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Von 0 auf 3 Jugendteams: Das Märchen von Untermeitingen

Wie Thomas Neumahr der Tischtennis-Abteilung neues Leben einhauchte

Thomas Neumahr beim Kindertraining (Fotos: Verein)

Diese Geschichte liest sich wie ein Märchen. Die Tischtennis-Abteilung des SV Untermeitingen (Schwaben-Süd) lag im Sommer 2018 darnieder. Kein Nachwuchs, keine Abteilungsleitung, keine Perspektive. Dann kam Thomas Neumahr. 25 Jahre hatte der frühere Ski- und Snowboardlehrer mit dem Tischtennis pausiert, nach einem Wohnortswechsel nahm der heute 47-Jährige mit dem SVU Kontakt auf, fing wieder mit dem Spielen an und wurde zwei Monate später Abteilungsleiter, "wie die Jungfrau zum Kinde bin ich dazu gekommen", erzählt Neumahr, der ursprünglich aus Seifriedsberg (Oberallgäu) stammt.

Weil sich letztlich kein anderer fand, übernahm ausgerechnet der Vereins-Neuling Neumahr die Abteilungsleitung, ansonsten wäre notgedrungen der Hauptverein eingesprungen. Neumahr, der nach einem Arbeitsunfall seit 10 Jahren im Rollstuhl sitzt, hauchte der Abteilung wieder neues Leben ein. Innerhalb von zwei Jahren schnellte die Mitgliederzahl von 62 auf 96 hoch. Aus null Nachwuchs sind drei Jugendteams entstanden, es gibt eine Bambini-Gruppe und ganz viel Aufbruchsstimmung im Verein. Wir haben Thomas Neumahr einige Fragen hinsichtlich dieser Entwicklung gestellt.

Beim SV Untermeitingen gab es vor zwei Jahren keinen Nachwuchs mehr. Wie habt ihr den Turnaround gschafft?
Thomas Neumahr:
Du musst einfach Bock darauf haben und loslegen. Das wollte ich, nachdem ich die Abteilungsleitung übernommen hatte. Wir haben mit der örtlichen Haupt-/Mittelschule einen Aktionstag durchgeführt. Dafür habe ich einen "Human Soccer" ("Menschenkicker") gemietet. Klingt erstmal komisch. Viele Kinder kamen natürlich erstmal deswegen. Aber wir haben parallel die Tische aufgebaut, verschiedene Stationen mit spielerischen Übungen. Ein paar Kinder sind dann bei uns geblieben. Mit der Zeit haben die Kinder dann Freunde oder Geschwister mitgebracht und es wurden mehr und mehr Kinder. Weitere solche Aktionen folgten, dazu mini-Meisterschaften etc. So fing das ganze an.

Mittlerweile habt ihr wieder drei Nachwuchsmannschaften.
Neumahr:
Das hat sich toll entwickelt. Letztens waren 27 Kinder in der Halle, darunter neun Bambinis. Mit der Jugend sind wir schon zweimal Meister geworden. Unser Vorteil ist, dass wir im Sommer durchtrainieren, da haben wir durchaus einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen. Auch in der Corona-Zeit haben wir immerhin den Mittwoch in den Ferien als Trainingstag gehabt. Zunächst wollte man uns die Hallenzeit nicht geben wegen den Reinigungskosten. Die 840 Euro haben wir dann als Verein aufgetrieben und die Halle von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends nutzen können. Gerade für die Kinder was das natürlich toll, sie haben teilweise stundenlang gespielt.

Training ist das eine, was bietet ihr denn eurem Nachwuchs noch?
Neumahr:
Für mich bedeutet Verein vereint zu sein. Wir machen unheimlich viel zusammen, im letzten Jahr waren wir beim Final Four in Neu-Ulm, bei mir im Garten gab es jedes Jahr ein Sommerfest. Wir leihen auch mal einen Beamer aus und schauen einen Kinder-/Jugendfilm zusammen an. Wir sind generell als Verein aktiv, richten Turniere aus, sind auf dem Weihnachtsmarkt vertreten, haben einen Stand beim Flohmarkt gemacht mit Spenden der Eltern. Es sind viele Teambuilding-Maßnahmen, die zusammenschweißen. So entsteht ein Flow in der Gruppe. Mir ist vor allem wichtig, dass die Kinder/Jugendlichen auch den Kontakt zu den Erwachsenen kriegen. Das war in meinem früheren Verein leider gar nicht so. In Untermeitingen spielen die Erwachsenen nach dem Jugendtraining noch mit dem Nachwuchs, kommen ins Gespräch. Das ist mir sehr wichtig.

Training, Abteilungsleitung, Turniere - wie bringt man das alles unter einen Hut?
Neumahr:
Ohne meine Kollegen würde das nicht gehen. Im Jugendtraining sind Yannick Fischer und Stefan Dumalski mit eingebunden. Für die vereinsdaministrativen Dinge helfen mir im Hintergrund Hans Fischer (Bezirksvorsitzender Schwaben-Süd) und Lothar Gohmert (Bezirksfachwart Mannschaftssport) sehr. Ich bin mehr der Praktiker, stundenlang am PC zu sitzen ist nicht mein Ding.

Was würdest du Vereinen raten, die ihre Jugendabteilung neu beleben möchten?
Neumahr:
Du musst einfach beginnen, und du musst Lust darauf haben und auch investieren. Man braucht Geduld, Tischtennis ist komplex. Ich habe als ehemaliger Ski- und Snowboardlehrer einen Draht zu den Kindern. Das hilft mir persönlich sehr.

Wie finanziert ihr euch und eure Jugendabteilung?
Neumahr:
Wir stehen finanziell gut da. Wir haben Turniere ausgerichtet, veranstalten regelmäßig Race-Turniere, da kommt ein bisschen was rein. Der Hauptverein unterstützt uns auch sehr gut, weil sie sehen, dass wieder etwas in der Abteilung passiert, die Mitgliederzahlen steigen. Die Raiffeisenbank hat uns kürzlich 2000 Euro für die Jugend gegeben, die wollen wir in das Training stecken und vielleicht auch mal eine Rafting-Tour mit allen machen. Für so einen kleinen Verein sind wir, was das Material angeht, sehr gut ausgerüstet. Tische, Roboter, alles ist sehr neu. Wir haben Schläger speziell für Kinder, weitere Materialien, um die Techniken spielerisch zu lernen. Generell bemühen wir uns laufend um Sponsoren. Da sind wir am Ball und auch sehr präsent, was die örtlichen Medien oder diverse Veranstaltungen angeht. Wir versuchen, uns immer im Gespräch zu halten.

Was sind deine nächsten Ziele?
Neumahr:
Ich würde gerne bald eine Mädchenmannschaft stellen, wir haben schon drei Mädels bei uns. Wenn noch das eine oder andere hinzukommt wäre das klasse.

Viel Erfolg dafür und danke für das Gespräch.

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