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Spaß und Motivation pur für gehandicapte Spielerinnen und Spieler

Bei der TG Würzburg werden Para-Tischtennisspieler gezielt gefördert: Denn dort betreibt der BTTV einen von drei Stützpunkten in Bayern mit Landestrainer Trifon Lengerov. Von der Idee bis zur Umsetzung. Und von der Begeisterung zur Ermunterung für künftige Mitspielerinnen und -spieler.

Para-Tischtennis-Stützpunkttraining bei der TG Würzburg
Landestrainer Trifon Lengerov zeigt Birgit Baumgartner eine noch effektivere Schlägerhaltung. Foto: Gerd Ludwig

Würzburg   Birgit Baumgartner und Johannes Kröckel stehen am Tisch, den Schläger in der Hand, der kleine Plastikball fliegt mit Schwung über das Netz. Tischtennis eben – Alltag in der Halle der TG Würzburg? Ein Dritter steht auf der Höhe des Netzes: Trifon Lengerov – kein Zählrichter, kein Betreuer –, der Landestrainer des Bayerischen Tischtennis-Verbandes (BTTV), ein besonderer: Der 47-jährige Bulgare, der in seiner Heimat nationale Titel feierte, ist A-Lizenzinhaber des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Bayern (BVS). Seine Schützlinge sind gehandicapte Spieler – Para-Sportler. Der Ort, einer der drei Stützpunkte des BTTV. Vor gut zwei Jahren startete das Projekt bei der TG Würzburg.

„Ich fand das Stützpunktkonzept interessant“

TGW-Abteilungsleiter Stefan Winter erinnert sich. Trifon habe ihn angeschrieben, er suche in der Region einen Verein für einen Stützpunkt. „Ich fand das Stützpunktkonzept interessant“: Winter habe Rücksprache mit anderen Kollegen im Verein gehalten: „Wir wollten es fördern.“ Es ließ sich gut integrieren. Seit November 2023 reist Lengerov, Inhaber der Tischtennis-B-Trainerlizenz und ehemaliger Zweitliga-Spieler beim 1. FC Bayreuth, einmal im Monat – meist am ersten oder zweiten Mittwoch – nach Würzburg. Mittlerweile sind es sieben Spieler und eine Spielerin aus verschiedenen unterfränkischen Vereinen, die er dann bei der TGW betreut.

Sein Konzept: Trainingsaufbau im Heimverein, mit zwei, besser noch drei Einheiten pro Woche. Ein Stützpunkttraining pro Monat. Dann monatliche Lehrgänge (im Jahr 2026 außer August) in Heilsbronn bei Nürnberg in der Nähe seines Wohnorts, hier wird von weiteren Spielern unterstützt. Danach Individualtraining für diejenigen, die es auch einmal auf internationaler Ebene schaffen können.

„Ich schaue, dass es für alle gerecht wird“

Er macht auch keinen Hehl daraus, dass er leistungsorientiert denkt, wie beispielsweise Birgit Baumgartner. Sie erlitt mit 16 Jahren als Beifahrerin einen schweren Verkehrsunfall auf der Rückfahrt von einem Tischtennis-Jugendspiel und ist seither gehandicapt. Baumgartner schlägt beim TSV Gerbrunn in der dritten Mannschaft auf, ist im Para-Sport aber beim FC Heilsbronn Mitglied (denn nicht jeder Sportverein ist auch Mitglied im Behindertensportverband). Sie habe auf jeden Fall Interesse und den Leistungsgedanken, nach oben zu kommen, so der Para-Trainer. „Nach den letzten Paralympics haben mich ein paar Leute angesprochen, versuch‘s doch mal“, berichtet die vierfache Mutter. Sie habe nach der nächsten Möglichkeit gesucht, Para-Tischtennis zu spielen. Dass dies in Würzburg möglich sei, habe sie nicht gewusst. „Danach habe ich Trifon angerufen“, dann ging alles ganz schnell. Mittlerweile ist sie aktuelle Deutsche Vizemeisterin der Wettkampfklasse 7. „Sie trainiert regelmäßig und strebt 2026 den 1. Platz an. Und sie möchte dann auch mal mit deutschen Nationalspielerinnen die Kräfte messen. Vielleicht international. „Dann werden wir die Daumen drücken“, sagt der Para-Trainer.

„Mein Blick ist besonders auf die Leute gerichtet, die international starten können“, so Lengerov im Gespräch, „aber ich schaue, dass es für alle gerecht wird“.

So wie für Johannes Kröckel, der eine Muskelerkrankung hat. „Ich habe keine Ambitionen Richtung Meisterschaft.“ Er sei froh, dass er die Chance habe, hier mitzumachen. „Er war ein glücklicher Zufall“, sagt er rückblickend. Vor drei Jahren habe er vereinsmäßig bei der TG Würzburg, die sowohl Mitglied im BTTV als auch im BVS ist, mit dem Tischtennisspielen angefangen. Er tritt in den regulären Ligen in der zweiten und nun in der ersten Mannschaft an. Vorher habe er den Sport hobbymäßig betrieben. Eigentlich komme er vom Tennis, das er wegen seiner Erkrankung nicht mehr so gut spielen konnte. „Mein Mannschaftskollege hat gemeint, ich könnte mal fragen, ob ich beim Para-Tischtennis mitmachen könne“. Nun findet er es super: „Es macht Spaß.“

Circa 20 Vereine machen mittlerweile mit

Dem Coach ist die Begeisterung anzumerken, wenn er zurückblickt und sein Konzept erklärt. Er habe eine neue Struktur angefangen in Bayern. Jeder Verein, der eine Tischtennis-Abteilung hat, könne, wenn Interesse besteht, eine eigene Para-Gruppe aufmachen, sich bei ihm melden. Er müsse nicht extra ein Para-Tischtennisverein aufgemacht werden, sondern im bestehenden Verein entstehe diese Para-Gruppe. „Für jeden Verein ist diese Struktur offen, und jeder Verein in Bayern kann sich dieser Struktur anschließen“, betont er. „Seit 2023 haben circa 20 Vereine meine Idee aufgenommen.“

Beim Para-Sport sei die körperliche Behinderung wichtig, Parkinson beispielsweise zähle nicht zum Para-Leistungsbereich als Behinderung, aber die Stützpunkte seien sehr offen für alle Spieler, die eine Behinderung von mindestens 20 Grad (im Behindertenausweis eingetragen) haben.

Es werden beim Para-Tischtennis die Spieler in verschiedene Wettkampfklassen eingeordnet. Je tiefer die Wettkampfklasse, desto höher der Behinderungsgrad. „Als Landestrainer beobachte ich auch die Spieler, die eine internationale Wettkampfklasse haben. Die werden mehr in die Struktur eingebaut und werden dann auch mehr individuelles Training mit mir haben als die Spieler, die international nicht so klassifiziert sind“, so Lengerov

Zusammen können wir besser werden

Die Trainingsinhalte für die Spielerinnen und Spieler sind Ausdauer, Aufnahme von vermittelten Inputs und Übertragung. „Und ganz wichtig ist es, dass sie sich mit den Gruppen identifizieren: ‚Ich gehöre zu der Gruppe und bin ein Teil davon‘.“ Großen Wert legt Lengerov auf das Halten an Regeln. „Nur dann kann ich das Gemeinschaftsgefühl fördern.“ Tischtennis sei ein Gruppensport: „Zusammen können wir besser werden“, betont der Para-Trainer.

Dabei sei der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband zuständig für die Entwicklung der Para-Sportler. Trifan Lengerov schaut, dass er allen gerecht wird. „Daher haben wir die Stützpunkte und die Landeskader-Lehrgänge, wo viele Leute zusammenkommen und mit der Zeit eine homogene Gruppe entsteht, in der man miteinander trainieren, sich kennenlernen kann und auch Freundschaften entstehen. Später werden aber nur die gefördert, die international klassifizierbar sind.“ Ein Spieler, der nicht so leistungsorientiert spielen will, könne dennoch in dem Unterbau der Struktur beim Verein untergebracht werden. Da sei er genau richtig und könne sich in der Trainingsgruppe beim Verein weiterentwickeln. „Unsere Basis ist der Heimverein. Stützpunkt ist eine Förderung. Danach kommt der Landeskader.“ Es müsse noch bekannter werden, dass die Leute wissen, da erhalte ich eine gute Förderung, da werde ich gefördert. Dann werde auch das Stützpunktkonzept wachsen.

Jeder ist willkommen

Abteilungsleiter Stefan Winter von der TG Würzburg möchte das Para-Tischtennis weiter fördern. „Wenn es mehr Personen werden, werden wir schauen, ob wir andere Trainingszeiten bekommen. Jeder der dazu stoßen möchte, ist willkommen.“ Er hoffe, dass es sich herumspreche, „dass da gearbeitet wird, die Spielerinnen und Spieler gefördert werden“. Dann würden sich mehr Leute trauen, zum Training zu kommen, auch vielleicht diese, die vorher dachten, „Para, da lerne ich nichts“.

Auch Lengerov wünscht sich, dass es sich herumspricht, dass Para-Tischtennis nicht so ist, wie manche denken. „Diese Angstgrenze soll abgeschafft werden. Es hat sich herausgestellt, dass viele Spieler mit Handicap sich nicht trauen, was über ihr Handicap zu sagen. Wenn sie einmal in eine Struktur von uns reinkommen, merken sie, dass es ganz schnell vorwärts gehen kann im Sport. Und auch mental!“ Es sei wichtig, die Grenze im Kopf einfach zu überschreiten. Und er blickt in die Zukunft: „Wir haben eine Bayerische Meisterschaft, die findet im Februar 2026 in Beratzhausen/Oberpfalz statt.“ Im Gespräch sei auch, dass es neben den Stützpunkten in Würzburg, Dachau und Heilsbronn noch zwei weitere aufgemacht werden.

Zudem sei auch vorgesehen, eine eigene Para-Liga (Gruppe Nord und Süd) in Bayern zu starten und dabei nimmt Lengerov Bezug auf die circa 20 Para-Gruppen in den bayerischen Vereinen. Die besten zwei Vereine jeder Gruppe würden dann in einem Final-Four spielen.

Mehr Mitspieler gewünscht

Und die Spieler selbst: Johannes Kröckel wünscht sich ein paar mehr Mitspieler – vielleicht auch einen, der bei der TGW gemeldet ist. „Und, wenn es einmal eine Para-Liga geben wird, dass auch eventuell eine Mannschaft gemeldet wird.“

Birgit Baumgartner will alles, was sie spielen darf, spielen. „Es wäre schön, wenn mehr beim Training wären, es ist ein bisschen schade. Es gebe ja durchaus Spieler, die mitspielen könnten.“

Und sie wirbt für das Para-Projekt bei der TG Würzburg, Trainer und künftige Mitspielerinnen und Mitspieler: „Trifon hat viele und gute Ideen. Ich bin sehr zufrieden.“

Kontakt:
Trifon Lengerov: E-Mail lengerov@bvs-bayern.com, Telefon (pr) 0981/35765585; mobil 0177/7026272.
TG Würzburg, Abteilungsleiter Stefan Winter: E-Mail: winter.stefan@gmx.de

Para-Tischtennis-Stützpunkttraining bei der TG Würzburg
Para-Tischtennis-Training bei der TG Würzburg: von links: Johannes Kröckel, Landestrainer Trifon Lengerov und Birgit Baumgartner. Foto: Gerd Ludwig
Para-Tischtennis-Stützpunkttraining bei der TG Würzburg
Stützpunkttrainer Trifon Lengerov (rechts) gibt Birgit Baumgartner und Johannes Kröckel Tipps. Foto: Gerd Ludwig
Para-Tischtennis-Stützpunkttraining bei der TG Würzburg
Landestrainer Trifon Lengerov (rechts) beobachtet den Bewegungsablauf von Johannes Kröckel. Foto: Gerd Ludwig

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