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Interview: Franzi Schreiner über ihre dritte EM-Teilnahme, Drucksituationen, die Bundeswehr und Hassnachrichten im Netz

Die 24-Jährige vom Erstliga-Aufsteiger TuS Fürstenfeldbruck hat sich zum dritten Mal aus eigener Kraft ein EM-Ticket erspielt

Franzi Schreiner im Dress von Erstliga-Neuling TuS Fürstenfeldbruck (Foto: Nils Rack)

Vor der Individual-EM in nach Ljubljana (11. - 18. Oktober) hat sich Franziska Schreiner ins heimische Kleinwallstadt zurückgezogen. Dort bereitet sich Franzi noch mit Mutter Yunli in der dortigen Schulturnhalle auf die EM vor. Die 24-jährige frühere bayerische Kaderspielerin und Wahl-Düsseldorferin schlägt seit dieser Saison für den TuS Fürstenfeldbruck in der Bundesliga auf. Kurz vor der Einzel-EM konnten wir mit der zweifachen Deutschen Meisterin (Doppel 2019, Mixed 2021) und Zweiten bei der U21-EM von 2022 sprechen. 

Franzi, herzlichen Glückwunsch! Du bist in Ljubljana zum dritten Mal bei einer Einzel-EM dabei. Was hast du für Erinnerungen an München 2022 und Linz 2024 und was nimmst du dir für dieses Turnier vor?
Franziska Schreiner: München war meine erste EM, noch dazu eine Heim-EM. Ein absolutes Highlight. Als ich bei der U21-EM durch einen 4:3-Viertelfinalerfolg die Medaille und das München-Ticket sicher hatte, war ich extrem stolz. Ich war gerade mal anderthalb Jahre in der Nationalmannschaft. Ich glaube, das Erreichen der EM in München war einer meiner Top-3-Erfolge. Ich bin dann sogar ins Hauptfeld gekommen und habe nur knapp in Runde eins verloren. In Linz 2024 kam ich eine Runde weiter und musste mich Sabine relativ knapp geschlagen geben. Damals hatte ich mich als Zweite der U21-EM qualifiziert. Dieses Mal dann über ein internes Turnier. Ich habe es jetzt dreimal aus eigener Kraft zur EM geschafft. Mein Minimalziel ist, die Hauptrunde zu erreichen. Dann muss ich von Spiel zu Spiel schauen. 

Bundestrainerin Tamara Borsos hat einen EM-Platz in einem internen Turnier ausspielen lassen. Wie war das für dich und welche Anspannung herrschte da in Düsseldorf unter den Spielerinnen?
Schreiner: Da war natürlich schon sehr viel Anspannung dabei. Es war eine außergewöhnliche Situation, mit der man zurechtkommen musste. Ich würde nicht sagen, dass ich als Favoritin in das Turnier gegangen bin, aber als eher erfahrene Spielerin hat man realistischerweise bessere Chancen auf das EM-Ticket, da habe ich den Druck schon gespürt. Die Anspannung ist nach der Auftaktniederlage gegen Lisa Wang noch gewachsen. Ich habe mir dann vorgenommen, mich nur noch auf mein Spiel zu konzentrieren und nicht mehr auf mögliche Ergebnisse. Das hat zum Glück funktioniert, ich habe die restlichen Partien gewonnen. Die Jüngeren konnten da insgesamt etwas entspannter reingehen und eigentlich nur gewinnen. Bei mir ging es schon um die dritte Einzel-EM-Teilnahme. Insgesamt, muss man sagen, finde ich so ein Ausscheidungsturnier aber fairer als eine Trainer-Nominierung.

Du bist jetzt seit sechs Jahren Teil der Nationalmannschaft. Wie gehst du generell mit dem Thema Druck um? 
Schreiner: Also der Druck hat nicht nachgelassen, ich würde sagen, die Art des Drucks hat sich verändert. Generell finde ich, ist das Niveau insgesamt deutlich stärker geworden, national wie international. Die Jugend trainiert heutzutage viel früher unter sehr professionellen Bedingungen, spielt sehr viele Turniere. Das war zu meiner Nachwuchszeit nicht so. Das bedeutet für mich: Ich möchte einerseits gegenüber den besser platzierten Spielerinnen Boden gut machen und andererseits muss ich mich gegenüber den Jüngeren behaupten.

Die Kunst ist, die Phasen, wo es nicht läuft, möglichst kurz zu halten und auf ein Minimum zu reduzieren. 

Hast du professionelle Unterstützung bei dem Thema?
Schreiner: Ja, ich arbeite im mentalen Bereich und mit einem Sportpsychologen zusammen. Man testet auch immer mal neue Strategien. Manches funktioniert, aber nicht immer gehen alle Strategien auf. Das Thema Druck bleibt immer bestehen, auch bei den sehr erfahrenen Spielern. Die Kunst ist, die Phasen, wo es nicht läuft, möglichst kurz zu halten und auf ein Minimum zu reduzieren. 

Du bist aktuell 139 der Welt. Gefühlt, wenn man die knappen Niederlagen sieht, hättest du schon etwas höher stehen können. Wie siehst du deine Entwicklung? 
Schreiner: In den letzten zwölf Monaten war das Glück nicht immer auf meiner Seite. Da hatte ich einige Partien leider knapp verloren. 2024 war ich schon mal in den Top 100. Ich habe gezeigt, dass ich konkurrenzfähig bin und hoffe, dass der Knoten wieder platzt. 

Wie viel WTT-Turniere spielst du und wie hart ist dieser WTT-Modus?
Schreiner: Ich spiele relativ viel, in den letzten zwölf Monaten waren es 14 Turniere. Es ist zum einen sehr kostspielig und auch hart, wenn du etwa in der ersten Runde verlierst. In Deutschland haben wir eine große Dichte und viele höherplatzierte Spieler. Die Tour ist einerseits brutal, andererseits eröffnet es auch Chancen. Man sieht es an Wim und André (Verdonschot bzw. Bertelsmeier). Wenn man mal zum richtigen Zeitpunkt performt und den Sprung in bestimmte Regionen geschafft hat, dann kann man sich schon etablieren. Das Selbstvertrauen steigt. Andererseits kann man auch schnell wieder fallen. WTT ist deutlich schnelllebiger, anfangs war die Kritik groß, mittlerweile haben sich die Spieler daran gewöhnt. 

Ich frage mich, warum Meta/Instagram nicht eingreift.

Nicht gewöhnen möchte man sich an die Hassnachrichten im Netz, wenn es um verlorene Wetten geht… 
Schreiner: Ich habe das auch schon mal öffentlich gemacht. Bei mir ist das allerdings nicht so ein großes Thema wie zum Beispiel bei Spielern, die laufend höher dotierte Turniere spielen oder generell weiter vorne in der Weltrangliste stehen. Ich blockiere die Absender und melde sie. Ich weiß nicht, inwieweit das was nützt. Zumal man sich ja mehrere Accounts erstellen kann. Ich frage mich, warum Meta/Instagram nicht eingreift und vielleicht über Künstliche Intelligenz solche Nachrichten herausfiltert. Vielleicht sind wir da zu klein als Sport. In meinem Fall finde ich es mittlerweile eher amüsant. Derjenige, der mir nach einem Turnier schrieb, hatte mir Monate vorher schon mal eine Nachricht gesendet, warum ich verloren hätte. Da frage ich mich, warum er später wieder auf mich gewettet hat, ob er ein Hater oder insgeheim doch ein Fan ist. Wie gesagt, bei mir kommt das zum Glück nicht so häufig vor. 

Anderes Thema, du bist seit 2020 Sportsoldatin, mittlerweile Stabsunteroffizierin. Was bedeutet das für dich im Alltag und wie wichtig ist generell für dich die Bundeswehr?
Schreiner: Die Bundeswehr ist mein Hauptarbeitgeber. Mindestens zwei Drittel meines Einkommens verdiene ich durch sie. Ohne die Bundeswehr wäre es für mich nicht möglich, den Sport so intensiv zu betreiben. Klar, man hat auch einen gewissen Aufwand. Aber ich hatte jetzt in sechs Jahren seit der Grundausbildung vier Lehrgänge á vier bis sechs Wochen. Das finde ich nicht so viel. Ich habe in der Zeit vielleicht nicht die Möglichkeiten zu trainieren wie sonst, aber andererseits finde ich es richtig cool dort. Man kriegt einen ganz anderen Weitblick, ist im Austausch mit anderen Sportlern, lernt dazu. Ich konnte schon mehrere Olympiasieger treffen, mit denen man redet, die über ihren Alltag berichten, über ihre Trainingssteuerung, Trainingspläne oder Sport im Allgemeinen. Man begegnet sich immer freundschaftlich.

Ich finde, wenn wir im Tischtennis jammern, jammern wir auf einem hohen Niveau.

Wie siehst du dich als Tischtennis-Spielerin aufgestellt im Vergleich zu anderen Sportlerinnen? 
Schreiner: Also ich finde, wenn wir im Tischtennis jammern, jammern wir auf einem hohen Niveau. Ich finde, wir stehen da im Vergleich gut da, zumal wir noch die Vereine haben und Ausrüster, die uns unterstützen. Gerade im Wintersport ist es sehr schwer. Ich weiß zum Beispiel aus dem Bobsport, wie teuer das ganze ist, die Fahrerinnen müssen fast allein das Equipment finanzieren.

Gibt es unter den Sportlern eine Art Konsens, was im Sport besser laufen müsste, mal abgesehen von finanzieller Unterstützung? 
Schreiner: Ein Thema ist Anti-Doping. Wir müssen uns in Deutschland und unserer Sportart sehr strengen Regelungen unterziehen. In anderen Nationen wird das laxer gehandhabt. Entweder wird viel weniger kontrolliert oder die Strafen sind sehr milde. Dann reden sich Sportler raus, dass sie was Falsches gegessen hätten. Ich denke, die Maßnahmen und Standards im Bereich Anti-Doping sollten weltweit gleich sein. Generell ist auch das Thema Wertschätzung für Sportler ein Thema. Der Sport ist hierzulande einfach nicht so angesehen wie in anderen Ländern. Auch die Infrastruktur könnte besser sein. 

Du studierst nebenbei Internationales Management an einer privaten Hochschule. Wie funktioniert das mit dem Leben als Profi-Sportlerin? 
Schreiner: Für mich ist das Studium eine reine Nebensache und nur ein Ausgleich neben dem Sport. Beides zu 100 Prozent zu machen, würde nicht funktionieren. Der Fokus liegt klar auf dem Sport, auf dem Training und den Wettkämpfen. Das Studium kann ich nebenher etwas voranbringen, es ist sehr flexibel angelegt. Anders würde es gar nicht gehen. 

Du bist vor der Saison zum Erstliga-Aufsteiger nach Fürstenfeldbruck gewechselt, damit schließt sich ein familiärer Kreis. Dein Papa und dein Bruder haben dort schon gespielt. Was bedeutet dir der Schritt und wie hast du den Bundesliga-Start erlebt?
Schreiner: Erstmal bin ich froh, dass wir am Wochenende gegen Bingen die ersten Punkte einfahren konnten und ich auch ein Einzel gewonnen habe. Vor Bruck war ich sechs Jahre in Langstadt, es war der Beginn meiner Profikarriere. Jetzt musste ich einen neuen Verein finden (Langstadt hat sich aus dem Bundesliga-Tischtennis zurückgezogen, Anm. d. Red.). Ehrlich gesagt war Langstadt auch eine Komfortzone für mich, aus der ich jetzt gezwungenermaßen ausbrechen musste. Über meine Eltern und meinen Bruder habe ich viel über Fürstenfeldbruck erfahren. Das hat mir die Entscheidung erleichtert. Und es stimmt, was sie erzählt haben: Es ist ein toller Verein, die Leute sind top. Ich bin sehr zufrieden. Für mich ist es auch eine neue Herausforderung, weil ich fest die Nummer zwei bin. Mein Ziel ist es, ausgeglichen zu spielen vorne und dass wir den Klassenerhalt sichern.

Franzi, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die EM!

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