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Personal/Hintergrund  

Die Jugend als große Herzenssache

Nach 45 Jahren nun im Tischtennis-Ruhestand - Die Helmut Brunnauer-Story

"Heute": Kreis-Ehrenvorsitzender Helmut Brunnauer kann zufrieden auf 45 Jahre als Aktiver und Funktionär zurückblicken. Foto: Bittner

Rückstetten. Jeder, der in den letzten 30 bis 40 Jahren mit einem Tischtennis-schläger in einem Verein unterwegs war, ist ihm hundertprozentig mindestens einmal begegnet:

Helmut Brunnauer.

Egal ob als aktiver Spieler, Trainer oder Funktionär in leitenden Ämtern – mit dem heute 76-Jährigen hatten alle Freunde des schnellen Sports mit dem kleinen weißen Ball früher oder später zu tun. Und das stets in freundschaftlicher, fairer und kollegialer Art und Weise. Als Kreisvorsitzender oder später als Fachwart Mannschaftssport den Regeln entsprechend, versuchte der Oberteisendorfer immer, mit einer klaren Linie und Haltung eine für alle Beteiligten bestmögliche Lösung zu erarbeiten: „Mein Bestreben war, es allen recht zu machen. Das klappte vielleicht nicht immer, aber durch den Dialog kamen wir am Ende gemeinsam meist zum gewünschten Ziel.“ Keine leichte Aufgabe mit über 300 Mannschaften in gut 100 zu betreuenden Vereinen. Zuletzt musste Helmut Brunnauer in einem erheblich größeren Verantwortungsbereich des Bezirks zur Mannschaftssaison 2018/19 der Erwachsenen alle Ligen neu einteilen.

45 Jahre, von 1974 bis 2019, war Helmut Brunnauer für den heimischen Tischtennis-Kreis 15 – Reichenhall/Traunstein (vor zwei Jahren in den Bezirk 16 Oberbayern Ost umreformiert) – tätig. Genauso lange, von 1970 bis 2015, stand er aktiv an der Platte. Doch am meisten Freude bereitete ihm die Arbeit mit der Jugend: „Das machte mir viel Spaß. Mein größtes Anliegen war eine funktionierende Nachwuchsabteilung im Verein.“ Mit Verein meint der in Salzburg geborene und in Adelstetten aufgewachsene, stets faire Sportsmann seinen SV Oberteisendorf. Ihn hat er nie verlassen. „Ein Wechsel zu einem anderen Klub stand für mich nie zur Diskussion.“ Helmut Brunnauer ist tief in der Gemeinde Teisendorf verwurzelt. Mit seiner Ehefrau Karin baute er 1996 ein Haus in Rückstetten, in dem sie bis heute leben. Davor verbrachten sie die 1980er-Jahre in Traunstein. In der Großen Kreisstadt war Brunnauer Fußball-Trainer sowohl bei der DJK als auch beim ESV und arbeitete als Kataster-Techniker im Vermessungsamt. Seit 2006 genießen Karin und Helmut ihren Ruhestand. Nun gab er sein Amt im Tischtennis-Bezirk auf, weil die Zeit dafür „einfach reif war“.

Mit 26 Jahren ein Spät-Einsteiger
Obwohl Brunnauer mit 26 Jahren erst spät so richtig mit dem Tischtennissport begann – noch während seiner Zeit als Coach der SVO-Kicker –, machte er so manchem Kontrahenten auf der anderen Seite des grünen Tisches mit seinen Noppen- und „Anti“-Belägen das Leben schwer. Böse Zungen in diesem Sport behaupten, das würde jedes „schöne Spiel“ zerstören. Der Oberteisendorfer konterte Aussagen dieser Art klar und souverän wie im Match: „Mit diesen Belägen muss man erst mal spielen können. Ein Noppenbelag erfordert ein extrem zeitintensives Training.“ Viel Raum zum Üben hatte Brunnauer – neben Beruf und Familie mit einer Tochter und einem Sohn – aufgrund seiner vielfältigen Aufgaben im Kreis und im Verein meist jedoch nicht. „Ich habe aber sowieso nie Tischtennis gespielt, um Titel zu sammeln oder möglichst viele Siege zu verbuchen.“ Das vermittelte er auch fortlaufend seinen Tischtennis-Kindern und -Jugendlichen. „Freilich verliert niemand gern, aber für mich standen immer ganz andere Ziele im Fokus – die gute Ausbildung des Nachwuchses.“ Als Aktiver schaffte es Brunnauer selbst dennoch bis in die Bezirksliga und spielte bis zu seinem Abschied an der Platte in allen heimischen Ligen.

Darum schaut er zurecht mit Stolz auf seine Arbeit mit so vielen außergewöhnlichen Talenten beim SVO zurück: In seine insgesamt 15-jährige Trainerzeit fiel der sagenhafte Jahrgang mit Florian Eckstein aus Ainring – hat laut Brunnauer Profi-Potenzial und wechselte nun zu Oberligist SV Haiming –, Tobias Kohler, seinem Enkel Marcus Brunnauer, Michi Fellinger und David Leitner. All diese Jungs schafften es von der Mini-Meisterschaft bis in die Verbandsliga, in der Mannschaften aus Erding, Freising, Passau oder Cham auf Oberteisendorf warteten. Mit Cian Angerpointner (spielte sogar beim großen FC Bayern München) und dem späteren Jugendleiter Ralf Enzensberger begann 2005 unter anderem die begeisternde Ära von Brunnauers Jugendarbeit. Danach gingen neben den genannten Namen zahlreiche starke Tischtennis-Cracks „durch seine Hände“: Ein Robert Gruber, ein Lukas Gimpel, später ein Stefan Steinhardt (heute SVO-TT-Abteilungsleiter), Stephan Thaler, Maxi Frank oder der leider schon verstorbene Patrick Petry. Der größte Jugend-Erfolg für den SVO war freilich der Gewinn der Bayerischen Pokalmeisterschaft 2012 mit Gimpel, Petry und Maxi Paul. Brunnauers letzte Saison als Nachwuchstrainer war jene 2018/19.

Frühe Verantwortung nach nur einem Jahr
Kurz nach der Gründung der Oberteisendorfer Tischtennis-Abteilung im Sommer 1970 – die 50-Jahr-Feierlichkeiten in diesem Jahr müssen aufgrund der Pandemie verlegt werden – trat Helmut Brunnauer der TT-Sparte im November bei und übernahm bereits 1971 zum ersten Mal den Abteilungsleiterposten – und somit früh Verantwortung. Dieses Amt hatte er bis 1975 inne. Seine zweite Amtszeit begann 1999 und endete 2002. Sehr viel länger prägte seine Ära im Tischtennis-Kreis, die bereits 1974 als Kreisjugendwart begann. Zwei Jahre drauf war Brunnauer bereits Kreisvorsitzender und blieb es bis 1988. „Danach hatte ich fast jeden nur möglichen Posten irgendwann mal inne“, lacht er im Gespräch mit der Heimatzeitung – Spielleiter diverser Ligen, Jugendleiter, zuletzt als Mannschaftssport-Fachwart. „Immer ehrenamtlich, weil mir das Spaß machte“. An seinem Sport liebt Helmut Brunnauer vor allem, dass es nicht nur um die Technik geht: „Du kannst kein guter Spieler sein, wenn du dich nicht geistig voll und ganz auf das Spiel konzentrieren und fokussieren kannst. Ein klarer Kopf ist im Tischtennis enorm wichtig.“ Jahr für Jahr fuhr der heutige Senior zu den Austrian Open nach Wels, um sich von Boll, Ovtcharov & Co. „etwas abzuschauen“ – vor allem auch die mentale Stärke der Profis.

Helmut und Karin Brunnauer sind gern daheim, genießen ihre Wohnung, den Garten, das Zusammensein mit der Familie inklusive dreier Enkel. „Durch meinen Abschied vom Tischtennis habe ich jetzt auch wieder mehr Zeit für meine Papageienzucht“, sagt er zufrieden. Er weiß jedoch, dass ein knallharter Schnitt nicht sein Ding ist: „Ich werde schon noch ab und zu in der Halle vorbeischauen“. Vor allem die 1. Mannschaft, die seit vielen Jahren erfolgreich in der Bezirksliga aufschlägt – mit einigen seiner ehemaligen Jugendlichen –, ist ihm derart ans Herz gewachsen, dass er sich nicht komplett davon lösen kann oder möchte. Für den einen oder anderen Rat werden sie beim SVO ohnehin nach wie vor dankbar sein.

 Bericht und Bilder: Hans-Joachim Bittner

"2007": Als Trainer zusammen mit Fabian Krüger bei der Eckart-Pokal-Endrunde 2007 in Bad Reichenhall. Der SV Oberteisendorf gewann unter Helmut Brunnauers Coaching. Für die Jugend investierte der heute 76-Jährige einen Großteil seiner Freizeit.Foto: Bittner

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