu machen. In der Mannschaft sprechen wir auch darüber. Nach Siegen wie gegen Saarbrücken oder Ochenhausen denken wir, das jetzt in der Halle wohl der absolute Wahnsinn los wäre.

Ihr seid nicht weit weg von einem Playoff-Platz. Was ist möglich in dieser Saison?
Steger (lacht):
Wir sind aber auch nicht weit weg von Platz 10. Ich bin da Realist. Aber man schaut schon mal auf die Tabelle und denkt: 'wenn wir jetzt das Spiel noch gewinnen und dann das, dann ...' Fakt ist, dass die Liga extrem ausgeglichen ist und fast jeder jeden schlagen kann. Es passiert so viel, die Mannschaften nehmen sich die Punkte auch gegenseitig weg. Aber wenn es für uns so gut weiterläuft, vielleicht landen wir dann tatsächlich unter den Top 4.

Du spielst seit Jahren konstant gute Bilanzen in der TTBL, hast zuletzt acht Einzel in Folge gewonnen, dabei Leute wie Shang Kun und Simon Gauzy geschlagen. Wie schaffst du es, dich im gehobenen Alter auf dem Top-Level zu halten?
Steger:
Wichtig ist, dass der Körper mitmacht. Noch dazu macht es mir nach wie vor richtig viel Spaß. Für mich ist es zum Glück auch keine Qual, ins Training zu gehen. Und solange man noch das eine oder andere Spiel gewinnt, weiß man, dass da noch was geht. Ich versuche insgesamt, mehr auf den Körper zu hören, gut zu regenerieren, trainiere nicht mehr ganz so viel wie früher und versuche, vor allem frisch in die Wettkämpfe zu gehen.

Du spielst seit 21 Jahren Bundesliga, im März steht wie bei Timo Boll altersmäßig eine 4 an erster Stelle. Jörgen Persson stand 2008 mit 42 im Olympia-Halbfinale.
Steger:
Das würde ich sofort unterschreiben (lacht). Ich muss sagen, ich fühle micht nicht so alt. Das Alter ist das eine, das Gefühl das andere. Nach Spieltagen gönne ich mir aber einen Tag Pause. 

Einen Gedanken an ein Karriereende verschwendest du nicht?
Steger:
Klar habe ich das eine oder andere mal ausgelotet, was nach der aktiven Karriere kommen könnte. Aber nach wie vor ist die Freude am Tischtennis einfach zu groß, es ist meine Leidenschaft. Körperlich und vom Kopf her fühle ich mich noch zu gut, um zu sagen, ich höre auf. Ich bin optimistisch, dass ich, wenn der Körper hält, noch ein paar Jahre auf hohem Niveau spielen kann.

Im früheren B- und heutigen Perspektivkader hast du für Fan Bo Meng Platz machen müssen, obwohl da noch deutliche Leistungsunterschiede bestehen. Wie kam das und was bedeutet das für dich?
Steger:
Im Grunde ändert sich dadurch nicht so viel für mich. Ich gehöre weiter der Trainingsgruppe in Düsseldorf an und spiele auch Turniere, werde aber nicht mehr bei den großen Events wie WM, EM dabei sein. Wobei eh nicht klar ist, ob man noch mal nominiert worden wäre. Aber es ist schon ein komisches Gefühl gewesen, als ich gesagt bekommen habe, dass ich nicht mehr im Kader bin. Die Entscheidung hat mit den Vorgaben des DOSB  zu tun, der jungen Talenten eine Chance zu geben will, was ja richtig ist, auch wenn man letzten Endes nicht weiß, wohin deren Weg führt.

Wie sehen deine Zielsetzungen für das Jahr 2021 aus?
Steger:
Bei den internationalen Turnieren und dem neu geschaffenen WTT muss man erstmal abwarten, wie sich das entwickelt. Der Fokus liegt auf der TTBL. Das ist auch kein Nachteil, weil man sich besser auf die Bundesliga vorbereiten kann. Wenn man nicht so viel unterwegs ist, gibt es weniger Gehetze, weil man nicht vom Turnier direkt zum Spiel reist. Man kann sich gezielter auf die Bundesliga vorbereiten.

International gibt es aktuell große Umbrüche mit dem neu geschaffenen WTT, wo dein Teamkollege Kilian Ort auch einen Blog auf myTischtennis.de verfasst hat. Bist du ein Stück weit froh, nicht mehr als junger Spieler in diesem System angreifen zu müssen?
Steger:
Ich habe nicht alles dazu verfolgt, aber schon ein bisschen was gelesen. Die Entwicklung sehe ich gerade für junge Spieler, die nach oben kommen wollen, sehr kritisch. Die ITTF will vor allem die Top-20/Top-30-Spieler zu großen Events holen. Um in dem neuen System als junger Spieler dahinzukommen ist extrem schwierig. Wenn man sich anschauen möchte, wie gut jemand ist, die Weltrangliste aber anhand von geschenkten Punkten oder der Zahl der Turnierteilnahmen erfolgt, dann hat das auch nichts mehr mit einer fairen, aussagekräftigen Rangliste zu tun.

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