Ein Jahr ist vorbei … ist irgendwas passiert?
Die Unterüberschrift unter dem ersten Abschnitt trägt den Titel:
„Ein Jahr ist schnell vorüber …“
Als jemand, der vor langer, langer Zeit eine naturwissenschaftliche Arbeit abgegeben hat, weiß ich selbstverständlich um die Wichtigkeit einer korrekten Zitierweise. Bevor irgendjemand Plagiatsvorwürfe für die Nutzung der Aussage „Ein Jahr ist schnell vorüber“ in dieser Grundsatzrede erhebt; sie stammt aus dem Song „Solang man Träume noch leben kann“ von der Band Münchner Freiheit.
Aber auch ohne konkreten Herkunftsnachweis dürften einige dieser Aussage „Ein Jahr ist schnell vorüber“ vorbehaltlos zustimmen. Dabei hat das Ganze auch einen wissenschaftlichen Hintergrund, nämlich dass der Eindruck entsteht, jedes Jahr ginge schneller vorbei (Quelle u.a. Focus Online, 10.12.2025 sowie KI-Suchanfragen):
- Von der Kindheit bis hin zum frühen Erwachsenenalter machen wir viele unterschiedliche Erfahrungen und erwerben ständig neue Fähigkeiten. Dadurch erleben wir die Zeit in dieser Phase unseres Lebens intensiver. Wenn wir uns später daran erinnern, erscheinen uns diese Momente zeitlich viel länger.
- Je älter man wird, desto weniger neue Erfahrungen macht man, da sich Routine einschleicht. Im Alltag fehlen markante Erinnerungspunkte, wodurch die Zeit subjektiv rast, besonders ab ca. 30 Jahren.
- Mit zunehmendem Alter nehmen wir weniger „Bilder pro Sekunde“ wahr, wodurch die Zeit schneller zu vergehen scheint. Es ist wie bei einem Daumenkino: Je weniger Bilder, desto schneller blättert man zum Ende.
Unter diesen Gesichtspunkten wiederhole ich die Frage aus dem Titel: Ist irgendwas in diesem gefühlt schnell vergangenen, letzten Jahr passiert? Und um mir selbst gleich zwei alternative Antworten zu geben: Ja, aber dann doch nicht so …, oder Nein, eigentlich nicht bis auf …
Konkretes Beispiel: Vor einem Jahr hat der außerordentliche Verbandstag den finalen Schritt zu einer hauptamtlichen Führung im BTTV beschlossen. Hat sich dadurch etwas gravierend geändert?
Im Innenverhältnis (hoffentlich) nicht, zumindest habe ich keine Anzeichen bemerkt. Es gab keine kritischen Anmerkungen seitens unserer Mitgliedsvereine! Es wurde kein grundsätzliches Misstrauen in einschlägigen Foren gepostet! Und auch die vorher (latent) geäußerte Befürchtung, mit einer bezahlten Führung könnten die ehrenamtlichen Fachwarte ihre Arbeit „zurückfahren“, weil „… wir haben ja jetzt jemanden, der dafür bezahlt wird“, ist nicht eingetreten.
Aus diesem Grund möchte ich den Dank für die Arbeit unserer Ehrenamtlichen im letzten Jahr ganz an den Beginn dieser Rede stellen. Ich danke auch im Namen meiner Vorstandskollegen allen Fachwarten auf Verbandsebene, die den neuen Vorstand in seiner Rolle unterstützt haben durch ihre nach wie vor professionelle und zuverlässige Arbeit. Dabei gilt der Dank insbesondere dem Präsidium mit Präsident Wolfgang Popp an der Spitze als Aufsichtsratsgremium, unter dem der Vorstand in vertrauensvoller Zusammenarbeit und im Rahmen seiner Befugnisse wirkt. Ich möchte auch allen Fachwarten in den Bezirken und in erster Linie den Bezirksvorstandsmitgliedern danken. Sie sorgen unabhängig von der Führungsstruktur auf Verbandsebene nicht nur für einen reibungslosen, flächendeckenden Spielbetrieb. Vor allem die Bezirksvorsitzenden haben mit ihrer loyalen und konstruktiven Mitwirkung im Verbandsausschuss nie den Eindruck vermittelt, dass das Hauptamt jetzt zu dominant sein könnte, sondern sie haben wie in den Vorjahren als Teil der Legislative die Entwicklungen des Verbands in der Überzeugung des Zusammenwirkens von Ehren- und Hauptamt vorangetrieben. Und ich bin zuversichtlich, dass auch die neu gewählten und berufenen Fachwarte diese Überzeugung teilen. Deshalb nochmals aufrichtig und herzlich: Danke Euch allen auf Verbands- und Bezirksebene für Euer bisheriges und vorab für Euer zukünftiges ehrenamtliches Engagement für unseren Verband
Im Außenverhältnis wird die seit einem Jahr geltende Umstellung wenn, dann schon etwas differenzierter wahrgenommen. Für viele Kontakte ist ein hauptamtlicher Vorstand in einem Landessport-Fachverband noch immer ungewohnt; wir sind nun einmal zum wiederholten Male „Vorreiter“ gewesen. Meist genügen ein paar aufklärende Worte, denen dann – neben vielleicht einem Stirnrunzeln – oftmals ein anerkennendes „wie modern“ folgt. Allerdings benötigt es wohl noch einige Zeit, bis alle Personen aus „extern“ unsere Umstellung „verinnerlicht“ haben und eine hauptamtliche Führung akzeptieren.
Also, was den „so großen Schritt“ des BTTV von vor einem Jahr betrifft, ist doch bezüglich der Wahrnehmung eigentlich gar nicht so viel passiert …
Ist denn um uns herum etwas passiert?
„Wenn's alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich auf's neue. Und war es schlecht, ja dann erst recht“
Dieser Spruch wird oftmals Albert Einstein zugeschrieben, aber es werden auch relativ viele andere Urheber genannt.
Von den Dingen, die passiert sind, was war denn erfolgreich seit dem letzten Verbandstag? Hierzu meine kleine persönliche Auswahl:
- Olympiabewerbung
Die Landeshauptstadt hat in einem Bürgerentscheid mit fast 2/3-Mehrheit positiv für die erneute Austragung von Olympischen und neu den Paralympischen Spielen in München gestimmt. Auch wir als BTTV-Führung haben die Bewerbung von München nach Kräften unterstützt, weil wir dadurch eine riesige Chance sehen: Für den Sport in Deutschland, für den Leistungssport im Allgemeinen, für die Sportart Tischtennis und speziell für unser TT-Leistungszentrum in München.
Vielleicht ist es uns ja auch schon gelungen, die Vertreter des DTTB, die am 26. September 2026 über die deutsche Bewerberstadt abstimmen, von München als den besten deutschen Austragungsort zu überzeugen.
- Nachwuchsleistungssport
Die Nachwuchsathletinnen und -athleten des BTTV waren wieder äußerst erfolgreich. Wir können erneut stolz sein auf die LA-L-Bewertung des letzten veröffentlichten Zeitraums. Wieder die Nr. 1 in Deutschland, diesmal mit 174 Punkten (von max. 200) ist Platz 1 vor den TT-Verbänden von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen mit 166 bzw. 154 Punkten.
Wir haben unsere Förderstruktur zur Erfüllung möglicher Förderkriterien erweitert, denn Schulanbindungen spielen in der Fördersystematik eine immer wichtigere Rolle. Neben der Eliteschule des Sports in München sind wir nunmehr auch an einer sportbetonten Schule in Oberstdorf und nach offizieller Aufnahme auch an der Berthold-Brecht-Schule in Nürnberg mit Anbindung an das dortige Internat aktiv.
Aber auch mit einem idealen Umfeld sind es die Sportlerinnen und Sportler, die Erfolge erzielen. Wir haben stets über die Events berichtet, weshalb ich grundsätzlich auf unsere Öffentlichkeitsarbeit verweise, die beim Referenten Florian Leidheiser und der Redakteurin Barbara Jungbauer in den besten Händen ist – vielen Dank für die allumfassende Berichterstattung auf allen unseren Kanälen.
Ausnahmsweise möchte ich drei Spielerinnen an dieser Stelle hervorheben: Koharu Itagaki, die Weltmeisterin in der Mädchen15-Konkurrenz geworden ist, Sabine Winter, die nach ihrer Materialumstellung internationale Erfolge feiern konnte wie nie zuvor und Annett Kaufmann, die zusammen mit Sabine Winter die Bronze-Medaille bei den Mannschafts-Weltmeisterschaften errungen hat. Sensationell und nochmals herzlichen Glückwunsch!
Damit es weiterhin Erfolge im Nachwuchsbereich gibt, damit die Strukturen den Fördervorgaben angepasst werden, damit die zur Verfügung stehenden Mittel effektiv und effizient eingesetzt werden, dafür sorgen die Trainer, insbesondere unsere Verbandstrainer. Ich beglückwünsche Daniel Behringer als Referenten für den Leistungssport sowie Krisztina Toth, Szilard Csölle, Maya Kunats und Andrea Voigt zu den Erfolgen und bedanke mich für ihre Arbeit, die unter nicht einfachen logistischen Rahmenbedingungen geleistet wurde. Danke!
- Digitalisierung
Die Digitalisierung in unserer Tischtennis-Welt schreitet voran. Ich finde dies einen durchaus erwähnenswerten Aspekt und verbuche die Umsetzung im Tischtennis allgemein sowie im BTTV unter Erfolg, und zwar mit folgenden Entwicklungen: Das digitale Abrechnungstool, das digitale Vertragsmanagement, digitale Zählgeräte mit Möglichkeiten der Übertragung über die Schnittstelle nuScore 2.0, die geplante und in ersten Teilen umgesetzte Turnierwelt, … alles Schritte in die richtige Richtung. Neben eigenen Ideen sind es vor allem bundesweit eingeführte Standards, weshalb unserem Dachverband die Führungsrolle zukommt, die wir für ihn schon immer vorgesehen haben und die er mittlerweile angenommen hat. Ein Lob hierfür der hauptamtlichen DTTB-Führung mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Dörner und dem „Digitalisierungs-Chef“ Frank Wieberneit.
- Vereinsservice
Auch in meinem letzten Beispiel, dem Vereinsservice oder bei anderen Verbänden genannt der Sportentwicklung gab es positive Entwicklungen. Einerseits wird auch hier die neue Rolle unseres Sport-Dachverbands deutlich. Entgegen früheren Jahren gibt es keine Gießkannen-Verteilung mehr auf unterschiedlichste Ansätze. Es wurde ein gemeinsamer Fokus vereinbart und dieser liegt auf der Erschließung von weiteren Zielgruppen aus dem Tischtennis. Neben den alternativen Spielformen und der wachsenden Parkinson-Szene sind hier vor allem die Outdoor-Communities mit ihren Aktivitäten zu nennen. In einer koordinierten Aktion konnte am 1. Mai unter dem Titel „Spin den Mai“ deutschlandweit ein entsprechendes Zeichen gesetzt werden.
Auf der anderen Seite sind es auch neue verbandsinterne Impulse. Damals als Experiment auf der Grundlage einer Beitragserhöhung gestartet, hat sich die hauptamtliche Stelle im BTTV-Vereinsservice bei Vereinen und Fachwarten schon längst einen Namen gemacht. Lisa Saur betreut diesen Bereich mit Professionalität, Innovation und Kommunikationsgeschick. Diese Einstellung und die erweiterte, zielgerichtete Angebotspalette – ich verweise hier auf den entsprechenden schriftlichen Bericht – fällt unseren Vereinen und Fachwarten durchaus positiv auf!
Die Bündelung und die Auslagerung von Dienstleistungen ist eine Erfolgsstory des Verbands. Seit Einführung der BTTA gGmbH, der Bayerischen Tischtennis-Akademie, deckt das Team um Geschäftsführer Michael Hagmüller, dem seit 1.1.2025 auch Lisa Saur angehört, verantwortlich und extrem erfolgreich alle Serviceleistungen rund um Trainer-Aus- und -fortbildung sowie im Bereich Mitgliederentwicklung ab.
Und wenn wir schon vom Service sprechen: Hier leisten die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle, dem Servicezentrum des Verbands, Nicole Käser und Petra Scherer, vorbildlichen Kundenservice; auch dies sollte in diesem Zusammenhang unbedingt genannt werden.
Und was war negativ? Mit der Feststellung „es ist nichts passiert“ können leider auch negative Entwicklungen verbunden sein. Auch hierzu gibt es etwas zu berichten:
- TT-Zentrum
Bei den Plänen zu unserem TT-Zentrum in München ist erneut „nichts passiert“. Der Antrag aus dem Jahr 2025, der vom bayerischen Staatsministerium des Innern mit Zustimmung aller uns betreffenden Sport-Stakeholder eingereicht wurde, wurde auf Bundesebene wieder einmal geschoben. Es ist also wieder einmal nichts Neues passiert. Dies war in 2025 schon die sechste Verschiebung nach 2020, 2021, 2022, 2023 und 2024. Schön, dass das Projekt aus sportlicher Sicht zumindest über diesen Zeitraum hinweg immer als sinnvoll betrachtet wurde. Diese Bewertung hat sich allerdings geändert und wird zukünftige Planungen massiv und negativ beeinflussen, denn der Deutschen Hockey-Bund hat sich – ohne uns direkt darüber zu informieren – aus dem gemeinsamen Projekt zurückgezogen. Ohne diese zweite sportartspezifische Unterstützung ist das geplante, symbiotische Gesamtprojekt von 2 Sportarten und 2 Bundesstützpunkten in München „gestorben“. Das ist zwar nicht das Ende unserer Pläne, denn entsprechende Alternativen und Kontakte sind bereits ausgelotet, aber es erschwert die Neuplanung und hat 6 Jahre Arbeit „einfach mal so“ zunichte gemacht. Solidarität im Sport? Anscheinend bei diesem Thema nicht.
- myTischtennis und BLSV - nichts passiert oder unrealistische Erwartungshaltung?
Manchmal sind es zu hohe oder fälschlicherweise geschürte Erwartungen, weshalb ein auch nur teilweises „Nichterfüllen“ ein negatives Gesamtbild erzeugt.
Ich möchte hierzu als Beispiele zwei Organisationen nennen, die sich jeweils die Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben haben, bei denen die letzten Umsetzungen – vielleicht wegen zu hoher Erwartungen – nicht das gewünschte Ergebnis gebracht haben: Die myTischtennis GmbH und den Bayerischen Landes-Sportverband BLSV.
Bei myTischtennis war es der Relaunch der Homepage, der plötzlich und unerwartet für die GmbH eine Flut von Beschwerden, Korrekturwünschen, Verbesserungsvorschlägen usw. erzeugt hat. Das Bemerkenswerte daran war, dass wir als (Minderheits-) Gesellschafterverband quasi mittelbar „in Haftung“ genommen wurden: Etliche der derzeit über 41.000 registrierten myTT-Nutzer in Bayern und der über 12.000 bayerischen Premium-Abonnenten meinten, wir hätten direkten Einfluss auf die Programmierungen der myTT-Homepage, sowohl was die bisherigen Umsetzungen als auch nötige Korrekturen betrifft.
Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass mit unerfüllten Erwartungen, die bzgl. des Relaunches geweckt worden sind und sicherlich nicht überzogen waren, eine negative „Grundstimmung“ entstanden ist, die auch auf beteiligte Gesellschafterverbände durchgeschlagen ist. Interessanterweise hat dies der Steigerung der Premium-Abos überhaupt keinen Abbruch getan, und die myTT GmbH ist durchaus bemüht, sämtliche berechtigten Kritikpunkte schnell zu beseitigen. Fazit: dringende Korrektur der bemängelten Umstände um die Erwartungen zumindest nachträglich zu erfüllen!
Der BLSV, und ich spreche dies hier auch in Anwesenheit von BLSV-Vizepräsidentin Gudrun Brendel-Fischer offen an, hat ebenfalls einen hohen Anspruch an sein digitales Umfeld formuliert, so z.B. als neuestes Feature die geplante einheitlichen Bestandserhebung; und er hat damit von Beginn an entsprechende Erwartungen geweckt.
Ich nenne die digitale Umsetzung von Zielfestlegungen und von Anträgen auf Fördermittel hierbei als negatives Beispiel. Wir als BTTV haben damals der Umstellung auf die konzeptionelle Förderung voller Überzeugung und mit der Hoffnung zugestimmt, dass die Prozesse gegenüber der Vergangenheit digitalisiert, schneller, effizienter und aufwandsminimiert ablaufen. Diese Hoffnung ist leider enttäuscht worden. Denn nach der Einführung ist trotz konstruktiver Kritik – und es sind lediglich maximal 57 Sportfachverbände betroffen – bei der bayern-internen Weiterentwicklung des digitalen Antragswesen für Fördermittel eigentlich „nichts passiert“. Wir erleben im dritten Jahr keinen Fortschritt. Der vom BLSV selbst vorgegebene Zeitplan bzgl. Genehmigung und Freigabe wird nicht eingehalten, wodurch wir keine Planungssicherheit besitzen. Die inhaltlichen Diskussion über die genannten Parameter und deren Einträge/Formulierung halten an, weil die Mitarbeitenden des beliehenen Unternehmers immer noch viel zu wenig über den Sportbetrieb in den Verbänden wissen bzw. nur Wert auf irgendwelche Formalien legen.
Haben wir zu große Erwartungen bei der Umsetzung des BLSV gehabt? Ich glaube nicht, denn unser Dachverband wiederholt selbst immer wieder seine „digitale Prämisse“. Wir wünschen uns bezüglich des Antragsverfahrens schnelle Verbesserungen, denn sonst bliebe im nächsten Jahr leider nur das frustrierende Fazit: Es ist wieder nichts passiert!
Auch der nächsten, der abschließenden Passage möchte ich ein Zitat
„Zur guten alten Zeit“
voranstellen. Der britische Schauspieler, Schriftsteller und Kosmopolit Sir Peter Ustinov hat einmal gesagt: „Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen werden ...“. Ich hoffe inständig, dass dies nicht der Fall ist. Warum?
Als Vorstandsvorsitzender des BTTV und als politisch interessierte Person sei mir an dieser Stelle ein Blick auf die derzeitig vorherrschende geopolitische Situation gestattet. Dies ist mir ein persönliches Anliegen, auch wenn das Thema sicherlich „kein angenehmes“ ist. Der Krieg gegen die Ukraine dauert jetzt schon viele Jahre an; der kriegerische Konflikt im Nahen Osten ist immer noch präsent – zumindest/auch mit den weltwirtschaftlichen Folgen – und auf dem ganzen Globus gibt es noch viele weitere kriegerische Auseinandersetzungen, über die wir vielleicht gar nicht viel erfahren.
Für mich, der sein gesamtes Leben in Frieden und Demokratie verbracht hat, ist es eigentlich unvorstellbar, was es bedeutet „im Krieg zu sein“. Ich kann das Leid der jeweiligen Bevölkerung nicht annähernd bemessen. Wir sehen zwar ständig entsprechende Berichterstattungen in den Medien, aber die Einordnung ohne persönliche Erfahrung fällt schwer und die Gefahr besteht, dass uns diese dauernden Bilder gleichgültig(er) werden lassen. Parallel dazu diskutiert die bundesdeutsche Gesellschaft über Flüchtlinge, Migration und Auswirkungen von solchen Kriegen auf unsere Wirtschaft.
Und irgendwann fragt man sich automatisch: Betrifft diese Weltlage auch uns als regionalen Sportfachverband? Was sind denn Auswirkungen auf den Sport und den BTTV? Und diesbezüglich muss ich nüchtern konstatieren: Ja, die Weltlage betrifft auch uns, und die größeren Entwicklungen sind vor allem in der letzten Zeit passiert!
Gleich zu Beginn bitte ich meine folgenden Ausführungen in genau dem von mir vorher aufgerissenen Kontext zu betrachten: Wir spielen Tischtennis in Deutschland, wir üben unseren Sport in Frieden aus, und mögliche negative Konsequenzen für einen Sportverband sind in keinster Weise vergleichbar mit den unerträglichen Situationen in Kriegsgebieten, mit Tod, mit Verwundungen, mit Flucht und mit einem Leben abseits der von uns als selbstverständlich empfundenen „Normalität“.
Der Bayerische Tischtennis-Verband ist nicht nur gemäß Satzung weltoffen und tolerant. Ich bin froh und ich bin stolz, dass wir als Verband allen Menschen, gleich welcher Herkunft, welcher Nationalität, welchen Geschlechts, welcher Religion oder Weltanschauung ein sportliches Angebot unterbreiten. Und ich bin dankbar, dass diese unsere Werte auch von unseren Mitgliedsvereinen gelebt werden, in denen dort Sportlerinnen und Sportler mit ganz verschiedenen Hintergründen eine „Tischtennis-Heimstatt“ gefunden haben.
Dabei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass auf Initiative des BTTV in der Wettspielordnung des DTTB der „offene Spielbetrieb“ eingeführt wurde, der diese Vielfältigkeit nachdrücklich unterstreicht.
Zu den Personen, die in unseren Mitgliedsvereinen den TT-Sport ausüben, gehören auch viele Flüchtlinge aus der Ukraine. Dies ist einerseits eine Bereicherung für den Sportbetrieb in Bayern, es hat die Verbände andererseits vor bislang nicht bekannte Herausforderungen gestellt. Die damaligen Bestimmungen in der Wettspielordnung zur Gleichstellung von ausländischen Sportlern hätten dazu geführt, dass zukünftig und ohne zeitliche Befristung viele ukrainische TT-Spielerinnen und -Spieler als „gA“ am weiterführenden Einzelspielbetrieb hätten teilnehmen dürfen. Dies hätte Auswirkungen sowohl auf die Nachwuchsförderung als auch auf die Teilnehmerfelder z.B. bei zukünftigen Seniorenmeisterschaften bedeutet. Der DTTB und die Verbände haben mit einer Neufassung der Bestimmungen zum „gleichgestellten Ausländer“ reagiert und reagieren müssen: Keinesfalls als Diskriminierung von Geflüchteten, sondern als Reaktion auf bis dato nicht bekannte und nicht vorstellbare Entwicklungen in Europa.
Diese ordnende, aber grundsätzlich positive Haltung unseres Verbands möchte ich an einem weiteren Beispiel verdeutlichen. In der aktuellen Diskussion um die „Strohmannregelung“ lagen dem Bundesrat des DTTB im März verschiedene Anträge vor. Wir haben uns deutlich gegen eine Hürde für „neue Spielberechtigte“ im Erwachsenensport, genauer gegen die beantragte „prophylaktische RES-Regelung“ (TT-Insider wissen, wovon ich spreche), ausgesprochen, weil dies den Zugang und die Integration von neuen erwachsenen Spielberechtigten insbesondere aus dem Ausland oder von Geflüchteten erschwert hätte. Dies wollten wir auf gar keinen Fall!
Weitere Umstände für uns als Verband ergeben sich aus den wirtschaftlichen Folgen der andauernden Kriege. Die Energiepreise und die Lebenshaltungskosten steigen und die Wirtschaft stagniert, was für den BTTV konkret an Herausforderungen bedeutet:
- Die vom BTTV den ehrenamtlichen Fachwarten erstatteten Fahrtkosten decken mit 0,30 Euro pro Kilometer den verfahrenen Spritpreis (schon länger) nicht mehr. Auch wenn mit Forderungen nach Erhöhungen (noch) nicht an den Vorstand herangetreten wurde, möchte ich das Thema offensiv aufgreifen. Wir werden unter den jetzigen Gegebenheiten, d.h. ohne Beitragserhöhung nicht in der Lage sein, den km-Satz spürbar zu erhöhen. Deshalb wird dieser Umstand Gegenstand in den kommenden Beratungen im Verbandsausschuss sein.
- Ohne entsprechende Steuereinnahmen wird der Haushalt des Freistaats Bayern wohl kaum eine Erhöhung von staatlichen Förderungen für den Breiten- oder den Leistungssport zulassen. Es ist sogar zu befürchten, dass die derzeitige Haushaltssperre ausgeweitet wird, was zu geringeren Zuschüssen und damit zu einer Reduzierung unserer Sportangebote führen könnte.
- Die Betriebe und Unternehmen werden sich aufgrund der wirtschaftlichen Lage zurückhalten, den Sport z.B. über Sponsoring zu fördern. Der DTTB hat gerade erste Erfolge bei der Vermarktung der Sportart erzielt, und es ist zu befürchten, dass dieser positive Trend zumindest kurzfristig nicht anhält.
Auch die kommunalen Fördergeber werden bei Zuschüssen zu sportlichen Aktionen, die grundsätzlich eine freiwillige Maßnahme darstellen, zurückhaltender sein. - Für uns als Verband könnte natürlich eine Beitragserhöhung helfen. Aber in der allgemeinen Situation haben sowohl unsere Mitgliedsvereine als auch deren Mitglieder mit den verschlechterten Rahmenbedingungen zu kämpfen, weshalb eine einfache Verlagerung des Problems „nach unten“ nur die letzte Lösungsmöglichkeit sein darf.
Ich wünsche mir, dass im nächsten Jahr etwas passiert, aber bitte ausschließlich etwas Positives.
Ich wünsche mir, wir wünschen uns Frieden in Europa und in der Welt. Vor allem für die Menschen, die in den betroffenen Ländern leben. Aber auch für die globalen Entwicklungen, die jeden und alle von uns betreffen, als Person, als TT-Spieler, als Sportverband, als Staat, …
Ich bin dankbar, dass wir als BTTV unsere Geschicke in Frieden und Freiheit selbst gestalten dürfen. Ich bitte alle Fachwarte weiterhin um die Unterstützung des Vorstands, dass wir diese Gestaltungsmöglichkeiten auch in Zukunft wahrnehmen. Im Sinne unserer demokratischen Werte, transparent, weltoffen, zukunftsorientiert.
Wir werden weiter an einer erfolgreichen Zukunft des BTTV arbeiten, weshalb ich im nächsten Jahr hoffentlich über positive Ereignisse berichten kann, auch wenn das nächste Jahr wahrscheinlich wieder (zu) schnell vorüber gehen wird.
Vielen Dank!

