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Corona   Personal/Hintergrund  

"Mir fällt die Decke auf den Kopf"

Manche Vereine können schon wieder trainieren, andere nicht / Beispiele und Stimmen aus dem BTTV

Beim TV Hofstetten (UFR-West) ging es wieder los - mit Abstand (Foto: Verein)

Die einen dürfen, die anderen nicht. Freude auf der einen, Enttäuschung auf der anderen Seite. Obwohl der Hallentrainingsbetrieb seit Montag, 8. Juni, von der Staatsregierung unter Auflagen wieder freigegeben wurde, schauen trotzdem viele Tischtennis-Abteilungen und -Vereine (noch) in die Röhre. Eine Blitz-Umfrage auf dem Instagram-Kanal des BTTV am Anfang dieser Woche mit 320 Teilnehmern ergab: 40 Prozent dürfen, 60 Prozent dürfen nicht. Noch nicht. Die Gründe dafür sind verschieden. Vereine, die zum Beispiel über eine eigene Halle verfügen, sind meist in einer glücklichen Situation. Bei Schulturnhallen, wo der Landkreis zuständig ist, sieht es häufig anders aus. Solche Hallen werden zurzeit vielerorts für Unterricht und Prüfungen benutzt. Einige Kommunen haben die Öffnung der Hallen zu einem späteren Zeitpunkt angekündigt – da nützt auch ein vorliegendes, ausgereiftes Hygienekonzept der Vereine nichts. Wir haben uns bei drei Vereinen in unterschiedlichen Situationen umgehört.

Viele, viele Telefonate hat Heiko Menzel, stellvertretender Abteilungsleiter und Hygienebeauftragter des TSV Brendlorenzen im BTTV-Bezirk Unterfranken-Nord geführt, ehe er für seinen Verein nun endlich Licht am Ende des Tunnels sieht: „Es ist noch nicht entschieden, aber es gibt seitens der zuständigen Stadtverwaltung Bad Neustadt an der Saale positive Signale, dass wir ab nächster Woche wieder in die Halle können.“ Anfang Mai hatte Menzel dort erstmals in Sachen „Hallenöffnung/Trainingswiederaufnahme“ angeklopft. Damals ging es ausschließlich um den TSV-Spieler Konrad Haase, der sein Training als Mitglied des BTTV-Verbandskaders bekanntlich schon ab dem 11. Mai wieder aufnehmen durfte. Doch bei der Stadtverwaltung stieß Menzel seinerzeit auf taube Ohren: „Für einen einzigen Spieler war da nichts zu machen.“

"Keiner will einen Fehler machen"

Ähnlich erging es ihm rund drei Wochen später, als er zwei Tage nach Veröffentlichung der mittlerweile 5. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung erneut vorstellig wurde: „Der zuständige Sachbearbeiter wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal etwas von dieser Verordnung bzw. davon, dass diese auch die Möglichkeit der Wiederöffnung von Sportstätten für das Vereinstraining kontaktloser Indoor-Sportarten beinhaltet.“ Etliche weitere Telefonate folgten, schienen jedoch ebenfalls ohne Erfolg zu bleiben: „Auch die Vorlage eines detaillierten Hygienekonzeptes änderte zunächst nichts an der ablehnenden Haltung der Behörde. Die Stadt, so hieß es, müsse zunächst ihr eigenes, umfassendes Konzept entwickeln.“ Diese Woche kam dann aber ebenso plötzlich wie erfreulich Bewegung in die Sache: „Die Stadtverwaltung kam ihrerseits mit Nachfragen zu unserem Hygienekonzept auf mich zu und man informierte mich, dass das Thema Hallenöffnung am Freitag mit guten Erfolgsaussichten zur Entscheidung steht.“

Einen Vorwurf für ihr Zögern und Zaudern macht Menzel den Behörden nicht, zeigt vielmehr großes Verständnis für die Entscheidungsträger: „Ich möchte nicht in deren Haut stecken und weiß nicht, wie ich mich an deren Stelle verhalten würde. Keiner will einen Fehler machen. Patentlösungen aus der Schublade gibt es in der aktuellen Situation nicht. Dass Ministerpräsident Söder den Indoor-Sport in den Vereinen in seiner Ansprache bzgl. der zum 8. Juni inkrafttretenden Lockerungen nicht explizit erwähnt hat, hat nach meinem Eindruck auf allen Seiten für zusätzliche Verunsicherung gesorgt.“ 

In Gilching fand bereits am Montag das erste Training statt

Am 8. Juni war das Training von offizieller Seite wieder möglich, und beim TSV Gilching-Argelsried (Oberbayern-Süd) konnte direkt die erste Trainingseinheit stattfinden. Acht Jugendliche und später am Abend zwölf Erwachsene nahmen das Angebot wahr. Die Eltern der Nachwuchsspieler und die Aktiven unterschrieben vorher zusätzlich eine Einverständniserklärung. „Damit wollten wir die Aufmerksamkeit aller noch mal steigern“, berichtet Gerd Schmitz, langjähriger Abteilungsleiter des TSV und Hygiene-Beauftragter.

Das Training an sich habe gut funktioniert, gerade der Nachwuchs hätte sich vorbildlich verhalten. Dem TSV Gilching-Argelsried spielte in die Karten, dass die Gemeinde quasi ohne zu zögern das Okay für den Wiedereinstieg des Trainings gegeben hatte. „Wir haben uns im Gegensatz zu unserem Hauptverein schon früh mit dem Thema beschäftigt und am Mittwoch vor dem 8. Juni unser Hygienekonzept auf Basis der Papiere des BTTV eingereicht. Das Bauamt hatte keine Beanstandungen“, erzählt Schmitz. Kontakte zur Lokalpolitik hätten im Vorfeld auch eine günstige Rolle gespielt. Schmitz hat das Hygienekonzept nun vereinsintern an andere Abteilungen weitergestreut.

Neben dem Tisch-Reinigen, Maske-Tragen bis zur Box und Lüften nach einer Stunde wird beim TSV Gilching an jedes Mitglied fünf Bälle verteilt, die mit den Initialen beschriftet sind. Mit der Hallenbelegung hat die Abteilung noch keine Probleme. „Wir können neun Tische stellen. Normalerweise haben wir 20-25 Aktive in dieser Zeit im Training. Es kann sein, dass wir demnächst eine Doodle-Abfrage machen müssen oder das myTischtennis-Tool nutzen, wenn wieder mehr Mitglieder ins Training kommen“, sagt Schmitz.

Ausweich-Klassenzimmer statt Tischtennis / "Mir fällt die Decke auf den Kopf"

Bei der DJK Ettmannsdorf (Oberpfalz-Nord) muss man derweil noch auf den Wiedereinstieg ins Training warten. Momentan werden die Turnhallen des Landkreises Schwandorf als Ausweich-Klassenzimmer genutzt, um die Schüler in größeren Räumlichkeiten unterbringen zu können. Abteilungsleiter Hans Bruckner ist sich noch immer nicht sicher, wann seine Tischtennis-Asse wieder an die Tische dürfen. „Wir rechnen momentan nicht vor den Sommerferien mit einem Trainingsauftakt. Das ist momentan wirklich nicht vorhersehbar.“ Jetzt geht Bruckner über die nächste Instanz. „Kommende Woche habe ich einen Termin zur Sprechstunde beim Oberbürgermeister. Wir werden sehen, was das bewirkt.“

Da es in und um Ettmannsdorf wenig Ausweichmöglichkeiten gibt, werden vor allem die Kinder der Tischtennis-Abteilung langsam ungeduldig. Über "WhatsApp" erhält Bruckner Nachrichten wie „Ich möchte endlich wieder Tischtennis spielen“ oder „Mir fällt zu Hause die Decke auf den Kopf“. „Das ist natürlich nicht schön, wenn man so machtlos ist.“ bemerkt er.

Auf die Frage, wie sich die aktuelle Situation auf die kommende Saison auswirken wird, weiß Bruckner keine Antwort. „Es ist natürlich schade, dass nicht alle Vereine die gleichen Rahmenbedingungen haben. Vielleicht wäre es sinnvoll, den Start der Saison 2020/2021 einige Wochen nach hinten zu verschieben.“

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