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Comeback nach Herzinfarkt beim Tischtennis steht kurz bevor

Reinhard Eller vom TSV Schwaben Augsburg brach auf der Bank zusammen/In der Rückrunde will er wieder mitwirken

Reinhard Eller (rechts) mit seinen beiden Lebensrettern Stefan Sturm und Felizitas Weiss sowie Martin Gschwilm (dahinter), Leiter der Rettungswache Bobingen des BRK. Foto: Elmar Knöchel/ek - Print & Media

[Update: 24. Januar: Gestern Abend gab Eller, wie geplant, sein Comeback. Die 4:9-Niederlage seines TSV in Haunstetten konnte er zwar nicht verhindern, doch immerhin gewann ein Einzel] 

Freitag, 11. November 2022, Bezirksklasse B, Gruppe 2 Augsburg-Süd Ost: Der SSV Bobingen II trennt sich von Aufsteiger TSV Schwaben Augsburg 8:8-Unentschieden. Damit holen die Gäste, aktueller Vorletzter, trotz zwischenzeitlicher 4:0-Führung nur einen Punkt gegen den Klassenerhalt. Doch dieses Spiel hat eine Vorgeschichte.

Denn es handelt sich um ein Wiederholungsspiel, ursprünglich angesetzt war die Partie am 1. Spieltag am 23. September 2022. Sie wurde jedoch beim Stand von 5:1 für Augsburg abgebrochen, weil der Augsburger Spieler Reinhard Eller nach jeweils einem gespielten Doppel und Einzel auf der Bank zusammenbrach und einen Herzinfarkt erlitt. Nun wurden diese Woche seine Lebensretter ausgezeichnet.

Notarzt war binnen drei Minuten da

„Ich habe große Erinnerungslücken“, sagt der 75-Jährige. „Ich weiß noch, wie ich mich in der Kabine umgezogen habe. An die beiden Spiele kann ich mich jedoch nicht mehr erinnern.“ Was danach geschah, hat er inzwischen erfahren. An jenem Abend hatte der Musikverein Bobingen einen Übungsabend und machte gerade Pause. Besitzer Stefan Sturm (Eller: „Ein recht sympathischer Typ“), von Beruf Polizist, erkannte die Situation blitzschnell und reanimierte Eller innerhalb von ein, zwei Minuten. Auch Sturms Freundin Felizitas Weiss hilft mit. Drei Minuten später ist der Notarzt um Martin Gschwilm, Leiter der Rettungswache Bobingen des Bayerischen Roten Kreuzes, vor Ort. „Wie ich erfahren habe, hatte Gschwilm in der Nähe gerade einen Einsatz abgeschlossen“, erzählt Eller. „Ich hatte großes Glück, denn ich war ohne Puls. Wenn ich nicht gleich reanimiert worden wäre, würde ich jetzt wahrscheinlich nicht mehr leben. Die Rettungskette lief reibungslos. Dafür bin ich unendlich dankbar und froh.“

„Die Rettungskette lief reibungslos. Dafür bin ich unendlich dankbar und froh.“

Zwei Tage lag Eller auf der Intensivstation. „Als ich aufs Zimmer verlegt wurde, habe ich so langsam realisiert, was passiert ist.“ Er wurde operiert und erhielt fünf Bypässe. „Ich hatte nie Herz- oder Kreislaufprobleme und habe auch, bevor ich umgekippt bin, nichts gespürt“, betont Eller, der im Krankenbett die Wochen davor rekapitulierte. „Bei Radfahren einige Wochen davor war mir schwindelig. Ich hatte zuvor wenig gegessen, deshalb habe ich darauf nichts gegeben. Jetzt bin ich schlauer.“ Denn die Ärzte meinten, dies sei ein eindeutiges Warnsignal gewesen.

Mit 12:1-Bilanz großen Anteil am Aufstieg

Seis drum, inzwischen ist er wieder fit, konditionell verständlicherweise noch nicht wieder der Alte. Zuletzt fuhr er 12 Kilometer mit dem Rad und musste sich plagen. „Nach elf Tagen im Krankenhaus bin ich zuhause nicht mehr die Treppen in den vierten Stock hochgekommen. Mir fehlen beim Topspin die Kraft und Dynamik. Das ist zwar ärgerlich, aber ich muss es akzeptieren“, relativiert der 75-Jährige und schiebt hinterher: „Ich muss jetzt besser auf mich aufpassen.“

 

„Ich hatte großes Glück, denn ich war ohne Puls."

Eller hatte bis zum Alter von 24 Jahren Tischtennis gespielt, danach 35 Jahre pausiert und nach der Rente mit 58 einige Jahre im Ausland gelebt. Zurück in Augsburg, wollte er sich sportlich betätigen. „Eigentlich wollte ich nur hobbymäßig spielen, aber beim TSV wurden dringend Spieler gebraucht“, so Eller, der seit August 2020 spielberechtigt ist. In der vergangenen Saison stieg der TSV Schwaben Augsburg als Zweiter aus Bezirksklasse C auf, Eller trug an Position drei sein Scherflein mit einer 12:1-Bilanz im Einzel bei. Jetzt will er mithelfen, den Klassenerhalt zu schaffen. Am Montag, 23. Januar, um 20 Uhr beim FC Haunstetten beginnt die Rückrunde. „Es ist geplant, dass ich wieder dabei bin“, sagt Eller und verweist darauf, dass Mitspieler Anton Graff wegen eines Außenbandrisses noch ein paar Spiele ausfallen wird.

Lebensretter erhalten die Henri-Dunant-Medaille

Und die Moral von der Geschichte? Der Gemeinderat entschied nach dem Vorfall umgehend, dass in allen Bobinger Sporthallen Defibrillatoren angebracht werden. Zudem haben mehrere Leute im Verein ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse aufgefrischt, während Sturm und Weiss in dieser Woche für ihren schnellen und damit lebensrettenden Einsatz die Henri-Dunant-Medaille bei einem Pressetermin im Bobinger Rathaus verliehen bekommen haben.

Am 23. Januar gab Eller wie geplant sein Comeback

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