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Personal/Hintergrund  

Rahel Aschwanden über Profidasein, Psychologie-Studium und die Bekanntschaft zu Roger Federer

Die Schweizer Nationalspielerin und neue Nummer zwei vom Drittligisten TuS Fürstenfeldbruck im Interview

Die 24-jährige Schweizerin Rahel Aschwanden spielt diese Saison beim TuS Fürstenfeldbruck und ist schon viel herumgekommen. (Foto: ETTU)

Rahel Aschwanden ist die neue Nummer Zwei des Damen-Drittligisten TuS Fürstenfeldbruck. Die 24-Jährige hat bereits neun Goldmedaillen bei Schweizer Meisterschaften gewonnen und nahm zwischen 2010 und 2018 sieben Mal an Weltmeisterschaften teil. Sie hat schon in einigen Ländern für verschiedene Clubs gespielt und in ihrer jungen Karriere viele interessante Erfahrungen gemacht. Im Moment wohnt sie in Graz und macht ihren Master in Psychologie. Mehr zu der Schweizer Nationalspielerin auf ihrer Homepage: http://www.rahelaschwanden.com/.
Im Interview spricht Rahel über den Spagat zwischen Profitischtennis und Studium, warum sie bis vor Kurzem von Roger Federer gesponsert wurde und über Ziele mit ihrem neuen Verein Fürstenfeldbruck.

Du bist Tischtennisprofi und studierst gleichzeitig Psychologie. Wie bekommst du Sport und Studium unter einen Hut?
Rahel Aschwanden: Den Bachelor in Psychologie habe ich im Fernstudium absolviert. Dadurch konnte ich einen "normalen" Profialltag führen, da ich nur vier Mal pro Semester nach Bern fahren musste. Dies war optimal für mich, da ich neben dem Sport immer noch etwas brauchte, auch für den Kopf. Es braucht natürlich ein wenig Selbstdisziplin, aber der Stoff interessierte mich und so war es kein Problem. Den Master mache ich seit einem Jahr an der normalen Uni in Bern. Jedoch habe ich im ersten Masterjahr keine Seminare besucht, da ich in Frankreich war. Ich konnte Prüfungen von Vorlesungen schreiben, da es keine Anwesenheitspflicht gab, und habe einige Blockseminare besucht, die jeweils drei bis fünf Tage dauerten. Das zweite Masterjahr werde ich jetzt in Graz an der Uni als Erasmus-Studentin absolvieren. Diese Punkte kann ich mir dann in Bern anrechnen lassen.

Gibt es Dinge, die du im Psychologie-Studium gelernt hast, die dir fürs Tischtennis weiterhelfen?
Viele denken, dass ich als Psychologiestudentin extrem stark im mentalen Bereich im Tischtennis sein muss. Im Psychologiestudium ist der Sportbereich aber kein Bestandteil des Curriculums. Erst nach dem Master kann man die Ausbildung zum Sportpsychologen machen. Momentan mache ich ein dreimonatiges Praktikum in der Sportpsychologie, von dem ich persönlich profitieren kann. Ich habe Einblicke in andere Sportarten, die mit ähnlichen mentalen Problemen - wie wir im Tischtennis - zu kämpfen haben.

Du wurdest für einige Zeit von Roger Federer „gesponsert“. Wie kam es dazu und hast du ihn auch live getroffen?
In der Schweiz gibt es eine Sporthilfe-Plattform. Dort kann sich jeder Sportler mit einer Swiss Olympic Karte anmelden. Firmen, Privatpersonen etc. können sich bei Interesse melden und dich unterstützen. Ich hatte das Glück, dass sich die Roger-Federer-Foundation für mich entschieden hat. Während sechs Jahren haben sie mich gesponsert. Dabei habe ich Roger einmal getroffen und habe mit ihm gesprochen. Zudem konnte ich seine Eltern kennenlernen und während der Schweizer Meisterschaften zwei Mal bei ihnen übernachten.

Wie bist du eigentlich zum Tischtennis gekommen?
Mein ältester Bruder spielt ebenfalls Tischtennis. Er hat mich, als ich neun Jahre alt war, mal ins Training mitgenommen. Dann spielte ich eine unlizenzierte regionale Meisterschaft mit drei Teilnehmerinnen und dann eine kantonale, bei der ich mich für die nationale Meisterschaft qualifizierte, die ich ebenfalls gewann. Dort wurde ich dann auch in den nationalen Jugendkader aufgenommen und habe mich lizenzieren lassen. Gleichzeitig spielte ich noch Fußball, war in der Leichtathletik und spielte Marimbaphon (mehr dazu auf Wikipedia).

Was ist dein Spielstil beim Tischtennis?
Aktives Topspinspiel mit gutem Aufschlag (lacht).

Du warst schon in jungen Jahren viel unterwegs mit dem Sport. Wann hast du das erste Mal im Ausland gespielt?
Als ich 18 war, habe bin ich das erste Mal für einen deutschen Verein, in Weil am Rhein, in der Regionalliga gespielt. Als ich Zwölf war, spielte ich mein erstes internationales Turnier in Lorraine in Frankreich.

Ein Jahr lang hast du sogar in drei Ländern gleichzeitig gespielt. In welchen?
Letzte Saison spielte ich in Storfors in der 1. Schwedischen Liga, in Schiltigheim in der 3. Französischen Liga und in Zürich Affoltern in der 2. Herrenliga in der Schweiz.

Wie kam es überhaupt dazu?
Gute Frage, also ich wollte unbedingt in Schweden spielen, weil ich in Schweden wohnte. Dann unterschrieb ich in Storfors und erst dann entschied ich mich kurzfristig nach Frankreich zu ziehen. In der Schweiz unterschrieb ich, weil ich die Spiele so praktisch mit einem Besuch in der Schweiz (Familie, Freunde) kombinieren konnte. Und in Frankreich fühlte ich mich einfach wohl, weil ich schon mehrere Jahre dort spielte. So habe ich alle informiert, dass ich einige Spiele bestreiten kann.

Wie ist deine Erfahrung damit, in mehreren Ländern zur gleichen Zeit zu spielen?
Es ist auf jeden Fall sehr zeitraubend. Da gibt es praktisch keine freien Wochenenden mehr und man ist oft unterwegs. Dadurch leidet natürlich die Trainingszeit, weshalb ich es nicht mehr so machen würde. Zudem spielt man überall ein wenig, aber man ist in keinem Verein dann zu 100 Prozent dabei, da es oft terminliche Überschneidungen gibt. Der Vorteil ist, dass man auf sehr unterschiedliche und neue Spielerinnen und Spieler trifft, was natürlich sehr spannend und lehrreich ist.

Wo hast du in der Zeit gelebt?
Zu der Zeit habe ich in Nîmes, im Süden von Frankreich gelebt. Jedoch habe ich mich während der Saison verletzt und so verbrachte ich meine Regenerationszeit in der Schweiz.

Was hat dich dieses Jahr zum TuS Fürstenfeldbruck gebracht und was sind deine Erwartungen an die Saison?
Mein Ziel bei der Vereinssuche war, einen Verein und nicht mehrere zu finden, da ich weniger unterwegs sein und mich voll auf ein Team konzentrieren möchte. Die tschechische Nationalspielerin Dana Cechova teilte mir mit, dass Fürstenfeldbruck auf der Suche nach einer Spielerin ist. Das gesteckte Ziel (Top 3) des Teams mit jungen, eigenen Spielerinnen haben mich motiviert, da mitzuhelfen. Auch kannte ich Katerina Tomanovska schon und empfand sie als eine passende Mannschaftskameradin. Ich freue mich auf eine kämpferische Saison mit tollem Teamgeist! Und was dann schlussendlich resultatmäßig rausschaut, sehen wir ja dann.

Danke für das Interview, Rahel.

Zu den Spielen des TuS Fürstenfeldbruck in der 3. Bundesliga Süd

Wer die Schweizer Nationalspielerin in Aktion sehen will, kann gerne zu einem Heimspiel der Brucker Damen vorbeischauen. Einen Vorgeschmack gibt es jedoch auch auf YouTube, beispielsweise im Match gegen Daniela Ortega bei der WM 2017 in Düsseldorf.

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