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Einzelsport Erwachsene  

Para-Spieler Ekkehard Gerlicher: „Goldmedaille war wie ein Sechser im Lotto“

Senioren-DM am Wochenende in Zehla-Mehlis/Zur Sicherheit einen zweiten Schläger mit im Gepäck

Ekkehard Gerlicher (rechts) zusammen mit Regina Höger (Mitte) und Mario Krug (links) nach der Siegerehrung bei den oberfränkischen Meisterschaften. Fotos: privat

Der 68-jährige Ekkehard Gerlicher fährt mit viel Rückenwind von den oberfränkischen Meisterschaften nach Zehla-Mehlis (Thüringen) zur Para-DM der Senioren. Zuletzt feierte er einige Erfolge, unter anderem wurde er 2020 Zweiter im Einzel bei den Bayerische Meisterschaften in der Kategorie Ü60 und holte den den ersten Platz mit der Mannschaft des RSV Bayreuth.

Vor einem Monat sind Sie oberfränkischer Ü60-Meister geworden. Sie sind also derzeit gut in Form, oder?

Ja, das kann man so sagen. Wobei das nicht für den Gegner galt, der erst fünf Wochen vor der Meisterschaft an der Hüfte operiert worden und dadurch mehr als vorher eingeschränkt war. Das hat sich für mich positiv ausgewirkt. Er spielt drei Klassen höher als ich in der Landesliga.

Nun steht die DM vor der Tür. Im vergangenen Jahr haben Sie zwei Medaillen geholt. Gold im Doppel mit Mario Krug und Bronze im Einzel. Die Messlatte liegt also hoch…

Das war sehr überraschend und wie ein Sechser im Lotto. Richtig, die Messlatte liegt jetzt sehr hoch. Ich bezweifele, ob ich das Ergebnis wiederholen kann. Ich hoffe, dass ich im Einzel den dritten Platz wieder erreichen kann. Es hängt auch davon ab, wenn man zugelost bekommt, und ob die AK60 und 70 zusammengelegt werden. Vergangenes Jahr waren bei den 70-Jährigen zwei stärkere dabei. Hätte es ich es nur mit über 60-Jährigen zu tun gehabt, dann hätte ich gewonnen.

Mit welchen Erwartungen fahren Sie nach Zella-Mehlis?

Deshalb fahre ich mit keinen großen Erwartungen dorthin. Ich werde versuchen, mein Bestes zu geben. Wenn es wieder eine Medaille wird, wäre es natürlich super.

Das Doppel spielen Sie dieses Mal mit Gerhard Wachter, nicht mit Krug. Warum?

Mario Krug hat sich einen altersgerechten Partner vom RSV Bayreuth gesucht. Wachter kenne ich schon länger, er wohnt in Hof, ich in der Nähe von Coburg. Er war auch der Organisator der oberfränkischen Meisterschaften. Ich habe ich dann gefragt, ob er mit mir zusammenspielen will und hat mit „selbstverständlich“ geantwortet. Wachter ist schon über 70, er kann aber bei den 60-Jährigen mitspielen.

Spielen Sie auch im Mixed? Wenn ja, mit wem?

Mixed für mich wahrscheinlich nicht relevant, weil wir haben beim RSV Bayreuth nur eine Dame – und die spielt mit Mario Krug.

Gab es eine spezielle Vorbereitung auf die DM?

Ich habe mir einen zweiten Schläger gekauft, weil eine Kontrolle durchgeführt wird, die es sonst nicht gibt. Wenn der Schläger beschädigt ist, darf man ihn nicht mehr verwenden. Bei der Mannschaftsmeisterschaft war das schon mal der Fall. Nachträglich wurde der Belag als zu dick angesehen, weshalb ein Kollege das Spiel leider verloren hat. Speziell vorbereiten werde ich mich nicht, sondern ich trainiere einmal die Woche und alle 14 Tage beim RSV Bayreuth.

Vor 28 Jahren haben Sie mal aus gesundheitlichen Gründen pausiert. Das war wohl eine schlimme Zeit für Sie?

Das war eine Bandscheibenproblematik. Ich hatte starke Schmerzen in der Lendenwirbelsäule und wurde fünfmal operiert worden. Vor zehn Jahrenist dann die rheumatische Erkrankung, also Morbus Bechterew dazugekommen. Beides hängt indirekt zusammen, aber damals war ich noch nicht eingeschränkt.

Seit 2019 sind Sie beim Behindertensportverband aktiv und für den RSV Bayreuth gemeldet. Wie kam es dazu?

Durch Corona sind eineinhalb Jahre weggefallen. Ich hätte früher dort aktiv sein können, aber ich hatte es gar nicht gewusst, dass einen Verband für eingeschränkte Sportler gibt. Mein Kollege hat mich mal darauf hingewiesen. Ich hätte dort also schon vor 15, 20 Jahren mitspielen können. Davor hatte ich von Para-Tischtennis noch nie etwas gehört.

Seit 1964 spielen Sie Tischtennis, derzeit beim TTC Eschi Frohnlach, wo Sie stellvertretender Abteilungsleiter und Kassierer sind, in der Bezirksklasse A und mit einem TTR-Wert von 1555 an Position drei. Können Sie sich ein Leben ohne Tischtennis vorstellen?

Nein, das könnte ich mir nur schwer vorstellen, denn ich bin auch seit 20 Jahren Bezirksschiedsrichter. So lange ich kann, will ich spielen.

Mit dem eigenen Team, das die ersten beiden Spiele gewonnen hat, verfolgen Sie welches Saisonziel, nach Ihr Team vergangene Saison (Einfachrunde) Zweiter hinter dem verlustpunktfreien TV Ebersdorf (das direkte Duell wurde 7:9 verloren, obwohl Sie beide Einzel und das Doppel gewonnen haben) geworden ist?

Heuer sieht es nicht so gut, weil es zwei Absteiger gab und ein starker Aufsteiger aus Thüringen in der Liga dabei ist. Die haben mehr Q-TTR-Punkte, scheinbar über 1700 Punkte (Anm. d. Red.: zwei Spieler mit mindestens 1700 Punkten). Platz eins oder zwei ist diese Saison wohl nicht möglich. Platz vier oder fünf ist realistisch.

Sohn Dominik (32) ist in der 4. Mannschaft am Start. Wie schätzen Sie ihn ein?

Er ist zwar gemeldet und hat früher gespielt. Aber jetzt nicht mehr, seit er Rechtsanwalt in München ist. Ich bin früher mit auf Turniere gefahren und habe ihn begleitet.

Seit einem Jahr sind Sie auch stellvertretender Sportrichter im Bezirk Oberfranken-West. Erzählen Sie mehr darüber!

Es werden Widersprüche behandelt. Beispielsweise wenn eine Mannschaft erst 30 Minuten nach dem regulären Spielbeginn antreten kann und die andere nicht mehr will. Das Sportgericht entscheidet dann, wie dieses Spiel gewertet wird. Ein Kollege hat mal einen ungewöhnlichen Fall, als ein Mann eine Frau werden wollte und dann bei den Damen mitgespielt hat. Ansonsten geht es um falsche Aufstellungen oder fehlende Spielberichtigungen.

Danke für das Gespräch und viel Erfolg am Wochenende!

Hoffen auf weitere Medaillen für einen goldenen Herbst

Mario Krug hat zuletzt bei der DM in Berlin schon Medaillen gewonnen und will nun wieder erfolgreich abschneiden. „Ich starte im Einzel der Wertungsklasse in der Alterklasse 2 (50 bis 60 Jahre). Im Doppel spiele ich mit Frank Zeller und Mixed mit Regina Höger. Die Titelverteitigung in den drei Klassen wäre natürlich eine feine Sache. Ich werde jedenfalls mein Bestes geben“, sagt Krug. Die Tagesform werde entscheidend sein, Krug rechnet mit 50:50-Spielen. Insgesamt rund 150 Teilnehmer seien am Start. Vom RSV München sind Peter Fenn, Andre Hammerlindl und Karl-Heinz König dabei.

Zwei Bronze-Medaillen hatte Mario Krug vor zwei Wochen mit im Gepäck. Nach der DM geht er jetzt bei der Senioren-DM erneut auf Medaillenjagd.
Das Plakat zur Para-Senioren-DM.

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