Ihr Ergebnis im Halbfinale des Singapore Smash gegen die Nummer zwei der Welt, Wang Manyu, war klarer als das Spiel – und für Sabine Winter vor allem eines: ein weiterer Beleg ihrer Entwicklung. Die 33-jährige Dachauerin ordnet im Interview ihren Erfolg beim ersten Grand-Smash-Turnier des Jahres ein, erklärt, warum sie gerade aus Niederlagen lernt, und blickt voraus auf Asien, die Bundesliga und die Multi-DM im Juni. Seit heute wird sie auf Position elf der Weltrangliste geführt. Von Singapur ging es für Winter nach Sanya an die Südspitze der chinesischen Hainan-Insel. Dort tritt sie bei einem Mannschafturnier mit Schwedens Anton Källberg, ihrer Nationalteamkollegin Yuan Wan, Ex-Europameisterin Sofia Polcanova aus Österreich gegen drei chinesische Teams, in denen jeweils drei Herren und eine Dame spielen. Am heutigen Montag war die erste Partie, zwei weitere folgen am Dienstag. Am Ende der Woche geht es weiter innerhalb Chinas, zum WTT Champions Chongqing (10. - 15. März).
Jetzt, mit etwas Abstand zum Halbfinale: Ist das Match gegen Wang Manyu ein Mutmacher oder ein Spiel, das besonders schmerzt?
Sabine Winter: Ich kann jetzt nicht sagen, dass das Match gegen Wang Manyu schmerzt. Das war ein super Turnier für mich. Gegen Wang Manyu habe ich nichts zu verlieren, schließlich ist sie die Nummer zwei der Welt. Ich glaube, es wäre jetzt ein bisschen übertrieben zu sagen, es schmerzt, wenn ich gegen so eine Topspielerin verliere. Natürlich hätte ich es gerne noch ein bisschen knapper gestaltet, aber insgesamt ist es wirklich schön zu sehen, dass ich auch gegen jemanden wie Wang Manyu dagegenhalten kann. Sie hat wirklich Gas gegeben und die Faust gezeigt und damit bewiesen, dass sie mich sehr ernst genommen hat. Wenn Chinesen einen ernst nehmen, dann gibt das Selbstvertrauen. Auch wenn es leichter zu spielen wäre, wenn sie einen nicht ernst nehmen (Lacht.). Aber letztendlich ist es eigentlich ein Mutmacher. Es war ein super Turnier, und auch gegen Wang Manyu bin ich nicht abgeschossen worden. Von daher: eher Mutmacher als Schmerzen, würde ich sagen.
Erst die dritte Top-Ten-Spielerin konnte Sie stoppen: Was nehmen Sie konkret mit ins nächste Duell gegen eine chinesische Topspielerin? Timo Boll sagte immer, er brauche die Duelle mit den Topchinesen, um sich weiterentwickeln zu können.
Winter: Ich lerne auf jeden Fall mehr aus sehr knappen Siegen und vor allem aus den Niederlagen. Wenn man mir meine Grenzen aufzeigt, weiß ich, woran ich arbeiten muss. Wenn ich mein Spiel deutlich gewinne, dann sehe ich nicht, was ich verbessern muss. Von daher sind Spiele wie gegen Wang Manyu für mich immer sehr wertvoll, wenn ich danach in die Trainingsphase reingehe. Ich habe gerne die Spiele gegen die sehr, sehr guten Leute, auch wenn ich sie dann verliere.
Sie bleiben in Asien. Am 10. März beginnt das WTT Champions Chongqing in China. Wie verbringen Sie die Zeit bis dahin?
Winter: Von Singapur bin ich nicht direkt nach Chongqing gereist, sondern nach Sanya. Es wurde also ein bisschen knapp mit der Anreise. Ich bin drei Stunden vor Spielbeginn gelandet. Klar, hätte ich auch gerne einen Tag frei gehabt, aber ich konnte vorher nicht wissen, dass ich bis zum Sonntag noch im Smash vertreten sein würde, sodass es jetzt ein bisschen knapp wurde. Ich hatte ohnehin nicht vor, nach dem Singapore Smash für die paar Tage nach Deutschland zurückzureisen. Diese Reiserei ist einfach anstrengend, die langen Flüge und das viele Sitzen. Dann natürlich auch der Jetlag. Das Hin und Her kostet immer Kraft, deswegen hatte ich eh geplant, in Asien zu bleiben und dann hat dieses Event sehr gut gepasst. Am Montag haben wir ein Spiel, am Dienstag zwei. Danach werde ich mir am Mittwoch und Donnerstag zwei freie Tage gönnen und den Ort genießen. Sanya liegt direkt am Meer mit Strand. Es ist sehr schön hier. Da werde ich relaxen und emotional abschalten und mich ab Freitag aufs Champions vorbereiten und hoffen, dass ich wieder eine gute Leistung abrufen kann.
Beim Europe Top 16 zum Jahresbeginn haben Sie nur einen Satz verloren, waren in Montpellier die erste Europäerin in einem Champions-Finale, jetzt Grand-Smash-Halbfinale. Spüren Sie, dass sich Ihr Status auf der Tour durch die Erfolge verändert hat?
Winter: Dass sich mein Status ein bisschen geändert hat, das spüre ich schon, aber zu sehr ist es jetzt auch noch nicht. Ich spiele ja noch nicht so lange so gut. Andere spielen seit vielen Jahren auf absolutem Topniveau. Dahin muss ich erst mal kommen. Es ist aber mehr Aufmerksamkeit da, und ich muss jetzt öfter was für die sozialen Medien für WTT machen.
Hat sich Ihr Selbstverständnis als Spielerin verändert – von der Herausforderin zur Mitfavoritin und Gejagten?
Winter: Klar, so ein bisschen hat sich das schon verändert, dass man, wenn man wegen eine Nummer 30 der Welt in die Box geht, einen alle auf einmal als Favoritin sehen. Früher wäre ein Erfolg gegen die Nummer 30 für mich einfach ein Riesensieg gewesen. Das macht es nicht unbedingt leichter, aber ich versuche meine eigene Erwartung nicht zu hoch zu schrauben. Natürlich steigt die mit guten Siegen ein bisschen, aber natürlich steigt auch das Selbstvertrauen. Die Erwartungen von außen versuche ich, so gut es geht, auszublenden, damit ich einfach weiter mein Ding mache, mein Spiel spiele, versuche meinen Weg zu gehen und mich darauf konzentriere, mich spielerisch weiterzuentwickeln und nicht so viel an das ganze andere zu denken.
Im April geht es mit Dachau in der Bundesliga weiter, im Juni stehen die TT-Finals in Erfurt an. Wie groß ist Ihre Vorfreude auf Heimspiele vor deutschem Publikum nach diesen internationalen Erfolgen?
Winter: Dachau ist ja mein Heimverein. Da habe ich viele Jahre meiner Karriere gespielt. Ich freue mich immer, die Halle zu betreten und die Leute wiederzusehen. Es macht da sowieso immer Spaß, ob ich jetzt international Erfolg hatte oder nicht. Sie sind immer nett zu mir. Auf die TT-Finals freue ich mich natürlich auch. Ich habe schon immer gerne Deutsche Meisterschaften gespielt und denke auch, dass es dieses Jahr wieder ein super Event wird. Davor sind natürlich noch ein paar andere Sachen, aber auf die „Deutschen“ freue ich mich immer und werde auch diesmal wieder versuchen, möglichst weit vorne zu landen.










