Zum Inhalt springen

Personal/Hintergrund  

"Voneinander lernen und sich gegenseitig bereichern"

Juniorteam-Sprecher Silas Pehl im "BTTV-Talk" über seine Freude am Ehrenamt, seinen Werdegang und das Miteinander zwischen Jung und Alt

Silas Pehl ist einer von zwei Sprechern des BTTV-Juniorteams, die andere ist Anna Köpf

Silas Pehl ist in vielen Rollen unterwegs und ziemlich eingespannt. Als Sprecher des BTTV-Juniorteams ist er unter anderem Bindeglied zwischen der Jugend und dem Verband. Der 24-Jährige aus Lehrberg spricht über sein Zeitmanagement, seine Leidenschaft für das Ehrenamt und hält ein Plädoyer für generationenübergreifenden Austausch.

Silas, du bist beruflich und ehrenamtlich sehr breit aufgestellt, du bist Sprecher des BTTV-Juniorteams, erstellst Social-Media-Content für den TSV Bad Königshofen, arbeitest in dieser Rolle als Freelancer für die TTBL. Hauptberuflich bist du als Versuchsingenieur bei einem großen Nutzfahrzeug-Hersteller in Neu-Ulm tätig. Wie ist dieser Mix entstanden und wie organisierst du deinen Alltag
Silas Pehl:
Meine Begeisterung für Tischtennis begann schon in der Grundschule, parallel zu meinem Interesse an Mathematik und Physik. Nach dem Abitur entschied ich mich – auch wegen der Pandemie – für einen Bundesfreiwilligendienst im Tischtennis statt eines FSJ-Auslandsjahres. So kam ich zum TSV Bad Königshofen, wo ich schnell Verantwortung übernahm, unter anderem im Jugendtraining und in der Betreuung der Social-Media-Kanäle. Während der Pandemie verlagerte sich vieles ins Digitale: Ich begann, Trainings- und Highlightvideos zu schneiden und entwickelte dabei eine Leidenschaft für Videobearbeitung und Storytelling. Aus dieser Erfahrung heraus konnte ich meine Fähigkeiten stetig ausbauen. Gleichzeitig ergaben sich neue Chancen: Über Juniorteam-Mitglied Nils Dünninger kam ich ins Juniorteam des BTTV, wo ich heute als Sprecher aktiv bin. Parallel dazu absolvierte ich ein duales Studium in Elektrotechnik bei Daimler Buses.

Trotz der intensiven Studienzeit blieb ich dem Tischtennis treu, produzierte weiter Content und baute zusätzlich einen YouTube-Kanal auf. Heute arbeite ich als Versuchsingenieur in Neu-Ulm und teste unter anderem neue Bus-Technologien – ein spannender Kontrast zu meiner Tätigkeit im Sport. Durch mein Engagement wurde auch die TTBL auf mich aufmerksam, sodass ich inzwischen als Freelancer an Spieltagen im Social-Media-Bereich unterstütze. Die Organisation gelingt mir vor allem durch flexible Arbeitszeiten, gute Planung und die Möglichkeit, Termine gezielt auszuwählen. Viele Aufgaben erledige ich abends oder am Wochenende. Insgesamt ist dieser Mix für mich eine große Bereicherung: Tischtennis gibt mir Energie, Teamgeist und ein starkes Netzwerk. Gleichzeitig liebe ich die Abwechslung zwischen technischem Beruf und kreativem Ehrenamt – auch wenn es manchmal herausfordernd ist, alles unter einen Hut zu bringen.

„Tischtennis gibt mir Energie, Teamgeist und ein starkes Netzwerk“

Für uns als BTTV steht dein Engagement im Juniorteam im Fokus: Was sind eure und speziell deine Hauptaufgaben dabei?
Pehl:
Eine unserer Hauptaufgaben ist die Jugendarbeit. Dafür haben wir das Jugendnetzwerk aufgebaut, in dem sich die Bezirksjugendsprecher der Bezirke austauschen sowie Rahmenbedingungen mitgestalten. Als Juniorteam fördern wir diesen Austausch und bilden den direkten Draht zum BTTV. Da es sich für viele um ihr erstes Ehrenamt handelt, stehen wir ihnen natürlich auch bei Fragen zur Seite und unterstützen sie. Darüber hinaus haben wir die Möglichkeit, den Jugendsport direkt zu beeinflussen und zu verändern. Da wir beim Verbandstag stimmberechtigt sind, können wir selbst Anträge einbringen und den Jugendsport aktiv mitgestalten. Eine weitere wichtige Aufgabe ist unsere Öffentlichkeitsarbeit, die sich vor allem auf unseren Instagram-Kanal konzentriert. Wir begleiten unsere Projekte und Treffen über diesen Kanal und haben unter anderem eine Videoreihe aufgenommen. Darin stellen wir Ehrenämter im Tischtennis vor, die vielleicht nicht jedem bekannt sind. Was macht eigentlich eine Schiedsrichterin? Was sind die Aufgaben eines Bezirksjugendsprechers? Wir zeigen in kurzen, unterhaltsamen Clips, wie vielfältig Ehrenamt im Tischtennis sein kann. Es lohnt sich also, unserem Kanal zu folgen.

Als Teil des Juniorteams beim BTTV und des Juniorteamnetzwerks Young Stars ist Vernetzungsarbeit für uns essenziell. Wir stehen in engem Kontakt mit den Verantwortlichen und sind auch über Tischtennis hinaus vernetzt. Wir tauschen uns mit anderen Sportverbänden und Juniorteams aus anderen Landesverbänden aus. Bei überregionalen Treffen lernen wir voneinander, teilen Best Practices und entwickeln gemeinsame Projekte. So entstand zum Beispiel ein gemeinsames Vorstellungsvideo der Juniorteams.

Der letzte Hauptpunkt befasst sich mit den Aufgaben unseres Sprecher-Teams, zu dem aktuell Anna Köpf und ich gehören. Wir organisieren und leiten sowohl Online- als auch Präsenz-Teamsitzungen. Als Sprecher-Team repräsentieren wir das Juniorteam nach außen und sind die Ansprechpartner für alle Anfragen, die wir je nach Thema weiterleiten. Darüber hinaus vertreten wir das Juniorteam beim Verbandstag des BTTV und sind dort stimmberechtigt. Anna und ich stehen außerdem in engem Kontakt mit Lisa Saur, der Referentin für Vereinsservice beim BTTV, sowie anderen Juniorteams und Landesverbänden.

Oft hängen unsere Projekte oder Events zusammen. So waren wir beispielsweise bei den Deutschen Meisterschaften dabei. Im vergangenen Jahr haben wir zusammen mit dem BTTV die Veranstaltungsreihe „MischMiTT" ins Leben gerufen. Bei einem MischMiTT treffen sich junge Erwachsene zwischen 16 und 22 Jahren für ein ganzes Wochenende. Wir erarbeiten uns verschiedene Themen, von Öffentlichkeitsarbeit, digitalen Medien und Social Media über Kommunikation und Teamkultur bis hin zu Demokratie und Mitbestimmung. Für jeden ist etwas dabei. Das ist genau das, was uns antreibt: Praxisnah helfen und junge Menschen fürs Ehrenamt vorbereiten und begeistern. Natürlich kommt auch der Austausch untereinander und etwas Tischtennis nicht zu kurz. Besonders die Abwechslung der Themen macht mir sehr viel Spaß, weshalb ich sehr gerne im Juniorteam bin.

Welche Rolle nimmst du als Sprecher ein: Was sind deine Aufgaben, wo triffst du Entscheidungen, und was entscheidet ihr im Team?
Pehl: Als Sprecher des Juniorteams ist es mir wichtig, dass sich die Mitglieder ihrer Kompetenzen und Kapazitäten bewusst sind und sich aktiv beteiligen. Dementsprechend ist es meine Aufgabe, mit den Mitgliedern in Kontakt zu bleiben und Termine zu vereinbaren. Hierfür stehe ich in engem Austausch mit der Referentin für Vereinsservice, Lisa Saur, sowie anderen Juniorteams und Landesverbänden. Wir veranstalten regelmäßig Online-Treffen und jährlich Präsenztreffen, die Anna oder ich organisieren. Der Umfang der Aufgaben variiert je nach Thema und Jahreszeit, aber es gibt immer etwas zu tun. Ich erstelle beispielsweise die Tagesordnungen für unsere Präsenzmeetings, moderiere die Sitzungen, koordiniere, wer welche Aufgabe übernimmt, und halte den Kontakt zu allen Teammitgliedern. Vor großen Events wie MischMiTT oder dem Verbandstag bin ich oft mehrere Stunden pro Woche beschäftigt. In ruhigeren Phasen reichen zwei bis drei Stunden pro Woche.

Wenn du auf deine bisherige Zeit im Juniorteam schaust: Was waren persönliche Highlight-Momente oder was hat vielleicht nicht funktioniert
Pehl: Jedes Präsenztreffen ist für mich ein Highlight. Unser Juniorteam-internes Treffen Anfang Januar fällt mir da direkt ein. Aber auch Treffen mit anderen Tischtennis-Juniorteams sind immer toll. Daher ist es mir wichtig, dass wir uns innerhalb des Juniorteams mindestens einmal im Jahr persönlich treffen. Wir sehen uns auch bei Veranstaltungen in Präsenz. Zwei besondere Highlights waren die beiden MischMiTT Workshops in Augsburg und Nürnberg. Dort haben wir viele tolle junge Menschen kennengelernt, die mit großer Begeisterung dabei waren.

Natürlich gibt es auch mal ein paar „Lowlights“, auch wenn wir versuchen, daraus zu lernen und sie als Chance zu sehen. Mir fällt da ein, dass wir mal versucht haben, bei einem Verein einen MiTT-Mischer – einer Aktion für 13- bis 15-Jährige – zu organisieren. Leider gab es zu wenige Anmeldungen, sodass wir diesen absagen mussten. Natürlich waren wir sehr enttäuscht. Im Nachgang haben wir uns zusammengesetzt und analysiert, was für die wenigen Anmeldungen gesorgt hat und was auch gut angekommen ist. Einige Erkenntnisse sind dann in die Konzeption unserer Workshopreihe MischMiTT eingeflossen, den wir bewusst für 16- bis 22-Jährige angesetzt haben. Beide Termine 2025 waren so ein Erfolg und die Feedbackbögen waren durchweg positiv.

Tischtennis bringt Generationen zusammen – das ist eine Stärke, kann aber auch Reibung erzeugen am Tisch, aber auch in der Vereins- und Verbandsarbeit. Was braucht es aus deiner Sicht für ein gutes Miteinander zwischen Jung und Alt?
Pehl: Tischtennis fördert ein wunderbares Miteinander zwischen Jung und Alt. Für ein harmonisches Miteinander ist gegenseitiger Respekt unerlässlich. Beide Generationen können voneinander lernen und sich gegenseitig bereichern. So habe ich beispielsweise von älteren Teamkollegen neue Aufschläge und Tricks gelernt und im Rahmen meines BFDs viel über Arbeit im Team und Tischtennis gelernt. Umgekehrt können junge Menschen mit ihrem frischen Blickwinkel und neuen Ideen Verbesserungen anstoßen.

Wichtig ist, dass beide Seiten bereit sind, wirklich zuzuhören – nicht nur zu nicken und dann weiterzumachen wie bisher. Wenn Ältere junge Ideen pauschal als „unrealistisch" oder „zu aufwendig" abtun, ohne sie ernsthaft zu prüfen, entsteht Frust und junge Menschen ziehen sich zurück. Umgekehrt: Wenn Junge die Erfahrung der Älteren als „veraltet" sehen, ohne zu verstehen, warum bestimmte Strukturen gewachsen sind, verpassen sie wertvolle Lernchancen. Wir brauchen Räume – in Vereinen, Verbänden, bei Sitzungen –, in denen beide Perspektiven gleichberechtigt sind und in denen man gemeinsam Lösungen entwickelt, statt gegeneinander zu arbeiten. Wenn beide Generationen Respekt voreinander haben und offen für die Vorschläge der anderen sind, entsteht eine großartige Synergie, von der alle profitieren.

Silas, vielen Dank für das Gespräch!

Ähnliche Nachrichten

Aktuelle Beiträge