Beim TSV Seeg-Hopferau-Eisenberg ist innerhalb von relativ kurzer Zeit ein kleiner Tischtennis-Boom ausgelöst worden. Rückblende: Vor drei Jahren gab es bei den Schwaben eine Jugend-Mannschaft und gerade mal fünf bis sechs Nachwuchsspieler, die zudem relativ unregelmäßig trainierten. Mittlerweile hat Seeg bis zu 30 Kinder im Training, darunter auch einige Mädchen; es gibt drei Jugendteams, eine mini-Mannschaft, große Heimspiel-Events und eine enge Verzahnung mit den Erwachsenen und Eltern. Und nicht zuletzt unterstützen Mitglieder und Vorstand die Jugendarbeit in großem Stil.
Da stellt sich die Frage: Wie hat der TSV das geschafft?
Die Antwort ist untrennbar mit der Personalie Rainer Eichner verbunden. Der B-Lizenz-Trainer, dessen drei Kinder ebenfalls aktive Tischtennisspieler sind, wechselte 2020 von Schongau nach Seeg und wurde vor drei Jahren gefragt, ob er beim Jugendtraining die drei bisherigen Trainer unterstützen könne. „Damals waren gerade mal fünf, sechs Kinder im Training und manches Mal ist es noch ausgefallen. Das konnte ich nicht akzeptieren. Wenn man so engagiert ist im Verein, dann muss auch etwas bei rumkommen“, erzählt Eichner.
Schulaktionstag als „Game Changer“
Um mehr Kinder in den Verein zu bekommen, schlug der Verein der örtlichen Grundschule einen Tischtennis-Vormittag vor. „Der Direktor war gleich dafür. Mittlerweile haben wir schon drei Aktionstage durchgeführt.“ Mehr als 100 Kinder der Klassen 2-4 durchlaufen nacheinander ein Tischtennis-Programm, das Eichner selbst entwickelt hat und in der Schule mit weiteren Vereinstrainern umsetzt. Bei dem Tischtennis-Parcours absolvieren die Kinder sechs Stationen, etwa koordinative Übungen mit dem Luftballon, aber auch mit Ball und Schläger; sie sammeln Punkte und die besten Drei erhalten am Ende einen kleinen Preis. „Uns ist gar nicht wichtig, wer da als Bester oder Beste durchgeht, aber wir wollten einen kleinen Anreiz schaffen“, sagt Eichner.
Eltern werden sofort eingebunden
Die Lehrerinnen und Lehrer sind an dem Tag mit in der Halle, unterstützen und greifen teilweise selbst zum Schläger. Allen Kindern wird am Aktionstag ein Zettel in die Hand gedrückt mit Trainingszeiten, Kosten und zwei expliziten Zeiten für ein Probetraining. „Dazu muss man sich dann vorab anmelden und ich möchte auch, dass an dem Tag mindestens ein Elternteil dabei ist“, betont Eichner. So könne man den Eltern die Besonderheiten von Tischtennis erklären und auch aufzeigen, wie trainingsintensiv die Sportart ist, um sich zu verbessern.
Pro Schulevent landen 8 bis 10 Kinder im Verein
8 bis 10 Kinder sind nach jedem Schulevent in den Verein gegangen und viele dabeigeblieben. Darunter auch ein Mädchen-Quintett, das stetig Fortschritte macht. Mittlerweile betreut der TSV Seeg bis zu 30 Kinder an zwei Trainingstagen. Mehrere Trainer sind im Wechsel im Einsatz, besonders unterstützt wird Rainer Eichner durch Ingrid Gruber. Um alle mitzunehmen, wird nach Spielstärke gestaffelt. Die Anfänger fangen etwas früher an, die Fortgeschrittenen steigen später ein und spielen auch mit den Erwachsenen. „Wir haben eine Liste, in der geregelt ist, wer wann mit den Jugendlichen spielt. Ich schicke sonntags immer per WhatsApp die Namen. Am Anfang war das recht mühsam, weil auch im Jugendtraining kaum was los war. Mittlerweile sehen die Erwachsenen, dass da richtig die Post abgeht, sind begeistert und helfen gerne mit“, so Eichner. Einen Spieler aus der 2. Mannschaft, der sehr gut blockt, hat Eichner rekrutiert, damit er die besseren Jugendlichen fördern kann.
Auf die individuelle Entwicklung wird viel Wert gelegt. In jedem Training gibt es zwei oder sogar drei Tische, wo nur Balleimertraining angeboten wird. Ganz neu: Die fortgeschrittenen Spieler können ab und an vor der eigentlichen Einheit ein Aufschlag-Training absolvieren. Und: Hin und wieder bietet Eichner samstags von 9 bis 12 Uhr ein Training für die besseren Jugendlichen und Erwachsenen an, das fast immer voll ist. „Es ist schön zu sehen, wie die Jugendlichen, aber auch die Erwachsenen profitieren.“ Ein Jugendlicher wird jetzt zur kommenden Saison im Herren-Team integriert.
Heimspiele werden zum Happening
Eminent wichtig ist dem TSV die Kommunikation mit den Eltern. So berief Eichner einen Elternabend ein, um die Strukturen und Abläufe zu erläutern. „Ich habe ihnen auch gesagt, dass die Kinder, wenn sie in der Mannschaft spielen möchten, auch fest und verlässlich dabei sein sollten.“ Ganz kurzfristige Absagen, die nicht mit Krankheit begründet sind, wollte man nicht länger akzeptieren. Bei Auswärtsspielen fungieren die Eltern als Fahrer, zusätzlich möchte der Verein, dass immer mindestens ein aktiver Tischtennis-Spieler dabei ist. Auch dafür gibt es eine entsprechende Liste.
Die Heimspiele sind derweil zu einem echten Happening geworden. Nach interner Diskussion spielen die Mannschaften nun samstags parallel – mit großem Erfolg. In Kooperation zwischen Eltern und Verein werden kostenlos Getränke und Kuchen/Brezeln zur Verfügung gestellt. „Es ist echt toll, die Halle ist voll, die Eltern kommen, Oma, Opa, es ist eine große Gemeinschaft geworden. Das freut mich von Herzen“, sagt Eichner.
Anreize auch außerhalb des Trainings setzen
Der B-Lizenz-Trainer, der selbst noch in der ersten Mannschaft (Bezirksoberliga) spielt und dessen Tochter Anja früher im bayerischen Landeskader aktiv war, hat viele Jahre bei Stützpunkttrainings unterstützt. Jetzt in Seeg hat er von Grund auf gemeinsam mit dem Trainerteam eine starke Basis geschaffen. „Mal sehen, wie es weitergeht. Der Aufwand ist hoch, aber die Unterstützung von Mitgliedern und Vorstand ist groß, weil auch gesehen wird, wie es vorangeht“, sagt Eichner. Sein Rat ist – neben den wichtigen allgemeinen Strukturen – immer mal wieder im Training und darüber hinaus neue Anreize zu setzen und ein Gemeinschaftsgefühl außerhalb der Halle zu erzeugen. „Erst kürzlich waren wir mit allen auf einer Hüttentour mit Nachtwanderung etc. Das war eine riesen Gaudi.“











