Der Zweitliga-Meister wird sein Aufstiegsrecht in die höchste deutsche Spielklasse nicht wahrnehmen, der TSV Windsbach verzichtet auf die TTBL. Dies gab der Verein am Ostersamstag zunächst via Instagram bekannt. "Nach sehr intensiver Prüfung sind wir zum Entschluss gekommen, den Lizenzantrag ... zu vertagen...", heißt es. Und weiter: "Es war uns in den letzten sechs bis acht Wochen nicht möglich, die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen sicherzustellen, um auch eine nachhaltige und erfolgreiche Etablierung in der TTBL zu gewährleisten."
Windsbach hatte sich zum Stichtag zwar fristgerecht für einen TTBL-Startplaz beworben, aber stets betont, zweigleisig planen und ein TTBL-Engagement genau prüfen zu wollen. Bis Ende März hatte sich der TSV dafür Zeit gesetzt. Quasi Nutznießer des Windsbacher Verzichts ist der aktuelle Tabellenletzte in der TTBL, der ASC Grünwettersbach (mit Trainer Kilian Ort), der nun auch trotz der roten Laterne für die kommende Erstliga-Saison planen kann.
"Traurig und enttäuscht, aber wir greifen wieder an."
"Wir sind alle traurig und enttäuscht, aber es ist, denke ich, eine weise Entscheidung. Die Gesundheit des Vereins steht über allem. Das Risiko ist einfach zu groß, und wenn man nicht komplett überzeugt ist, dann ist das nicht der Weg, den wir gehen wollen. Wir wollten nachhaltig und konkurrenzfähig in die TTBL. Das war einfach in so kurzer Zeit für uns nicht machbar. Wir dürfen die Emotionen nicht über die Vernunft stellen", erklät Manager Andreas Staudacher die Situation. "Es ist nicht unser Anspruch, nur einmal hochzugehen und dann vielleicht wieder abzusteigen und viel kaputtzumachen. Dafür haben wir uns hier in Windsbach zu viel aufgebaut mit zuletzt bis zu 300 Zuschauern und insgesamt einer großen Unterstützung in der Stadt", so Staudacher weiter.
Die letzten acht Wochen seien für ihn mit die anstregendsten überhaupt gewesen, man habe alles probiert, reichlich Informationen eingeholt und versucht, eine TTBL-taugliche Mannschaft zusammenzubekommen. "Wir waren es der Meistermannschaft und insbesondere unseren Topspielern Jakob und Tom schuldig, dass wir alles versuchen. Aber die beiden verstehen auch, dass es so keinen Sinn macht", sagt Staudacher.
Kaum möglich, zu diesem Zeitpunkt einen europäischen, TTBL-tauglichen Spieler zu finden
Den Hauptgrund sieht der Manager in dem späten Zeitpunkt der TTBL-Planungen. "Wir hatten einfach viel zu wenig Zeit, der Titel kam für uns unerwartet. Die meisten Teams stehen schon im Januar fest. Es ist fast nicht möglich, zu einem Zeitpunkt Ende März, Anfang April noch europäische Spieler zu bekommen, die bezahlbar sind und uns auch sportlich weiterbringen." Andreas Staudacher führte zwar Gespräche mit dem einen oder anderen Kandidaten, "aber da wären wir einfach nicht vollends überzeugt gewesen".
Sicherheitskonzept, Lagerung - dagegen sprachen auch strukturelle Gründe
Zu den sportlichen Herausforderungen gesellten sich zudem noch strukturelle. Dazu gehört ein Sicherheitskonzept, welches von einem Architekten abgenommen und der TTBL vorgelegt werden muss. "Das hätten wir fristmäßig wohl nicht mehr geschafft", sagt Staudacher. Zudem wäre viel organisatorische Arbeit auf die Stadt zugekommen, was in der Kürze der Zeit ebenfalls schwer machbar sei. "Wir spielen in einer Schulturnhalle und bräuchten nun deutlich mehr Platz zum Lagern, zum Beispiel von dem roten Boden", nennt Staudacher ein Beispiel.
Keine Hauruck-Aktion, dafür Angriff in der kommenden Saison
Die Windsbacher Sponsoren hätten die Entscheidung voll verstanden, "zumal denen auch daran gelegen ist, dass wir positive Schlagzeilen scheiben. Wenn wir nicht konkurrenzfähig sind, dann wird das schwierig", sagt Staudacher. Ohnehin merke man, dass das Geld bei vielen Unternehmen nicht sehr locker sitze, weil viele selbst zu kämpfen hätten.
"Letztlich wäre es von unserer Seite eine Hauruck-Aktion geworden. Das wollten wir nicht." Aber Andreas Staudacher gibt sich kämpferisch. "Dann werden wir es eben noch mal versuchen und nächste Saison wieder angreifen. Unsere Mannschaft ist stark und bleibt so zusammen. Wir haben jetzt viel mehr Wissen und ein Jahr Zeit, um uns um die organisatorischen Dinge zu kümmen und stoßen bereits strukturelle Veränderungen an."
Hilfreiche Kontakte zu TTBL-Vereinen
Ausdrücklich bedanken möchte sich Staudacher bei den Ansprechpartnern der TTBL-Vereine: "Das war wirklich bemerkenswert. Sowohl Bad Königshofen mit Andy Albert oder auch die Manager von Mühlhausen oder Saarbrücken - sie haben uns sehr geholfen bei unseren Bemühungen und gerade Andy hätte gerne das Derby gehabt. Sie waren aber auch sehr offen und haben schon gewusst, dass es für uns zu so einem späten Zeitpunkt schwer wird."
Fast tägliche Nachrichten erhielt Staudacher übrigens aus Grünwettersbach, die als Tabellenletzter in der TTBL um den Ligaverbleib bangten. "Nachdem ich die Mannschaft via Zoom und die Sponsoren über unseren Verzicht informiert hatte, habe ich direkt bei Martin Werner von Grünwettersbach angerufen. Wir hätten sie auch noch eine Woche hinhalten können, aber ich finde, das gehört sich nicht. Und die Spieler bei ihnen wollen ja auch Planungssicherheit haben."










