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Sonstiges  

Kindeswohl im Tischtennis: Verantwortung übernehmen, Vertrauen stärken

Recherche des STANDARD schlug hohe Wellen / Fragen und Antworten für den BTTV

Kultur des Hinsehens schaffen (Symbolbild: Pixabay, Alexa)

Die renommierte österreichische Tageszeitung DER STANDARD hat kürzlich über schwere Vorwürfe gegen einen Tischtennis-Jugendtrainer berichtet. Über Monate hinweg wurde recherchiert, Betroffene wurden befragt und Strukturen analysiert. Der Fall zeigt: Auch der organisierte Sport ist nicht automatisch ein geschützter Raum.

Solche Berichte machen betroffen – und sie werfen Fragen auf, die über einen Einzelfall hinausgehen:
Wie sicher sind unsere Strukturen?
Welche präventiven Maßnahmen greifen tatsächlich?
Wo finden Betroffene Unterstützung?
Und wie können Vereine und Verbände ihrer besonderen Verantwortung gerecht werden?

Der Bayerische Tischtennis-Verband (BTTV) nimmt die aktuelle Berichterstattung zum Anlass, das Thema Kindeswohl und Kinderschutz im Tischtennis transparent darzustellen. Klar ist: Grenzüberschreitungen oder strafbares Verhalten lassen sich nie mit absoluter Sicherheit ausschließen. Umso wichtiger sind klare Regeln, verbindliche Standards, transparente Verfahren und eine Kultur des Hinsehens.

Kinderschutz ist für den BTTV keine Reaktion auf Einzelfälle, sondern eine dauerhafte und zentrale Aufgabe. Deshalb möchten wir offen darlegen,

  • wie das Thema organisatorisch im Verband verankert ist,
  • welche präventiven Vorkehrungen gelten,
  • welche Qualifizierungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen umgesetzt werden,
  • was Vereine konkret tun können,
  • wie im Verdachtsfall vorgegangen wird,
  • mit welchen Fachstellen der Verband zusammenarbeitet
  • und wo Betroffene – auch anonym – Unterstützung finden.

Die folgenden Fragen und Antworten geben einen Überblick über die bestehenden Maßnahmen und Ansprechpartner im BTTV.

Kindeswohl im BTTV – Fragen und Antworten

Wie ist das Thema Kindeswohl im BTTV organisatorisch verankert?
Der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist im Bayerischer Tischtennis-Verband (BTTV) strukturell verankert. Seit 2010 gibt es einen/eine Anti-Missbrauchs-Beauftragten (AMB) als feste Stabsstelle des Präsidiums bzw. des Vorstands. Die Funktion ist in der Satzung des Verbandes verankert und dient als zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle für alle Fragen rund um Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt.

Darüber hinaus verfügt der BTTV über ein fortgeschriebenes Präventions- und Schutzkonzept, das sich am Stufenmodell des organisierten Sports orientiert und regelmäßig weiterentwickelt wird. Seit Juli 2025 ist der sogenannte Safe Sport Code (SSC) als Bestandteil der Satzung des BTTV aufgenommen worden. Der Code ist ein Muster-Regelwerk, das der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit wissenschaftlicher und juristischer Expertise für den organisierten Sport ausgearbeitet hat. Die Vorlage soll allen Sportvereinen und -verbänden dabei helfen, jegliche Form von interpersonaler Gewalt in ihrer Organisation noch effektiver bekämpfen sowie Täter im Sport konsequenter sanktionieren zu können.

Weitere Informationen und Dokumente sind auf der BTTV-Seite „Prävention vor sexuellem Missbrauch“ abrufbar.

Prävention vor sexuellem Missbrauch - Bayerischer Tischtennis-Verband


Welche präventiven Vorkehrungen gelten im BTTV?
Für alle haupt-, neben- und ehrenamtlich tätigen Trainer gelten verbindliche Schutzstandards:

  • Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses bei Vertragsabschluss
  • Unterzeichnung einer Selbstverpflichtungserklärung
  • Abschluss einer Schutzvereinbarung mit klar definierten Verhaltensregeln im Umgang mit Kindern und Jugendlichen

Diese Maßnahmen schaffen Transparenz, Sensibilisierung und klare Handlungsrahmen. Ergänzend stellt der Verband Informationsmaterialien für Kaderathleten sowie deren Eltern zur Verfügung, damit diese ermutigt werden, im präventiven Sinne „wachsam“ zu sein.


Welche Qualifizierungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen gibt es?
Das Thema Kindeswohl ist Pflicht-Bestandteil der Trainerausbildung im BTTV. In Aus- und Fortbildungsmaßnahmen werden Trainer für Fragen der Prävention, der Nähe-Distanz-Regelung sowie für den verantwortungsvollen Umgang mit Schutzbefohlenen geschult. Unter anderem werden mit den angehenden Trainern Fallbeispiele besprochen, die für das Thema sensibilisieren.

Zusätzlich stehen Leitfäden und Informationsmaterialien – unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) – zur Verfügung.


Was können Vereine aktiv tun?
Vereine und Abteilungen spielen ebenso eine zentrale Rolle im Kinderschutz. Der BTTV empfiehlt:

  • Übernahme der verbandlichen Schutzvereinbarungen
  • Entwicklung eines eigenen, vereinsbezogenen Schutzkonzepts
  • Benennung einer vereinsinternen, im besten Fall weiblichen und männlichen Ansprechperson
  • Sensibilisierung von Trainerinnen, Trainern und Funktionsträgern
  • Information von Eltern und Erziehungsberechtigten

Auf der BTTV-Webseite stehen entsprechende Dokumente und Vorlagen zum Download bereit, die Vereinen als Grundlage dienen können.


Was geschieht, wenn dem Verband ein Verdachtsfall gemeldet wird?
Hinweise oder Verdachtsfälle werden vertraulich behandelt. Die Anti-Missbrauchs-Beauftragte koordiniert das weitere Vorgehen in enger Abstimmung mit dem Vorstand und – sofern erforderlich – mit externen Fachstellen.

Oberste Priorität hat dabei stets der Schutz der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Das Vorgehen orientiert sich an klar definierten Interventionsleitlinien und berücksichtigt sowohl sportrechtliche als auch gegebenenfalls strafrechtliche Aspekte.


Mit welchen Fachstellen arbeitet der Verband zusammen?
Der BTTV orientiert sich an den Standards des organisierten Sports und arbeitet mit externen Fachstellen im Bereich Prävention sexualisierter Gewalt zusammen.

Das Schutzkonzept wurde in Zusammenarbeit mit AMYNA e.V. und der  Bayerischen Sportjugend erarbeitet.

Zudem gibt es eine enge Kooperation bei Schutzkonzepten/Präventionsmaßnahmen sowie Safe Sport Code mit den Dachverbänden DTTB beziehungsweise DOSB.

Der Verein "Athleten Deutschland e.V." hat seit Mai 2022 eine unabhängige Anlaufstelle für Betroffene im Spitzensport eingerichtet. Neben einem Hilfetelefon, welches zweimal wöchentlich geschaltet ist, kann auch auf eine rechtliche Beratung verwiesen werden.

Darüber hinaus bestehen Kontakte zu regionalen Fachstellen im Bereich Prävention und Beratung.


Wo können sich Betroffene – auch anonym – hinwenden?
Betroffene, Eltern, Trainer oder Vereinsverantwortliche können sich direkt an die Anti-Missbrauchs-Beauftragte des BTTV wenden. Die Kontaktdaten sind auf der offiziellen Präventionsseite des Verbandes veröffentlicht.

Zusätzlich stehen externe und unabhängige Beratungsstellen zur Verfügung. Eine vertrauliche und anonyme Beratung ist möglich.

Alle Kontaktdaten sowie weiterführende Informationen finden sich unter:
Prävention vor sexuellem Missbrauch - Bayerischer Tischtennis-Verband

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